http://www.faz.net/-gpf-9a6ej

Steinbach-Kommentar : Hasserfüllt

„Brauner Schmutz“? Erika Steinbach im AfD-Wahlkampf im September 2017 in Pforzheim. Bild: dpa

Wieder einmal ist ein AfD-Anhänger zutiefst beleidigt: Erika Steinbach schmeißt Markus Söder den bayerischen Verdienstorden vor die Füße. Zu Recht. Aber aus einem anderen Grund, als viele jetzt denken.

          Der Bayerische Verdienstorden wäre für Erika Steinbach sicherlich eine größere Waffe im Streit mit der CSU über den „braunen Schmutz“ der AfD gewesen, wenn sie ihn selbstbewusst getragen und nicht wutentbrannt zurückgegeben hätte. Denn dann hätte sich jedermann gedacht: Wie das? „Brauner Schmutz“ trägt Bayerischen Verdienstorden?

          Nichts hätte den Widerspruch eleganter spiegeln können, der sich daraus ergibt, dass Leute als Nazis hingestellt werden, von denen jeder vernünftige Mensch sehen kann, dass sie das nicht sind. Steinbach denkt und handelt aber nicht so – das hat sie mit den meisten AfD-Größen gemein. Sie lassen sich viel mehr von einem Programm leiten, das man politisches Beleidigtsein nennen könnte.

          Bei Steinbach kommt noch eines hinzu: Sie kann Angela Merkel einfach nicht leiden. Deshalb fehlte im Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder auch nicht der Hinweis auf deren Politik „abseits von Recht und Gesetz“. Denn, so muss man wissen, im AfD-Milieu gilt als Speichellecker, wer Merkel nicht wenigstens als Rechtsbrecherin hinstellt. Vielleicht hat Steinbach in diesem einen Punkt also recht: Wenn jemand so hasserfüllt ist, fragt es sich, warum er den Bayerischen Verdienstorden eigentlich tragen darf.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Unsozial sind immer die anderen

          CSU und SPD in Bayern : Unsozial sind immer die anderen

          Zwei Monate vor der Landtagswahl in Bayern kämpft die CSU weiter mit miesen Umfragewerten. Neuen Schwung im Kampf um Wählerstimmen soll jetzt ein Disput mit der SPD geben – ausgerechnet um die Sozialpolitik.

          So will die SPD punkten Video-Seite öffnen

          Landtagswahl in Bayern : So will die SPD punkten

          Ihre Partei liegt in Bayern zwar derzeit laut Umfragen nur auf Rang vier, unverändert bei 12 Prozent: Dennoch macht SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen am Montag in München deutlich, sie wolle dem CSU-Ministerpräsident Markus Söder im Oktober Paroli bieten.

          Topmeldungen

          Eingestürzte Brücke : Plötzlich weggesackt

          Das schwerste Brückenunglück seit Jahrzehnten dürfte die hitzige politische Debatte über den Zustand der Infrastruktur in Italien zusätzlich anheizen. Viele Straßen und Brücken sind nach Jahren der Wirtschaftskrise marode.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.