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Kommentar zu Kinderarmut : Zu arm für Bildung

Alleinerziehende sind besonders auf die gute Qualität von Kitas und Kindergärten angewiesen Bild: dpa

Das Bildungs- und Teilhabepaket geht offenkundig an den Bedürfnissen von einkommensschwachen Familien vorbei. Es muss reformiert werden.

          Alleinerziehende haben es nicht leicht. Sie stehen ständig unter Stress und müssen auf vieles verzichten. Sie haben kaum Zeit für sich oder Freunde, sind oft einsam und fühlen sich nicht selten als Rabenmutter oder Rabenvater, weil sie wegen ihrer Berufstätigkeit ihre Kinder früher in fremde Hände geben müssen, als unbedingt gut ist. Deshalb sind sie besonders auf die gute Qualität von Kitas und Kindergärten angewiesen. Die aber ist keineswegs überall so, wie sie sein soll. Wenn immer mehr Länder dazu übergehen, den Kita-Besuch gebührenfrei zu machen, wird das die Qualität der Betreuung angesichts des Erziehermangels nicht steigern. Hinzu kommt, dass Kinder in sehr jungen Jahren sehr sichere Bindungen zu mindestens einem Elternteil entwickelt haben müssen, um eine ganztägige Betreuung in den meist zu großen Gruppen unbeschadet zu überstehen. Nicht immer können sichere Bindungen in Trennungsfamilien ausgebildet werden.

          Auch wenn den Alleinerziehenden zumindest in Großstädten kein gesellschaftlicher Makel mehr anhaftet, sind Schulzeit und Ausbildung ihrer Kinder häufig mit Scham verbunden. Das gilt etwa anlässlich von Klassenfahrten, die je nach Schule mit mehreren hundert Euro zu Buche schlagen können. Natürlich gibt es überall einen Sozialfonds, der die Teilnahme solcher Kinder am Geld nicht scheitern lässt.

          Geht an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei

          Die Hilfe zu beantragen ist aber mit Überwindung verbunden. Nahezu unmöglich ist für viele Alleinerziehende eine musikalische Ausbildung ihrer Kinder, die Mitgliedschaft in Sportvereinen oder die Teilnahme an den vielen Aktivitäten, die für Kinder aus Zwei-Eltern-Haushalten ganz selbstverständlich sind. Wenn knapp eine Million Kinder Alleinerziehender von Hartz IV leben, haben diese deutlich weniger Bildungsmöglichkeiten als die Kinder aus Paarbeziehungen.

          Denn das Bildungs- und Teilhabepaket kommt bei einkommensschwachen Familien häufig nicht an. Der Aufwand ist so hoch, dass viele es nicht in Anspruch nehmen. Ganz offenkundig geht es an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei. Anders ist nicht zu erklären, dass Jahr für Jahr dreistellige Millionenbeträge nicht in Anspruch genommen werden. Entweder muss das Bildungs- und Teilhabepaket grundlegend reformiert oder durch eine wirksamere Hilfe wie eine Kindergrundsicherung ersetzt werden. Armutsbedingte Bildungsverlierer kann sich Deutschland nicht leisten.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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