12.01.2007 · Die CSU verdankt ihrem Vorsitzenden viel. Das bestreitet in der Partei kaum jemand. Doch auch Stoiber ist nicht unersetzlich. Weil er das nicht sehen will, gerät das Ende seiner Karriere zu einem Trauerspiel. Berthold Kohler kommentiert.
Von Berthold KohlerEdmund Stoiber ist nicht der erste Politiker, der anscheinend nicht verstehen kann, wie sehr ihm seine Partei den Ruhestand gönnte. Hat er nicht so vieles richtig gemacht, das Land gut regiert und die Partei von Sieg zu Sieg bis hin zur Zweidrittelmehrheit geführt?
Ja, sagt auch die CSU, die beim Schwelgen in der Vergangenheit die Verdienste ihres Vorsitzenden durchaus zu würdigen weiß. Blickt die Partei aber in die Zukunft, dann kreisen die Gedanken über Stoiber immer schneller nur noch um eine Frage: seine Pensionierung. Weil Stoiber das nicht erkennen will, sich für unersetzlich hält, die Solidaritätsadressen seiner Parteifreunde für bare Münze nimmt oder all diesen Versuchungen zugleich erliegt, wächst das Trauerspiel um das Ende seiner Karriere fast täglich um eine weitere Szene an.
Noch reichen die Kräfte
Stoiber versteht seine Partei nicht mehr. Der jüngste Treueschwur des Präsidiums war mitnichten unkonditioniert. „Über das Jahr 2008 hinaus“ heißt bei der CSU noch lange nicht: bis zum Jahr 2013. Schon am Tag nach dem Versuch, diese sogenannte Solidaritätserklärung zu einem Mandat für eine weitere volle Amtszeit umzudeuten, musste Stoiber zurückrudern.
Der CSU-Vorsitzende mochte in dem Präsidiumsbeschluss die letzte Gelegenheit erblickt haben, noch eine Zeitlang den Eintritt in das „Lame duck“-Stadium hinauszuzögern, das alle Politiker erwartet, deren Macht sich erkennbar dem Ende zuneigt. Doch zeigten die Reaktion der Landtagsfraktion und Stoibers umgehender Rückzieher, dass er schon nicht mehr im Vollbesitz seiner politischen Kräfte ist. Sie reichten immer noch für einen selbstbestimmten, würdigen Abgang mit einer geordneten Übergabe der Ämter; sie ermöglichen es Stoiber aber auch, denselben finalen Fehler zu begehen, den schon mancher andere Politiker im Ruhestand bereute.
Whodunnit?
Guillermo Emmark (konfusius)
- 13.01.2007, 00:45 Uhr