06.08.2007 · Die SPD sucht einen Kanzlerkandidaten, die CSU einen neuen Vorsitzenden. In der Personalpolitik liegen Welten zwischen ihnen, wie es die unterschiedliche Weise verdeutlicht, mit der in Berlin und München versucht wird, das Sommerloch zu füllen.
Sollten CSU und SPD weit weniger gemein haben als vermutet? Gern wird behauptet, die bayerische Regierungspartei sei in ihrem Wesen mindestens so sozial wie christlich, mitunter also nur eine weißblau eingefärbte und katholisierte Sozialdemokratie. Doch trennt nicht nur die Höhe der Wahlergebnisse die Parteien voneinander. Auch in der Personalpolitik liegen Welten zwischen ihnen, wie es die unterschiedliche Weise verdeutlicht, mit der in Berlin und München versucht wird, das Sommerloch zu füllen.
Während die CSU gleich drei Persönlichkeiten von Rang und Namen ins Rennen schickt, die voll der Nächstenliebe im Herbst den Parteivorsitzenden Stoiber beerben möchten, will in der SPD jedenfalls derzeit niemand Kanzlerkandidat werden, nicht einmal der amtierende Parteichef. Der befürchtet - kein Wunder bei seinen bisherigen Erfahrungen - eine weitere Abnutzung durch diese Bürde; eine Sorge, die Edmund Stoiber auch in zwanzig Jahren noch nicht überkäme.
Eine „Rampensau“ als Zugpferd
Ganz unähnlich sind sich CSU und SPD gleichwohl auch wieder nicht. Schließlich handelt es sich in beiden Fällen um Parteien. Und die brauchen, wie man sich unter Sozialdemokraten auszudrücken pflegt, eine „Rampensau“ als Zugpferd, also einen, der die Stimmen holt. Struck hat damit natürlich nicht Seehofer gemeint, sondern Beck, der sich ziert, als hafte der Kanzlerkandidatur die Maul- und Klauenseuche an.
Im Umfragetief und zwei Jahre vor der nächsten regulären Wahl ist sein Zögern verständlich. Doch warum bedrängen ihn dann seine Genossen derart? So bereitet man den Boden für Spekulationen. Man stärkt niemanden, den man dauernd zu Dementis zwingt. (Siehe auch: Kanzlerkandidatur: Verwunderung in der SPD über Strucks Vorstoß)
Zu Mitleid für Seehofer aufgerufen
In der CSU dagegen haben die beiden Hauptbewerber für das zu vergebende Spitzenamt immer offen zu erkennen gegeben, dass sie sich jeweils selbst für die größere Attraktion auf Rampen, Bühnen und vor allem in Zelten halten. Andererseits lässt sich eine bayerische Traditionspartei wie die CSU aber nicht von der SPD übertreffen, wenn es darum geht, das Brauchtum der Hinterfotzigkeit (etwa: Hinterlist) zu pflegen.
So wird jetzt in ihren Reihen zu Mitleid für Seehofer aufgerufen, auf dass diesen wegen des „Spagats zwischen seinem Privatleben und seiner Familie“ (so der geschasste Nockherberg-Derblecker Django Asül) im Herbst nicht eine allzu große Wahlschlappe treffe. Ein Schwein, wer Böses dabei denkt.
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