07.12.2007 · In immer kürzeren Abständen erlangen Namen und Schicksale von Kindern, die nicht mehr leben, traurige Berühmtheit. Nur ganz wenige Eltern sind so überfordert, dass man ihnen die Kinder entziehen muss. Diese Kleingruppe muss aber anders unter Beobachtung gestellt werden als bisher.
Von Stefan DietrichJessica, Kevin, Marvin, Lea-Sophie, - in immer kürzeren Abständen erlangen Namen und Schicksale von Kindern, die nicht mehr leben, traurige Berühmtheit, weil sie in der Obhut ihrer Eltern qualvoll verhungert und verdurstet sind, ohne dass Außenstehende etwas von diesen Tragödien bemerkt hatten und rettend eingreifen konnten.
Bei den Funden namenlos verscharrter Babyleichen, die sich gleichfalls zu häufen scheinen, geraten ganze Ortschaften in Verruf: Sömmerda, Leverkusen, Brieskow-Finkenherd, Neuendorf am Damm, jetzt Plauen. Und wenn gleichzeitig der Fall einer Mutter bekannt wird, die ihre fünf Kinder umgebracht hat, dann fragt sich die Gesellschaft zu Recht: Wie konnte das geschehen? Was läuft hier falsch?
Vielfältige Hilfen
Gewiss ist in allen diesen Fällen ganz Fürchterliches falschgelaufen, aber in jedem einzelnen etwas anderes. Da gibt es rauschgiftsüchtige oder geistig gestörte Eltern, die nicht einmal mehr sehen, dass ihre Kinder unter ihren Augen verenden. Oder Mütter in kaputten Beziehungen, die so vereinsamt sind, dass sie sich nicht einmal mehr einer Schwangerschaftsberatung anvertrauen. Oder solche, die in einer Lebenskrise Kurzschlusshandlungen begehen. Für alle diese Notlagen bieten Staat und Gesellschaft vielfältige Hilfen an. Aber sie müssen wahrgenommen und ergriffen werden. Daran hat es gemangelt.
Die 31-jährige Mutter, die offenbar ihre fünf Söhne getötet hat, gilt als „absolut schuldunfähig“. Die zuständige Staatsanwaltschaft will die Anweisung der Frau in die Psychiatrie beantragen. Die Obduktion der fünf Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren ergab, dass sie erstickt wurden.
Nach polizeilichen und soziologischen Statistiken ist weniger als ein Prozent der Eltern mit der Erziehung so überfordert, dass man ihnen die Kinder entziehen muss. Diese Kleingruppe muss anders unter Beobachtung gestellt werden als bisher. Der vernünftigste Vorschlag dazu lautet, die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern zur Pflicht zu machen und ihre Nichtbefolgung den Jugendämtern anzuzeigen.
Politische Schnellschüsse helfen den Opfern nicht
Zwar wird man Familiendramen wie jenes in Darry damit nicht verhindern können, aber dass sogar im Krankenhaus geborene Kinder der Gesellschaft völlig aus dem Blick geraten, wäre damit jedenfalls zu unterbinden. Zu den Akten sollten dagegen politische Schnellschüsse gelegt werden, die auf eine Verankerung spezieller "Kinderrechte" im Grundgesetz abzielen.
So etwas kann nur fordern, wer das Grundgesetz nicht kennt. Den Opfern der nicht abreißenden Serie von Kindstötungen wäre jedenfalls auch damit nicht geholfen gewesen - nur mit höherer Aufmerksamkeit.