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Kommentar zu Köthen : Hört zu!

Das Ortseingangschild der Kreisstadt Köthen Bild: dpa

Wenn die Politik eine Spaltung der Gesellschaft verhindern will, muss sie Präsenz zeigen – auch wenn es ungemütlich wird. Dazu gehört es, sich auf die Menschen und ihre Schicksale einzulassen.

          Aufrufe zu gesellschaftlicher Einigkeit wirken schal, wenn sie aus der Käseglocke eines Betriebs kommen, der selbst nicht immer nah am Bürger ist. Die Gesellschaft ist schon jetzt „bunt“, aber natürlich nicht überall.

          Doch (mehr) Buntheit kann schlecht verordnet werden. Das führt wieder zu jener Spaltung, die von der großen Politik jetzt erkannt wird, an der sie aber auch selbst mitgewirkt hat; wobei Unterschiede gerade zum Wesen eines freiheitlichen, föderalen Gemeinwesens gehören, in dessen Mittelpunkt die Würde des einzelnen steht.

          Der Staat ist dazu verpflichtet, die Grundrechte zu wahren, für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen und generell das geltende Recht durchzusetzen. Dann ist schon viel im Kampf gegen Extremismus getan. Aber das reicht nicht.

          Wer eine Spaltung verhindern will, muss Präsenz zeigen, auch wenn es ungemütlich wird, und sich auf die Menschen und ihre Schicksale einlassen. Es ist kein Zufall, dass der frühere Bürgerrechtler Frank Richter nun bei der Oberbürgermeisterwahl in Meißen vorn liegt. Sein Mantra: Hört endlich zu!

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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