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Kommentar Angestaubt

29.03.2005 ·  Einige Politiker halten sich plötzlich zugute, „schnell und entschlossen“ im Kampf gegen die Partikelverunreinigung der Luft zu handeln. Auch die Autoindustrie mimt den Notstandverwalter. Dabei wissen sie schon lange, was mit der verschärften EU-Richtlinie auf sie zukommen würde.

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Einige Politiker in Städten und Gemeinden halten sich plötzlich zugute, „schnell und entschlossen“ im Kampf gegen die Partikelverunreinigung der Luft zu handeln. Auch die deutsche Autoindustrie mimt den Notstandverwalter.

Dabei sind alle Beteiligten schon viele Jahre darüber im Bilde, was da mit dem Inkrafttreten der verschärften EU-Richtlinie auf sie zukommen würde. Bevor also das entschlossene Fuchteln mit dem Fahrverbotsknüppel oder der vorgezogene Einbau von Rußfiltern als heroische umweltpolitische Taten gewürdigt werden, muß an den im Vergleich dazu bemerkenswert großzügigen Umgang mit besorgniserregenden Forschungsergebnissen der Vergangenheit erinnert werden.

Grenzwerte am Rand einer Farce

Eine europäische Arbeitsgruppe hatte schon vor Jahren angekündigt, daß die verschärften Grenzwerte praktisch nirgends in Europa einzuhalten sind. Selbst die Schweiz und die abgelegensten Gegenden Südspaniens erwiesen sich bei systematischen Messungen als enorm mit Feinstaub belastet. Die verabredeten Grenzwerte gerieten an den Rand einer Farce.

Der Grund ist weniger, daß sich die Anreicherung der Luft durch das steigende Verkehrsaufkommen beschleunigte - das Gegenteil war der Fall: In den neunziger Jahren hatte man zum Beispiel in Deutschland einen Rückgang der Belastung um etwa ein Fünftel im Schnitt registriert. Entscheidend ist vielmehr, daß die Grundbelastung mit den gesundheitsschädlichen Teilchen generell und in ganz Europa zu hoch liegt. Und zwar schon seit Jahrzehnten. Bereits kleinste Störungen - Stoßzeiten im großstädtischen Verkehr oder ungünstige Luftbewegungen, die dafür sorgen, daß Industriestäube zu den Meßstellen geblasen werden - können das Faß zum Überlaufen bringen.

Hektische Maßnahmen sind nicht gefragt

Ebenso lange auch, nämlich seit vielen Jahren, mahnen Mediziner und Wissenschaftler deshalb, das Rad der Luftreinhaltung langsam aber konsequent weiterzudrehen, statt sich nach den plakativen Ozon- und Smogkampagnen zurückzulehnen.

Was also gefragt ist, sind keine hektischen Maßnahmen, sondern solche, die eine planmäßige Rückführung der Feinstaubwerte ermöglichen. Dies um so mehr, als die vermeintlichen Grenzwerte nach heutiger medizinischer Kenntnis keine Schwellenwerte sind, unterhalb deren nichts zu tun ist. Der Schaden beginnt früher.

Quelle: jom., Frankfurter Allgemeine Zeitung
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