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Krieg in Afghanistan „Es ist gefährlich und es bleibt gefährlich“

16.04.2010 ·  Sichtlich betroffen berichtet Minister Guttenberg von der Lage der deutschen Soldaten in Afghanistan. Trotz der Vulkanwolken sollen die Verwundeten schon bald mit ihm in Deutschland landen. Am Donnerstag hatten ein vergrabener Sprengsatz und Panzerfaustangriffe in Baghlan vier ihrer Kameraden getötet.

Von Stephan Löwenstein, Termes
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In einem olivgrünen T-Shirt, die Deutschlandflagge als Hoheitszeichen auf dem Ärmel, einen Klett-Streifen auf der Brust, auf den Soldaten ihr Dienstgradabzeichen heften können, steht Verteidigungsminister zu Guttenberg auf dem Rollfeld des Flughafens Termes in Usbekistan. Die Jacke hat er nach seiner kurzen Stellungnahme vor der Kamera abgenommen, jetzt erläutert er, wie er die Stimmung im Feldlager Mazar-i-Scharif empfunden habe.

Dorthin war der Minister tags zuvor umgekehrt, nachdem er über den Angriff auf deutsche Soldaten in der Provinz Baghlan erfahren hatte, bei dem vier Mann getötet und fünf verwundet wurden. Nach diesen Schilderungen erscheinen die Soldaten natürlich bedrückt und in Trauer, aber nicht resigniert zu sein.

Gefallen sind ein Oberfeldarzt (33 Jahre) aus dem Bundeswehrkrankenhaus in Ulm, ein Major (38) aus Weiden/Oberpfalz von der Unteroffizierschule des Heeres sowie ein Hauptfeldwebel (32) und ein Stabsunteroffizier (24) von den Gebirgspionieren in Ingolstadt. Verwundet wurden ein Oberstleutnant (46) von der Offizierschule des Heeres in Dresden, ein Hauptfeldwebel (35) aus Stetten am Kalten Markt, ein Oberfeldwebel (27) aus Stetten, ein Stabsfeldwebel (44) aus Amberg und ein Hauptfeldwebel (32). Mit den Verwundeten wollte Guttenberg nun zurück in die Heimat fliegen, das „gehört sich“, wenn man als Minister in einer solchen Situation schon dort sei. Freilich sagt er auch, er sei „in der Hoffnung, dass wir in Deutschland auch landen können, weil die Vulkanwolke noch über Deutschland hängt.“

Mehrere Stunden musste der Airbus 310, ausgestattet mit dem Rüstsatz für medizinische Evakuation (MedEvac) deswegen auf der Rollbahn ausharren. So erscheint selbst im fernen Zentralasien die Vulkanwolke über Deutschland wie eine böse Metapher für das Unglück, das in den letzten Wochen über der Bundeswehr im Afghanistaneinsatz gelegen hat. Der Abflug des MedEvac in Köln hatte sich bereits verzögert. Medizinisch bedeutete das allerdings kein Problem, da die Verwundeten in Mazar auf hohem Niveau behandelt werden können.

Der MedEvac-Airbus kann Schwerverletzte, wenn ihr Zustand stabilisiert ist, mit den Einrichtungen einer Intensivstation nach Hause transportieren. Dazu wird ein spezieller Rüstsatz in einen der A310 gebaut, wie sie sonst für Truppentransporte in Köln zur Verfügung stehen. Guttenberg hatte nach Erhalt der Meldung über die Verluste seinen Rückflug von einem zweitägigen Truppenbesuch abgebrochen. Im Hubschrauer erhielt er die Nachricht.

Ein Sprengsatz tötete die deutschen Soldaten

Der Minister hatte am Donnerstag das Regionale Wiederaufbauteam in Faizabad besucht, das im äußersten Nordosten Afghanistans liegt. Gerade aus Faizabad waren die Soldaten für die Operation im annähernd 200 Kilometer entfernten Baghlan abgestellt worden. Sie gehören zu einem sogenannten OMLT (Operational Mentoring and Liaison Team), das die Führer eines Kandaqs der afghanischen Nationalarmee (ANA) ausbildet. Ein Kandaq hat etwa 500 Soldaten und entspricht etwa einem deutschen Bataillon. Wie am Freitag deutlich wurde, war es ein gewaltiger vergrabener Sprengsatz, durch den die deutschen Soldaten getötet und verwundet worden sind. Er schleuderte ihr Fahrzeug vom Typ „Eagle IV“ weit zur Seite und hinterließ, wie es heißt, einen großen Krater in die Straße.

Zunächst war es auch als möglich bezeichnet worden, dass es eine ungelenkte Rakete gewesen sei, die mit einem Unglückstreffer den „Eagle“ getroffen habe, so unwahrscheinlich dies auch sei. Doch auch eine Sprengfalle erschien zunächst unwahrscheinlich, denn die Straße vor der sogenannten Dutch Bridge galt als minenfrei. Diese teilweise zerstörte Brücke führt über den Baghlan-Fluss (wo er flussaufwärts durch die Provinz Kundus fließt, heißt er Kundus-Fluss). Sie sollte durch die Soldaten abgesichert werden, damit sie wieder instandgesetzt werden könne.

Die Afghanen waren bereits vorausgegangen und hatten die Umgebung weiträumig abgesichert, so dass die deutschen Mentoren glauben mochten, sie könnten ungefährdet aus den Fahrzeugen steigen und sich beraten. Da explodierte die Sprengladung, die zuvor nicht entdeckt worden war, offenbar geradezu unter ihren Füßen, mit den fürchterlichen Folgen.

Angriffe mit der Panzerfaust

Dann aber brachen auch an anderen Orten, wo die ANA- und Isaf-Kräfte vorgingen, Kämpfe aus. Ein „Yak“-Transportfahrzeug der Sanitäter wurde mit einer Panzerfaust getroffen, was dem Oberfeldarzt darin das Leben kostete. Schon im vergangenen Jahr hatten die Soldaten die Erfahrung machen müssen, dass Sanitätsabzeichen nicht nur nicht schützen, wie es das Völkerrecht vorschreibt. Das Rote Kreuz zieht offenbar das Feuer der Taliban geradezu an. Es wurde daher von den Fahrzeugen entfernt.

Ob der Schütze im Hinterhalt dennoch gezielt auf den Fahrzeugtyp gezielt hatte oder zufällig den Sanitäter traf, bleibt vorerst Spekulation. Nach den Nato-Gepflogenheiten werden die Kandaqs zunächst bei der Ausbildung begleitet, dann aber auch, wenn sie von der ANA in den Einsatz geschickt werden.

Das angelsächsische Motto dazu lautet „Train as you fight, fight as you train“. Die Mentoren sollen die afghanischen Führer beobachten und nach Operationen „debriefen“, also über ihre Beobachtungen unterrichten und beraten, dem Team gehören deshalb auch höherrangige Offiziere an. Außerdem sind bei dem ANA-Verband in Baghlan zwei weitere Trupps von Bundeswehrsoldaten, sogenannte MOLTs (Monitorin, Observation and Liaison Teams), die sich von den umgangssprachlich „Omletts“ genannten OMLTs dadurch unterschieden, dass sie die afghanischen Soldaten im Einsatz, aber nicht zuvor schon bei der Ausbildung begleitet haben.

Verstärkt werden die drei Teams, die üblicherweise etwa die Stärke eines Zuges (30 bis 40 Mann) haben durch einen beweglichen Arzttrupp, einen Trupp zur Beseitigung von Sprengfallen und Minen (EOD-Trupp) und Koordinatoren für Luftunterstützung (JTAC). Gemäß dem Ansatz des sogenannten Partnering sollen die Bundeswehrsoldaten künftig noch intensiver mit den afghanischen Regierungskräften zusammen „in der Fläche“ operieren. Anders als die Mentoren stehen sie dann nicht „hinter“ den afghanischen Soldaten, sondern gleichsam „neben“ ihnen.

Daher sind schon Stimmen lautgeworden, die mahnen, es werde dann noch gefährlicher für die Bundeswehr werden. Freilich zeigen die Ereignisse der ersten Aprilwochen: Schon jetzt ist es eminent gefährlich. Davon macht der Minister kein Hehl: „Es ist gefährlich und es bleibt gefährlich.“

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Jahrgang 1968, politischer Korrespondent in Berlin.

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