http://www.faz.net/-gpf-7myac

Kommunion wiederverheirateter Geschiedener : Ein Vortrag, der einen Sturm auslöste

Stellungnahme zur Kommunion wiederverheirateter Geschiedener: Walter Kardinal Kasper (in einer Aufnahme von 2007) Bild: dpa

Auf Wunsch des Papstes hat Kardinal Walter Kasper einen Vortrag über die Familie im Evangelium gehalten. Darin erklärte er nach F.A.Z.-Informationen eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zum Abendmahl für möglich. Der Papst war begeistert, einige Kardinäle entsetzt

          Der deutsche Kardinal Walter Kasper hat in einem Vortrag vor Papst Franziskus und dem Kardinalskollegium die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zum Abendmahl für möglich erklärt. Der Vortrag, den der vormalige Theologieprofessor, Bischof und langjährige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen vor zehn Tagen auf Wunsch des Papstes gehalten hatte, wurde von Franziskus anschließend überschwänglich gelobt. Aus den Reihen der Kardinäle gab es dagegen zum Teil heftigen Widerspruch. Was hatte der deutsche Kurienkardinal gesagt? Die Frankfurter Allgemeine Zeitung dokumentiert den Text exklusiv in ihrer Montagsausgabe.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Für ausgeschlossen befand Kasper in seinem zweistündigen Vortrag nur die Schließung einer zweiten sakramentalen Ehe zu Lebzeiten des anderen Partners sowie eine generelle kirchliche Lösung für alle Fälle. Was aber dann? Ohne die Unauflöslichkeit einer gültig geschlossenen Ehe in Frage zu stellen, was manche ihm unterstellten, argumentierte Kasper für die außergerichtliche Prüfung, ob eine Ehe wirklich gültig zustande gekommen sei: Man könne „sich denken, dass der Bischof einen geistlich und pastoral erfahrenen Priester als Pönitentiar oder Bischofsvikar mit dieser Aufgabe betraut“, hieß es vorsichtig.

          Versöhnung auf dem Weg der Buße?

          Sollte eine eheliche Lebensgemeinschaft unheilbar zerbrochen sein und einer oder beide Partner eine zweite zivile Ehe geschlossen haben, denkt Kasper unter Berufung auf die Kirche der ersten Jahrhunderte und einen frühen Hinweis von Papst Benedikt XVI. an eine Versöhnung auf dem Weg der Buße: „Es gab also eine Pastoral der Duldung, der Milde und der Nachsicht“, stellte Kasper fest. So verstanden sei die Barmherzigkeit Gottes „keine billige Gnade, welche von Umkehr dispensiert. Umgekehrt sind die Sakramente keine Belohnung für Wohlverhalten und für eine Elite, welche die ausschließt, die ihrer am meisten bedürfen“.

          Papst Franziskus selbst hatte Kasper gebeten, den Vortrag zu halten, wohl wissend, dass der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, anders denkt als der mittlerweile fast 81 Jahre alte Kasper. Im Oktober dieses und des kommenden Jahres wird die Diskussion über wiederverheiratet Geschiedene in Form einer sogenannten Bischofssynode weitergeführt.

          Auswertung der Fragebögen

          Zur Vorbereitung dieses Prozesses waren im vergangenen November Fragebögen an alle Bischofskonferenzen verschickt worden, die auch von den Gläubigen selbst beantwortet werden sollten. Die Antworten auf die Fragen werden derzeit im Vatikan gesichtet. Sie sollen in ein Arbeitspapier der Synode eingehen. Außer den Bischofskonferenzen im deutschsprachigen Raum und in Japan sowie einzelnen Bischöfen hat bislang niemand die Umfrageergebnisse veröffentlicht.

          Dass der wegweisende Vortrag Kaspers veröffentlicht würde, erschien zunächst wenig wahrscheinlich. In ihrer morgigen Ausgabe veröffentlicht die F.A.Z. erstmals eine gekürzte Fassung des deutschen Manuskriptes, das Kaspers Vortrag zugrunde lag. In den kommenden Tagen wird Kaspers Vortrag in zahlreichen Sprachen in Buchform erscheinen.

          Lesen Sie den Vortrag im Wortlaut an diesem Sonntag ab 20 Uhr im E-Paper  (http://e-kiosk.faz.net/ ) oder am Montag, dem 3. März, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Toronto vom Wasser aus betrachtet - auf der Seite will Google die „smart City“ bauen.

          „Smart City“ : Hier baut Google die intelligente Stadt

          Viele Roboter, wenige Autos und Müll und Pakete werden unterirdisch transportiert: Der Technologiekonzern Alphabet hat sich eine Metropole für sein nächstes großes Projekt ausgesucht. Darum geht es.
          Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy kann im Katalonien-Konflikt auf die Unterstützung aus der Opposition hoffen.

          Konflikt in Spanien : Selten harmonisch

          Von der Minderheitsregierung zur gefühlten großen Koalition: Die Katalonien-Krise eint die Parteien in Madrid. Sie wollen die Wahl eines neuen Regionalparlaments in Katalonien.
          Eine Fliege auf einem Grashalm bei Burgdorf in der Region Hannover.

          Kommentar zum Insektensterben : Sommer ohne Surren

          Das große Insektensterben zeigt: Die Industrialisierung der Landwirtschaft muss intelligenter weitergehen, als sie begonnen hat. Und vor allem auch nicht naiv.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.