Der Kandidat ist aus der Flasche. Und was sagt die Gegenkandidatin dazu? Nicht viel, jedenfalls nicht öffentlich. Was sollte sie auch sagen? Ui? Eine amtierende Kanzlerin hat keine „Vorlieben, was ihre Gegenkandidaten betrifft“. Vor allem hat sie kein Interesse daran, den Herausforderer dadurch zu erhöhen, dass sie ihn wahrnimmt. So sprach sie am Freitag auf einem Unternehmerinnen-Kongress lieber über das Thema Politik und Frisur. Es entspricht nicht der Natur Angela Merkels, sich mit Dingen aufzuhalten, die sie nicht beeinflussen kann.
Und mit dieser Kür hatte schließlich schon die SPD selbst ihre liebe Müh’ und Not. Die Sturzgeburt des Kanzlerkandidaten, der vielfachen Beteuerungen nach erst im Winter auf die Welt kommen sollte, ist kein Zeichen von Souveränität. Sie belegt, dass auch diese Troika nur eine Krückenkonstruktion war. Der Dreibund wurde nicht so sehr von der Furcht vor der Konkurrenz mit der Kanzlerin zusammengehalten wie von der Angst vor der eigenen Partei: Die zermürbt gerne ihre eigenen Spitzenleute. Nun hat sich der Kandidat durchgesetzt, der das am wenigsten fürchtet, weil er das dickste Fell von allen und am wenigsten zu verlieren hat - und der der Kanzlerin am gefährlichsten werden kann, so ihm die SPD in dem Jahr, das vor ihm liegt, nicht noch einiges von seiner Gefährlichkeit nimmt.
Sie besteht darin, viel tiefer als etwa Gabriel in das bürgerliche Wählerlager eindringen zu können, das in diesen Zeiten nicht nach einem Springinsfeld verlangt, sondern nach Sicherheit und Stabilität. Steinbrück ist den meisten Deutschen als der Finanzminister in Erinnerung, der ihnen zusammen mit der Kanzlerin versicherte, ihren Sparbüchern geschehe nichts. Doch blieb auch nicht unbemerkt, dass er und seine Partei nicht wirklich ein Herz und eine Seele sind. Von Helmut Schmidt gesalbt worden zu sein muss man nicht zwangsläufig als gutes Omen werten.
Die SPD zieht jetzt schon nach links, und Steinbrück muss mitziehen, wenn er nicht als Kandidat ohne Unterleib enden will. Aber werden ihm die Linken in der Partei und alle, die der SPD nach der Agenda 2010 den Rücken kehrten, die plötzliche persönliche Linksverschiebung abnehmen? Die Kanzlerin hat solche Manöver nicht mehr nötig, sie hat sie alle schon absolviert. Das brachte ihr Popularitätswerte ein, von denen der Herausforderer bisher nur träumen kann. Aber ein Jahr ist in der Politik eine lange Zeit, auch für eine Amtsinhaberin.
Kanzlerbonus ist nicht alles
Karola Schramm (Alorak)
- 29.09.2012, 22:01 Uhr
Regierungsparteien
Frank Stolpmann (Mediterra)
- 29.09.2012, 16:53 Uhr
Einfach mal machen lassen!
fritz Teich (fazfazfaz123)
- 29.09.2012, 15:16 Uhr
Der Club der demokratieverdrossenen Besserwisser in diesem Forum
Sofie Weiss (TanteMarie)
- 29.09.2012, 13:36 Uhr
SPD bleibt SPD
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 29.09.2012, 13:30 Uhr