17.04.2010 · Die fünf beim Krieg in Afghanistan verwundeten deutschen Soldaten werden vorerst in einem Nato-Krankenhaus in Istanbul behandelt. Die isländischen Aschewolken verhindern vorerst ihre Rückkehr in die Heimat. Auch Verteidigungsminister zu Guttenberg harrt weiter am Bosporus aus.
Von Stephan Löwenstein, Mazar-i-ScharifIn Anwesenheit des Generalinspekteur der Bundeswehr, Wieker, soll an diesem Sonntag im nordafghanischen Mazar-i-Scharif eine Trauerzeremonie für die vier Soldaten stattfinden, die in der vergangenen Woche im Afghanistaneinsatz gefallen sind. Die vier Männer im Alter zwischen 24 und 38 Jahren waren in der Provinz Baghlan in einer Sprengstoffexplosion und einem anschließenden Feuergefecht gefallen.
Fünf weitere Soldaten wurden dabei verwundet. Sie sind bereits am Freitag, begleitet von Verteidigungsminister zu Guttenberg, mit einem Airbus zur medizinischen Evakuierung (MedEvac) in Richtung Heimat gebracht worden.
Wegen der isländischen Staubwolke konnten sie aber nicht nach Deutschland fliegen. Nach drei Stunden auf dem Rollfeld im Luftwaffenstützpunkt Termes (Usbekistan) wurde entschieden, sie nach Istanbul zu bringen, wo sie in einem Krankenhaus der Nato behandelt werden. Wegen der Staubwolke ist auch unklar, wann die Leichname der fünf gefallenen Soldaten nach Deutschland gebracht werden können.
Außerdem war unklar, ob der Kommandeur der Afghanistanschutztruppe Isaf, der amerikanische General McChrystal, wie geplant zu Wochenbeginn nach Berlin reisen kann. Er wollte dort unter anderem mit Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsminister zu Guttenberg sprechen.
Kauder: Kein politisches Kapital aus Tod der Soldaten schlagen
Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU), hat unterdessen die Opposition ermahnt, den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan nicht in Frage zu stellen: „Die Opposition sollte den Versuch unterlassen, aus dem Tod deutscher Soldaten politisches Kapital schlagen zu wollen“, sagte Kauder der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). „Der Einsatz in Afghanistan bleibe in den nächsten Jahren notwendig. „Die Anschläge zeigen gerade, wie groß die Gefahren durch den internationalen Terrorismus sind. Ohne den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan wäre die Bedrohung in Deutschland noch größer“, sagte Kauder der F.A.S.
Die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger forderte eine bessere Ausbildung der Soldaten. „Natürlich brauchen wir in Afghanistan die bestmögliche Ausrüstung für die Bundeswehr. Der Bundesminister der Verteidigung hat angekündigt, bestehende Defizite abzustellen. Doch nicht nur eine moderne und angemessene Ausrüstung schützt unsere Bundeswehrsoldaten, sondern auch eine gute Ausbildung vor der Verlegung ins Einsatzgebiet. An dieser Stelle gibt es nach wie vor Verbesserungsbedarf“, sagte Homburger der F.A.S. So klagten Soldatinnen und Soldaten, dass bei der Ausbildung in Deutschland zum Teil nicht ausreichend Fahrzeuge zur Verfügung stünden, die dann im Einsatz verwendet werden.
„Friendly fire“
In Berlin ist ein erster Bericht über den Vorfall am Karfreitag, bei dem sechs afghanische Soldaten versehentlich von Deutschen getötet worden waren, den Bundestagsabgeordneten zugänglich gemacht worden. Die Afghanen waren Truppen, die an dem Tag in schweren Feuergefechten gestanden waren, zur Hilfe geschickt worden. Sie kamen aber aus einer unerwarteten Richtung auf deutsche Isaf-Soldaten zu und wurden mit der Bordkanone eines Marder-Schützenpanzers beschossen.
Der Bericht des sogenannten Initial Action Teams (IAT) der Isaf nimmt keine Bewertung vor, sondern referiert die Aussagen der beiden Seiten. Demnach ist unstrittig, dass die deutschen Panzergrenadiere zwei Warnsignale gegeben haben, zunächst mit einer Signalpistole („Mehrstern Rot“), dann durch Warnschüsse mit Leuchtspurmunition aus dem Maschinengewehr des Marders. Eines der beiden Autos der afghanischen Soldaten hielt daraufhin an, das andere aber überholte es, so dass die Bundeswehrsoldaten von einer Aggression ausgingen und mit der Bordmaschinenkanone feuerten.
Unterschiedliche Angaben gibt es darüber, wie viel Zeit zwischen Warnung und scharfem Schuss vergangen sei. Die überlebenden Afghanen haben demnach angegeben, es sei sofort nach der Warnung auf sie geschossen worden. Die Bundeswehr sieht Nacharbeitungsbedarf bei der Kommunikation mit den afghanischen Regierungstruppen, mit denen künftig nach dem Konzept des sogenannten Partnering noch enger operiert werden soll.