Eine Zeitlang sah es so aus, als wäre Angela Merkel allein zuhaus’. All’ ihre über die Jahre liebgewonnenen Konkurrenten und Kronprinzen mit Andenpakt-Vergangenheit hatten sie verlassen. Einigen verhalf sie persönlich zu der Einsicht, dass es auf absehbare Zeit nichts mit ihren Karriereplänen werde. Andere sind ganz an sich selbst gescheitert, dafür aber umso gründlicher. Das wirkte offenbar so abschreckend, dass erst einmal niemand mehr in die verlassenen Burgen in den Grenzgebieten des Merkel-Reiches einziehen wollte, jedenfalls kein Mann. Doch nun regt sich langsam wieder Leben in den Ruinen, in Frauengestalt.
Wer da zuerst an Ursula von der Leyen denkt, liegt nicht verkehrt. Natürlich wird sie meistens völlig falsch verstanden, wie zuletzt ihr Vorschlag, privaten Reichtum noch stärker zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben heranzuziehen. Doch wird man den Verdacht nicht los, sie habe gar nichts dagegen, falsch verstanden zu werden, weil dann schon richtig verstanden werde, was sie eigentlich wolle.
Als Verkörperung des sozialen Gewissens der CDU muss sich die Ministerin zwangsläufig links von der Vorsitzenden und Kanzlerin positionieren. Doch zeigt sie ein bisschen zu auffällig, dass ihr das ein wahres Herzensanliegen ist: Es könnte ja der Fall eintreten, dass einmal eine Kandidatin gebraucht würde, die die allergischen Reaktionen der SPD auf das Wort „große Koalition“ nicht noch vergrößerte.
Praktizierende Großkoalitionärinnen
In der Union verbreitet der Gedanke an ein Bündnis mit dem großen Wettbewerber ohnehin weit weniger Schrecken als in der SPD (oder gar in der FDP). Die Ministerpräsidentinnen Kramp-Karrenbauer und Lieberknecht, die ebenfalls, wenn auch weit zurückhaltender als Frau von der Leyen, erkennen lassen, dass ihr politischer Gestaltungswille über die engen Grenzen ihrer Grafschaften hinausreicht, sind bereits praktizierende Großkoalitionärinnen.
Bei der Verfolgung ihrer Ziele wie der Frauenquote oder dem Mindestlohn setzten sie sich jetzt im Bundesrat locker über die bisherigen Positionen der CDU hinweg. Nun sind diese, seit Frau Merkel über sie bestimmt, ohnehin im Fluss. Doch verstärkt das Ausscheren der Amazonen aus der Unionsfront den Eindruck, schon ein Jahr vor dem Ende der schwarz-gelben Regierungszeit gerate die ganze Koalition ins Rutschen.
Die Meinung erfahrener Juristinnen und Juristen beim Juristentag
Hans Edelmann (aktienfluechtling)
- 22.09.2012, 13:36 Uhr
Wunderbar gesagt, Herr Kohler!
Helga Zießler (Steuernagel34)
- 22.09.2012, 12:55 Uhr
Nun ja, Frau Jürgens
Herbert Weidinger (WeidingerHerbert)
- 22.09.2012, 11:01 Uhr
Wenn die innenpolitischen Probleme linker sind als...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 22.09.2012, 10:55 Uhr
Männer, Ihr habt doch auch Vorteile von der Frauenquote!
Karin Jürgens (Bashi49)
- 22.09.2012, 10:27 Uhr