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Kommentar Das leichte Spiel der Entführer

22.07.2007 ·  Die Entführung der zwei Deutschen zeigt, dass die Gewalt in Afghanistan immer stärker auch die Bundesrepublik bedroht. Dennoch leisten wir uns eine Debatte über einen angeblich drohenden Überwachungsstaat, meint Markus Wehner.

Von Markus Wehner
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Das Verwirrspiel und die Aufregung um das Schicksal von zwei deutschen Geiseln in Afghanistan haben gezeigt, wie leicht Berlin durch Meldungen über Gewalt gegen Deutsche am Hindukusch aus der Fassung zu bringen ist. Soll man über Meldungen erleichtert sein, wonach einer der beiden entführten Bauingenieure „nur“ an einem Herzinfarkt gestorben und der andere doch nicht erschossen worden sei?

Sicher ist: Die Gewalt in Afghanistan eskaliert - und sie trifft Deutschland immer stärker. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann „erweckte“ Muslime, möglicherweise in Pakistan ausgebildet, auch hierzulande zuschlagen. (Siehe auch: Gefährliche Islamisten: Gekommen um zu töten)

Wirklichkeitsfremde Debatte

Dennoch leistet sich Deutschland eine wirklichkeitsfremde Debatte über einen angeblich drohenden Überwachungsstaat. Man streitet darüber, ob eine Online-Durchsuchung zulässig sein könne - auch wenn Islamisten sich immer mehr per Computer organisieren, bis hin zur virtuellen terroristischen Vereinigung. Auch wer sich im Internet Anleitungen für den Bau von Bomben herunterlädt, muss nichts befürchten.

Deutschland erlaubt sich zudem eine Rechtslage, durch die ein Einzeltäter straflos terroristische Anschläge planen kann. Denn der Straftatbestand einer terroristischen Vereinigung kommt erst ab drei Mitgliedern zum Tragen.

Gefährlicher Riss in der Gesellschaft

Das alles hat einen Grund: Die deutsche Öffentlichkeit ist gespalten in der Frage, welche Gefahr uns wirklich droht. Manche pflegen eine kulturromantische Vorstellung vom Islam, andere befürchten, der These vom „Zusammenstoß der Kulturen“ recht geben zu müssen. Im islamischen Mainstream in Deutschland gibt es noch zu viel Sympathie für die Kämpfer unter grüner Flagge.

Die Islamisten wissen um die Gräben in einer Gesellschaft, die sie als schwach und verkommen ansehen. Wenn nach jedem Anschlag am Hindukusch eine Debatte losbricht, ob wir unsere Soldaten abziehen sollen, dann erkennen sie, wie leicht ihr Spiel ist. Jede Talkshow zeigt ihnen den Riss auf, der durch Deutschland geht. Und sie nutzen ihn.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.07.2007, Nr. 29 / Seite 10
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