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Zukunft der Kriegsführung : Der Aufstieg der Scharfschützen

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Getarnte Scharfschützen bei einer Übung
Getarnte Scharfschützen bei einer Übung : Bild: dpa

Heute werden die schnelleren und ausdauernden Drohnen für diese Aufgabe meist bevorzugt. Generell gilt: Scharfschützen sind keine Waffe für den raschen Einsatz. Ihr Wert entsteht dadurch, dass sie unbemerkt eine Feuerposition besetzen. Das unentdeckte Annähern verlangt stets Sorgfalt und somit Zeit. Teils vergehen Tage, bis sich ein Scharfschützentrupp mit  Beobachter (Spotter) und Schütze (Sniper) angeschlichen hat.

Entgegen dem medialen Image vom Killer-Sniper, der den Drogen-Baron samt Anhang zusammenschießt, liegt das präzise Beobachten noch vor dem Schießen, wenn es um den Wert der Scharfschützen für moderne Streitkräften geht. Das zeigt die Bezeichnung „Scout-Snipers“, zu Deutsch „Kundschafter-Scharfschützen“ für jene der amerikanischen Marineinfanterie. Denn statt steriler Drohnen-Bildstrecken liefern Scharfschützen situationsnahe Einschätzungen der Lage.

Kampf aus der Defensive

Das Absichern und Beobachten macht Scharfschützen zu einer Waffe, deren Königsdisziplin das Kämpfen aus der Defensive ist. Für den Angriff sind sie eine Strategie für Arme. So versuchte die Wehrmacht gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mit Scharfschützen ihre ausgelaugte Offensivkraft zu steigern. Matthäus Hetzenauer, mit 345 Abschüssen erfolgreichster Wehrmachtscharfschütze, sagte dazu in einem Interview 1967: „Mußte bereits in der Nacht durch die Hauptkampflinie sickern und mit Beginn des eigenen Artilleriefeuers feindliche Kommandanten und Geschützbedienungen bekämpfen, da eigene Kräfte ohne diese Unterstützung zahlen- und munitionsmäßig zu schwach für Angriff.“

Ähnlich wie damals die Wehrmacht setzt auch der „Islamische Staat“ Scharfschützen ein. Bei ihren Offensiven verfügten die Islamisten nie über große Bestände an Panzern und schweren Geschützen. Es mussten Sprengstofffahrzeuge reichen, die mittels Selbstmordattentätern in die gegnerische Linie gejagt wurden. Damit diese nicht abgeschossen wurden, versuchten IS-Scharfschützen mit gezieltem Beschuss, die Verteidiger in Deckung zu treiben.

Die Aufwertung des Scharfschützenwesens entwickelt sich immer weiter. Westliche Armeen wie die Bundeswehr führen zunehmend den Squad Designated Marksman ein, was so viel wie „Ausersehener Gruppen-Schütze“ bedeutet. Das ist ein Infanterist pro Einheit, der ein leichtes Sturmgewehr mit Zielfernrohr erhält. Damit soll er bei einem Feuerüberfall sofort feindliche Schützen anvisieren und ausschalten, um ein Festnageln der Einheit zu verhindern. Denn Scharfschützen müssten sich mit ihren für Einzelschüsse ausgelegten Repetiergewehren erst positionieren. Ein Konzept, das auch das Bestehen im Häuserkampf verbessern soll.

Panzer brauchen verstärkt Schutz

In der Bundeswehr wird derzeit an einer neuen Regelung für das Scharfschützenwesen gearbeitet. So hat das Amt für Heeresentwicklung beantragt, die Scharfschützen der Panzergrenadiere in eigenen Teileinheiten zusammenzufassen. Das soll eine intensivere Ausbildung ermöglichen. Die Panzerwaffe wird mit Blick auf den Nato-Russland-Konflikt in Osteuropa wieder wichtiger. Gerade aber die Stahlriesen sind im urbanen Krieg besonders verwundbar.

Moderne Anti-Panzer-Lenkraketen werden immer leistungsfähiger und tragbarer. Eine russische Variante namens Kornet durchschlägt bis zu 1,20 Meter dicken Panzerstahl. Somit brauchen Panzer verstärkten Schutz. Den bieten Scharfschützen, indem sie Panzer-Vernichtungstrupps früh erkennen und ausschalten. Die Rechnung dazu: Der Wert des neuen Bundeswehr-Schützenpanzers Puma beträgt mehr als zwölf Millionen Euro pro Stück. Eine  Patrone des  Scharfschützengewehrs G22 kostet dagegen zwischen 2,48 und 4,80 Euro.

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