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Abstimmung im Bundestag : Ehe für keinen

Überraschender Kursschwenk: Angela Merkel macht den Weg frei für die „Ehe für alle.“ Bild: dpa

Die Parteien machen den Weg frei für die „Ehe für alle“. Dabei gibt es gute Gründe für den besonderen Schutz der Verbindung von Mann und Frau. Mit dem Vorhaben wird die Institution „Ehe“ nun abgeschafft. Ein Kommentar.

          Die großen Entscheidungen der Zeit werden auf Talkshowsesseln verkündet. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise wählte Bundeskanzlerin Merkel nicht die Volksvertretung, sondern ein Fernsehformat, um ihre Sicht dem deutschen Volke kundzutun. Die Einstellung zur Ehe erklärte sie nun auf der Bühne einer Frauenzeitschrift zur Gewissensfrage. Ein geschickter Schachzug. Zwar ist die SPD sofort auf diesen Zug gesprungen und will vollendete Tatsachen schaffen. Doch die Kanzlerin hat sich persönlich bedeckt gehalten, verlangt aber nun von jedem Abgeordneten ein klares Bekenntnis zu einer Einrichtung, deren Abschaffung ohnehin in der kommenden Legislaturperiode ansteht. Denn eigentlich wollen alle die Ehe für alle. Das gilt auch für die Führung zumindest der CDU. War nicht schon Helmut Kohl persönlich „Trauzeuge“, als sein Anwalt eine Lebenspartnerschaft einging?

          Es geht aber längst nicht mehr um die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften mit der Ehe. Denn die ist so gut wie vollzogen. Dabei gibt es hier einen sachlichen Grund, nicht für eine Diskriminierung, wohl aber für eine verfassungsrechtliche Differenzierung. Nur die Verbindung von Mann und Frau bringt Kinder hervor. Die gestiegene Bedeutung des Rechts des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung in Zeiten von Leihmutterschaften und Samenbanken bestätigt das: Nicht alle können oder wollen eigene Kinder haben. Aber jedes Kind hat einen Vater und eine Mutter. Daran ändern weder technischer Fortschritt noch politische Mehrheiten etwas. Die Keimzelle der Gesellschaft ist nicht das Reagenzglas.

          Berlin : Merkel zeigt sich offen für „Ehe für alle“

          Selbstverständlich könnte sich der Gesetzgeber dazu entschließen, die Ehe von Mann und Frau nicht mehr zu privilegieren. Bezeichnend ist aber, dass längst nicht mehr von Lebenspartnerschaft oder „Homo-Ehe“ die Rede ist. Das Ziel lautet: Ehe für alle. Da kann man diese Institution freilich gleich ganz abschaffen. Wenn entscheidend ist, dass zwei Menschen auf Dauer füreinander einstehen, warum sollen dann nicht zwei zusammen lebende Geschwister eine Ehe eingehen können? Und warum nur zwei? Millionen Menschen leben mit mehreren Partnern zusammen, was auch von Weltreligionen erlaubt wird. Zur Begründung der Zweierbeziehung wird dann auf die Kultur verwiesen. Ganz richtig. Und wer stand am Anfang? Mann und Frau.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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