http://www.faz.net/-gpf-7shsj

Krawalle zwischen Yeziden und Islamisten : Wegschauen geht nicht mehr

Yezidische Protestler in Herford demonstrieren gegen Islamisten Bild: dpa

Die Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und Yeziden in Herford zeigen, dass die Kämpfe in Syrien und im Nordirak auch uns betreffen. Die Gefahr durch islamistische Extremisten kann nicht mehr kleingeredet werden.

          Wer geglaubt hatte, dass uns weder der Bürgerkrieg in Syrien etwas angehe noch die Barbarei des „Islamischen Staats“ im Irak, wird jetzt eines Besseren belehrt. Wie weit entfernt Karakosch, das bis Mitte der Woche das Zentrum der irakischen Christen war, und Sindschar, der Berg der Yeziden, auch liegen mögen: Was dort geschieht, wirkt sich auch in Deutschland aus. Seit Sympathisanten des „Islamischen Staats“ in Herford auf offener Straße Yeziden angegriffen haben, sind Karakosch, Sindschar und Herford nicht mehr zu trennen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Viel zu lange haben hierzulande die Politik und die Verbände, vor allem die muslimischen, der Ausbreitung der salafistisch-dschihadistischen Hasskultur tatenlos zugesehen in der irrigen Annahme, dass daraus schon keine Gefahr erwachsen werde. Es war hanebüchen, wie Lokalpolitiker diese Gefahr kleingeredet haben, mit der die Sicherheitsbehörden zunehmend überfordert sind. Wegschauen hat sie nicht kleiner gemacht.

          Auch die muslimischen Verbände haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Anstatt klar zu sagen, dass die Barbaren im Nordirak keine Muslime seien, flöten sie weiter, dass der Islam nur Frieden sei. Das wird in der Zukunft nicht reichen, wollen die Muslime, die auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, verhindern, dass auch sie für das Morden zur Verantwortung gezogen werden.

          Die Propaganda wird den Propagandisten überleben

          Der „Islamische Staat“ unter seinem Anführer Bagdadi wird nicht lange bestehen; dessen Propaganda vom Dschihad aber wird ihn überleben. Denn die Saat, die der „Kalif“ Bagdadi gesät hat, ist giftiger als jene von Bin Ladin. Auf Jugendliche, die aus der Bahn geraten sind, übt sie nicht nur in Herford große Anziehungskraft aus.

          In Irak fliehen tausende Yeziden und Christen vor den Islamisten des Islamischen Staats
          In Irak fliehen tausende Yeziden und Christen vor den Islamisten des Islamischen Staats : Bild: picture alliance / AA

          Gefordert ist die Innenpolitik, gefordert ist auch die Außenpolitik. Es reicht nicht, den vertriebenen Christen Asyl anzubieten. Je länger die Staatengemeinschaft untätig bleibt, desto weiter greift der Flächenbrand im Nahen Osten um sich. Die irakische Armee kann den „Islamischen Staat“, der durch erbeutete Waffen immer stärker wird, nicht aufhalten, die kurdischen Peschmerga können es auch nicht.

          Mit Terroristen wie Bagdadi zu verhandeln ist keine Option. Jene Staaten sollten zur Rechenschaft gezogen werden, die frühe Paten des „Islamischen Staats“ in der Absicht waren, so das syrische Regime zu stürzen. Das Ergebnis dieser Fehleinschätzung ist heute zu besichtigen – in Karakosch, auch in Herford.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Kurden erobern Raqqa

          Kampf gegen IS : Kurden erobern Raqqa

          Raqqa war die wichtigste Hochburg des „Islamischen Staats“ in Syrien. Nach monatelangen Kämpfen haben kurdische Einheiten nach eigenen Angaben die Dschihadisten aus der Stadt am Euphrat vertrieben.

          Xi hat China fest im Griff Video-Seite öffnen

          Parteitag in Peking : Xi hat China fest im Griff

          Beim 19. Parteitag der Kommunistischen Partei in China bestimmen mehr als 2000 Delegierte nach fünf Jahren die Führungsriege um Staats- und Parteichef Xi Jinping neu. Beobachter rechnen damit, dass er seine Vormachtstellung weiter festigen wird.

          Trump: Bleiben im Irak-Konflikt neutral

          Regierung gegen Kurden : Trump: Bleiben im Irak-Konflikt neutral

          Die militärische Eskalation im Nordirak weckt Ängste vor einem neuen Bürgerkrieg in der Region. Deutschland bricht seine Ausbildungsmission ab, Amerikas Präsident Trump will seine Soldaten aus den Gefechten raushalten. Beide fürchten, dass der eigentliche Gewinner der IS sein könnte.

          Türkische Winzer haben es schwer Video-Seite öffnen

          Weinbau : Türkische Winzer haben es schwer

          In vielen Regionen der Türkei herrschen ideale Bedingungen für den Weinanbau, doch die zunehmend strengere Auslegung des Islams im Land macht es den Winzern schwer ihren Wein herzustellen und zu verkaufen.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Merkel auf dem Weg auf dem Weg zum EU-Gipfel

          EU-Gipfel in Brüssel : Poker mit Erdogan

          Auf ihrem Gipfel in Brüssel beraten die EU-Staaten, wie sie den Druck auf die Türkei erhöhen können. Ein Abbruch des Beitritts ist bisher nicht in Sicht – wohl aber andere Maßnahmen.

          Christian Lindner : Demut unter der Dusche

          Der FDP-Vorsitzende legt am zweiten Tag der Sondierungen ein Buch über die Rückkehr der Liberalen vor – und seine Rolle dabei. Zudem will er einen Autoritätsverlust bei Merkel erkennen.
          Eheschließung für alle: Kritiker des Gesetzes befürchten eine schleichende Islamisierung des sozialen Lebens.

          Türkei beschließt neues Gesetz : Ehe für alle

          In der Türkei dürfen künftig auch Muftis Paare vermählen. Kritiker sehen das Gesetz als Angriff auf den Säkularismus – und befürchten eine Zunahme von Kinderheiraten.

          Seehofer in der Krise : Wie die eigene Ära beenden?

          Horst Seehofer wankt. Wie es weitergeht? Unklar. Nur gemütlicher wird es wohl nicht mehr. Eine Telefonumfrage sagt bereits neues Unheil für die CSU voraus – und befeuert Debatten, die noch vor kurzem undenkbar waren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.