Mit einem anhaltenden Lächeln hat sich der gebrechlich gewordene Helmut Kohl für den anhaltenden Beifall der Unionsfraktion am Dienstagsnachmittag bedankt. Es ist nicht die einzige Ehrung, die der einstige Kanzler in dieser Woche zum 30. Jahrestag des Beginns seiner Regierungszeit erfährt, aber doch wohl der Moment, der ihm am meisten bedeutet. Der lange Applaus der Abgeordneten regnet versöhnlich auf den Greis nieder, der eingerahmt sitzt am Vorstandstisch zwischen Fraktionschef Kauder und der Bundeskanzlerin Merkel, die Hände fest an die Armlehnen seines Rollstuhls gekrampft.
Merkel hatte einst den Denkmalsturz des früheren Ehrenvorsitzenden betrieben, um die Partei aus der Spendenaffäre zu lösen, die Kohl zu verantworten hatte. Jetzt klatscht sie mit der Menge der Fraktion – ein Augenblick, in dem der Eindruck der Hinfälligkeit des Ehrengastes alle früheren Zerwürfnisse klein erscheinen lässt. Es ist an Kauder, als erster Kohls Leistungen zu würdigen; er erinnert an Kohls „Wende“ des Jahres 1982, die er jetzt „Neuanfang“ nennt, und natürlich an Kohl als „Kanzler der Einheit“.
Angela Merkel war schon am Vormittag gebeten, eine Person zu würdigen, deren Leben mit ihrem eigenen „doch auf interessante Weise miteinander verwoben war“, wie sie es in ihrer gefühlsfreien Ausdrucksweise beschrieb.
Edmund Stoiber, der Unionskanzlerkandidat des Jahres 2002, hat seine Erinnerungen verfasst und einige Ratschläge hinzugefügt; die Kanzlerin stellte den Memoirenband am Vormittag in Berlin vor. Sogleich rückte jenes legendäre Frühstück im Januar vor zehn Jahren in den Vordergrund, das damals als Merkels Canossagang empfunden worden war: Die CDU-Vorsitzende reiste in das Münchener Privathaus des CSU-Vorsitzenden, um ihm notgedrungen die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl zu überlassen.
„Wir haben uns an einigen Stellen nichts geschenkt, nicht viel geschenkt“, teilte die Kanzlerin dem anwesenden Publikum weiterhin mit – eine Aussage, die auch ihr Verhältnis zu Helmut Kohl zutreffend beschrieben hätte.
Aber ihre Verbindung zu Stoiber war nicht durch Begriffe wie Vormund oder Altlast bestimmt, sondern durch Konkurrenz. Ein thematisches Vehikel, mittels dessen Merkel und Stoiber um die Vorherrschaft in der Union rangen, bildete vor einem Jahrzehnt jene Gesundheitsreform, durch die eine Kopfprämie hätte eingeführt werden sollen. Der Streit in dieser Frage „war sicherlich der Höhepunkt unseres geistigen Austausches,“ stellte die Kanzlerin fest, und meinte das gar nicht ironisch. Vielmehr setzte sie hinzu: „Ich habe „nicht viele Menschen in meinem politischen Leben gehabt, mit denen man so offen, so hart, aber nicht unversöhnlich diskutieren konnte“.
Attribut des Bürokraten
Und während die Ehrung Kohls in der Fraktion schon wegen der Gebrechlichkeit des Jubilars eine Aura von Ehrfurcht und Hemmungen umgab, geriet die Präsentation von Stoibers Lebensleistung eher zum ungezwungenen Klassentreffen. Frau Merkel gab in Erinnerung an das bewusste Frühstückstreffen zum besten, dass weder Stoiber noch sie Appetit auf die vielen Köstlichkeiten hatte, die Stoibers Frau angerichtet hatte: „wir haben glaub‘ ich beide nur an so ‘nem Brötchenrand herumgenagt.
Dann brachte Stoiber es fertig, selbstironisch mit dem Attribut des Bürokraten umzugehen, das ihm ja immer angehängt werde, und die Kanzlerin gestand, sie lese auch gern Akten, vor allem die der bayerischen Staatskanzlei, weil die so exzellent geführt würden, und „ordentliche Aktenführung, die ist echt viel Wert“. Da gab der lächelnde Stoiber ihr zurück: „Naja, Du hast ja auch ne gute Aktenführung“.
Der Lack ist ab und nicht wiedergekehrt
Hugo C. Meier (HugoCMeier)
- 28.09.2012, 10:42 Uhr
Wie die Wiedervereinigung Deutschlands wirklich ...
Gerda Fürch (Alexandrina)
- 27.09.2012, 17:35 Uhr
Nun Helmut Kohl für den Geburtenrückgang verantwortlich zu
machen ist wirklich
Marie Gruber (mariluI)
- 26.09.2012, 16:15 Uhr
Scheinheilig
udo fischer (udo44)
- 26.09.2012, 12:35 Uhr
Danke Herr Bundeskanzler
Franz Siebrech (rosi110)
- 26.09.2012, 10:02 Uhr