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Veröffentlicht: 14.04.2012, 19:05 Uhr

Koranverteilungen in deutschen Städten Die Sache mit der Wahrheit

Kritik an den Absichten kommt bei ihnen nicht gut an: Salafisten verteilen Koran-Ausgaben in deutschen Städten - weil Allahs Wort die Wahrheit sei. Was sie wirklich wollen, verschleiern sie jedoch.

von Friederike Haupt
© REUTERS Ein paar junge Männer, viele Korane: In mehreren deutschen Städten wurden am Samstag deutschsprachige Koran-Ausgaben verteilt

Es läuft gerade gut für die Männer mit den Koranen, als sich einer von ihnen einen Spaß erlaubt. Er nimmt ein Buch vom Tisch vor sich, ein schön gebundenes, dunkelblaues mit goldener Schrift darauf, es ist der Koran. Der Mann hält sich das Buch unter die Nase und sagt: „Riecht gut!“ Dann nimmt er ein anderes Buch in die Hand: das Neue Testament in einer billigen Taschenbuchausgabe. Er tut so, als schnuppere er auch daran, und stellt dann fest: „Nix!“ Die zwei jungen Männer hinter ihm kichern. „Stinkt noch nicht mal“, sagt einer von ihnen, alle drei lachen. Später wird ein Freund, der die Szene gefilmt hat, sein Video ins Internet stellen. Damit alle wissen, an welches Buch sie sich zu halten haben.

Ihren Stand, an dem sie im März in der Frankfurter Fußgängerzone Korane verteilten, hatten die Männer allerdings mit ganz anderen Worten angemeldet. Das „Aufzeigen von Gemeinsamkeiten der drei semitischen Religionen“ sei ihr Anliegen, hatten sie dem Ordnungsamt geschrieben. Auch über die „Gemeinsamkeiten der Heiligen Bücher (Bibel, Thora und Quran)“ wollten sie mit Passanten sprechen. Und „außerdem“, so stand da, sollten Korane verschenkt werden. Weil die Männer wussten, dass da, wo sie stehen wollten - vor dem größten Einkaufszentrum der größten Einkaufsstraße der Stadt - keine Infostände erlaubt waren, meldeten sie ihren Büchertisch einfach als Versammlung an, Teilnehmerzahl: vier. Das Ordnungsamt genehmigte den ersten Antrag, es genehmigte noch ein paar weitere, doch als klar war, dass da immer nur ein Infostand kommen würde und nie eine Versammlung, verbot es den Männern, ihren Büchertisch vor dem Kaufhaus aufzustellen. Die Männer kommen jetzt mit Umhängetaschen, in denen sie die Korane mitbringen.

300.000 Korane sind schon gedruckt worden

25 Millionen davon will der Initiator der bundesweiten Aktion, der Kölner Ibrahim Abu Nagie, an die Deutschen verteilen lassen. In Videobotschaften hat er alle Muslime aufgefordert, sich an seinem Projekt zu beteiligen, mit Geldspenden oder persönlichem Einsatz. Und viele Gläubige folgen ihm, denn sie verehren Abu Nagie, er ist ein bekannter Prediger. Wer ihn nicht verehrt, könnte auch sagen: ein Hassprediger.

Islamisten wollen in 35 Staedten Korane verteilen © dapd Vergrößern Wer möchte und ein bisschen Glück hat, kann mit ihm persönlich über den Koran sprechen: Abu Nagie, der Initiator der Verteilung

Abu Nagie, der palästinensischer Herkunft ist und vor etwa 30 Jahren nach Deutschland kam, gilt als einer der obersten Salafisten in Deutschland, als wichtiges Mitglied eines riesigen Islamisten-Netzes, das weit über die Grenzen Deutschlands hinausreicht. Abu Nagie befürworte die „Vernichtung Andersgläubiger“, meint der Verfassungsschutz, der ihn genau beobachtet. Und er missioniere. Möglichst viele Deutsche versuche er für den Salafismus zu gewinnen, um den Extremismus zu verbreiten. In den Koranen, die seit einem halben Jahr Samstag für Samstag in deutschen Städten verschenkt werden, steht als Herausgeber Ibrahim Abu Nagie, 50765 Köln. 300.000 Stück sind schon gedruckt worden.

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Wer möchte und ein bisschen Glück hat, kann mit Abu Nagie persönlich über den Koran sprechen. Man muss dafür nur die Telefonnummer wählen, die auf seiner Internetseite „Die wahre Religion“ angegeben ist. Dann meldet sich nach langem Klingeln manchmal eine leise, freundliche Stimme mit „Abu Nagie“. Die Stimme hört man auch in vielen Videos auf der Seite, die „Andrea und Francesco nehmen den Islam an“ heißen, „1/3 der Europäer sind psychisch krank“ oder „Die Allianz der Irreführung“, und in denen der Prediger seinen Anhängern die Welt, wie er sie sieht, erklärt. Gern erzählt er am Telefon, wie er auf die Idee kam, jeden Haushalt in Deutschland mit einem Koran auszustatten. „Wir haben festgestellt, dass in vielen Bibliotheken gefälschte Übersetzungen des Korans sind“, sagt er. Als jemand, der seine Religion liebe, sei er verpflichtet, sie zu verteidigen. Außerdem sei Allahs Wort für alle Menschen das beste Geschenk ihres Lebens.

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