Wenn der Kampf ums Kanzleramt zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück so gesittet, so lautlos, so behäbig abläuft wie das erste „Duell“ der Kandidaten am Donnerstag im Bundestag, könnte man sich fast schon nach einem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier sehnen, von Sigmar Gabriel ganz zu schweigen. Steinbrück machte nicht den Eindruck, als verspreche er sich einen Vorteil von einer Auseinandersetzung mit der Kanzlerin auf dem Feld der Europapolitik. Seine Erwiderung auf die Regierungserklärung wiederholte die Versatzstücke der bekannten SPD-Kritik, deren roter Faden einst Kohl stürzen konnte, aber nicht Frau Merkel zu Fall bringen wird: Nichts soll ganz anders gemacht werden, aber vieles besser.
Wie leicht darauf zu reagieren ist, zeigte Rainer Brüderle: Steinbrück wisse alles besser, aber nicht, wie man es mache. Für Steinbrück kommt erschwerend hinzu, dass er als Mann der Exekutive schon vieles ganz anders gemacht hat, als er heute vorgibt, aber nicht unbedingt besser als Frau Merkel. Auch das konnte ihm Brüderle vor den Latz knallen, was eine Kostprobe auf den Wahlkampf war. Steinbrück wird auf seinem Spezialgebiet noch öfters daran erinnert werden, dass auch Finanzwissenschaft und Finanzpolitik sich so verhalten wie Besserwisserei und Geschwätz von gestern.
Doch die Lautlosigkeit der Debatte lässt sich auch als Form der Ernsthaftigkeit deuten. Frau Merkels Regierungserklärungen zu Europa eignen sich ohnehin nicht zu temperamentvollen Repliken, weil sie jedem Anlauf dazu den Boden entziehen. Sie sind nicht einmal echte Reden, sondern eben Erklärungen, was die Kanzlerin nicht davor bewahrt, dass ihr selbst vom Bundespräsidenten vorgeworfen wird, sie erkläre ihre Politik nicht in ausreichendem Maße. Nur in Nuancen verschieben sich dabei angesichts des Wahlkampfs die Akzente, wenn es um die „tiefste Krise“ Europas seit Generationen geht, die „größte Herausforderung“ des Kontinents, die vom schönsten seiner Preise, dem Nobelpreis, gewürdigt werde - Superlative, die das Kanzleramt und dessen amtierende Bewohnerin strahlen lassen.
Nur in einem Punkt bleibt sich Frau Merkel in all ihren Erklärungen treu: Es mag eine Erklärung für die Krise geben, aber noch nicht für die Lösungen, die eines Tages - vielleicht, hoffentlich, wahrscheinlich - gefunden sind. Für Frau Merkels Politikstil ist das kein Problem. Für Steinbrücks sehr wohl.
Milchmädchen und Milchmann im Disput, wer will da nicht widerstehen?
Jürgen M. Backhaus (dijmb)
- 19.10.2012, 09:28 Uhr
ein Duell setzt ja eigentlich gegensätzliche Positionen voraus,
Horst Dettweiler (dettw)
- 19.10.2012, 07:56 Uhr
"Werbung für Demokratie"
Philipp Laurisch (FSMMITUNS)
- 18.10.2012, 22:54 Uhr
Steinbrueck will das...
Harald Sulzmann (hsulzmann)
- 18.10.2012, 22:30 Uhr
"Nichts Neues in Berlin"
Doris Jung (DorisJung)
- 18.10.2012, 22:28 Uhr