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Aktualisiert: 11.06.2015, 14:14 Uhr

Politiker mit Weitblick Der Rabenflüsterer


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Ist der aufklärerische Eifer des Konstantin von Notz, die Bereitschaft, den Nachrichtendiensten stets das Böse zu unterstellen, statt ihnen Vertrauen entgegenzubringen, sind die kritischen Fragen an BND-Präsident Gerhard Schindler und seine Leute bis tief in die Nacht also nur den Umständen geschuldet? Sieht er die Sache mit den Geheimdiensten, dem Abhören, der Sicherheit von Kommunikation im Internetzeitalter und der Vorratsdatenspeicherung im Grunde ganz entspannt?

Der Blick auf den anderen Konstantin von Notz, den, der nicht gerade in Aufklärerpose in den Sitzungssälen des Bundestages Zeugen vor sich hertreibt, könnte zu diesem Schluss führen. Bevor Notz mit seinem Besucher zu dem Kolkraben spaziert, erzählt er in der Möllner Geschäftsstelle der Grünen, Marktstraße 8, ein bisschen von der 18 000-Einwohner-Stadt, in der er geboren wurde und in deren Stadtparlament er als einziger Bundestagsabgeordneter seit zwei Jahren sitzt. Sehr zur Freude übrigens der dortigen Grünen. Durch den Konstantin habe der Ortsverband mächtig Fahrt aufgenommen, sagt dessen Vorsitzender Reimund Waldorf.

Adeliger, groß geworden in bürgerlichen Verhältnissen

Das malerische Städtchen inmitten von Wäldern und Seen ist Reiseziel vieler Touristen. Ein Zentrum der deutschen Industrie ist es nicht. Immerhin unterhält ein großer Getränkehersteller hier eine Abfüllanlage. Aber nicht etwa ein Unternehmen für Mineralwasser oder Biobrause, sondern ausgerechnet Coca Cola. Für die Grünen, von denen manche immer noch gerne das Klischee bedienen, dass sie ihren Apfelsaft mit der Hand pressen wie Raimund Harmstorf eine rohe Kartoffel, ist Coca Cola nicht weit von einer Rüstungsschmiede entfernt. Doch von Notz guckt erstaunt, als er etwas spöttisch gefragt wird, wie er es denn als Grünen-Politiker mit dem Unternehmen in seiner Stadt halte. Für Coca Cola tue er denn schon etwas, sagt er. Da gehe es um 200 Arbeitsplätze.

Der Mann ist ein lebensnaher Pragmatiker. Er ist zwar adeliger Herkunft; das Geschlecht derer von Notz kommt aus dem Westfälischen, wo viele Familienmitglieder Soldaten waren, weshalb es auch keine größeren Ländereien oder ähnlichen Reichtum gibt. Doch ist er in bürgerlichen Verhältnissen groß geworden. Die Familie lebte nur kurz in Mölln, von wo die Mutter stammt. Konstantin und sein Bruder wuchsen in Hamburg und Frankfurt auf. Der Vater war beim Börsenverein, der Bruder ist Vorstand der Stiftung Historische Museen in Hamburg. Es wirkt eher wie Bildungsbürgertum denn wie Aristokratie.

Der Protestant Konstantin von Notz findet es übertrieben, sich als Kirchgänger zu bezeichnen. Doch einige Male im Jahr gehe er schon in den Gottesdienst, sagt er in der St. Nicolai-Kirche, die wenige Schritte von der Grünen-Geschäftsstelle in Mölln entfernt ist. Hier ist auch die Gedenkstätte für Till Eulenspiegel, mit dem die Stadt mächtig wirbt. Auf dem Weg zur Kirche hat eine ältere Frau dem Bundestagsabgeordneten quer über den Kirchplatz einen „Herzlichen Glückwunsch“ zugerufen, was der Geburt des ersten Kindes des Ehepaares von Notz vor wenigen Wochen galt. Die beiden haben sich in der Nicolaikirche trauen lassen. Jetzt steht Notz unterhalb der Orgel, berichtet, dass noch einmal in das Instrument investiert werden soll, und schwärmt vom Ostergottesdienst, der um fünf Uhr morgens beginne und den er mit seiner Frau zu besuchen pflege.

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Quelle: wahlrecht.de
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