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Kommentar Das Abitur wird vollständig entwertet

09.03.2007 ·  Viele Forderungen des aktuellen Bildungsgutachtens sind widersprüchlich. Fortbildungen werden nicht dadurch besser, dass sie zur Pflicht werden und der Beruf als Lehrer wird durch Entbeamtung noch unattraktiver als ohnehin schon. Ein Kommentar von Heike Schmoll.

Von Heike Schmoll
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Wäre es der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft nicht gelungen, führende Bildungsforscher wie den Pisa-Koordinator, den Leiter des Dortmunder Instituts für Schulentwicklung und andere angesehene Wissenschaftler für ihren „Aktionsrat für Bildung“ zu gewinnen, könnte sein radikaler Forderungskatalog zum Umbau des deutschen Bildungswesens getrost vernachlässigt werden. Die Auftraggeber haben damit ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erreicht, die beteiligten Professoren zumindest ihre Unabhängigkeit eingebüßt.

Es versteht sich von selbst, dass die Forscher ihren von wirtschaftlichen Forderungen geleiteten Hirnbewirtschaftungsplan für das Bildungswesen mit Befunden der Studien, an denen sie zum Teil maßgeblich beteiligt waren, belegen. Das macht ihre Forderungen aber nicht besser und schon gar nicht politisch durchsetzungsfähiger. Denn die Politik wäre ohnehin nur das ausführende Organ, das einen Finanzierungsplan zu entwerfen, Steuergelder zur Verfügung zu stellen und die rasche Verwirklichung zu gewährleisten hätte.

Bildung ist ein individueller Vorgang

Zweifellos müssen Kinder aus sozial benachteiligten, bildungsfernen und ausländischen Schichten gezielt gefördert werden. Aber wieso sollte die Kindergartenpflicht mit vier Jahren oder die Zusammenlegung der Haupt- und Realschule dafür bürgen? Warum sollten Lehrer ausgerechnet durch Fortbildungspflicht, leistungsorientierte Bezahlung (wer legt die Kriterien fest?) und Zeitverträge zu anspruchsvoll-abwechslungsreichem Unterricht bewogen werden?

Schulen sollen privatisiert werden, Lehrer lebenslang lernen, das dreigliedrige Schulsystem verschwinden. Das hat das Aktionsbündnis Bildung vorgeschlagen.

Das Gegenteil ist der Fall: Zum einen werden die Fortbildungen für Lehrer nicht dadurch besser, dass sie zur Pflicht werden, zum anderen wird der Lehramtsberuf durch Entbeamtung und Senkung des Grundgehalts nur noch unattraktiver als ohnehin schon - oder wollten die Professoren auch am eigenen Beamtenstatus rütteln?

Viele Forderungen sind sinnvoll, andere widersprüchlich. Gleichzeitig werden höhere Bildungsabschlüsse gefordert, und das Abitur wird vollständig entwertet. Misstrauisch macht die geradezu technokratische Vorstellung, durch „Output-Steuerung“ den passgenauen Absolventen eines Bildungssystems zur Steigerung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Landes hervorzubringen. Bildung ist und bleibt ein individueller Vorgang.

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