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Körperscanner Getestet mit Terahertzstrahlen

29.12.2009 ·  Sogenannte Nacktscanner haben einen schlechten Ruf. Dabei bietet die Technik gegenüber herkömmlichen Sicherheitschecks viele Vorteile: Sie zeigt sofort, wer Drogen oder Sprengstoff unter der Kleidung versteckt. Und kein Sicherheitsbeamter bekäme die Nacktbilder zu sehen.

Von Stefan Tomik
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Sogenannte Nacktscanner bestimmen wieder die Sicherheitsdebatte. Allein der Begriff verrät eine gewisse Distanz, denn er impliziert, dass der beobachtete Mensch bei der Durchleuchtung gleichsam nackt und schutzlos sei. Im Englischen heißen die Geräte dagegen nüchtern body scanner - Körperscanner.

Sie arbeiten mit einer Strahlung zwischen 0,3 und 10 Terahertz, also Billionen Schwingungen pro Sekunde. Die Technik ist noch relativ jung, denn lange Zeit fehlten brauchbare Sender und Empfänger für diesen Wellenlängenbereich, der im Strahlungsspektrum zwischen Infrarotlicht (Wärmestrahlung) und den allseits bekannten Mikrowellen verortet ist. Fachleute sprachen von einer „Terahertzlücke“, die nun geschlossen ist.

Aktive und passive Verfahren

Zwei Verfahren können für Körperscanner eingesetzt werden: Passive Modelle messen lediglich die von der Hautoberfläche ausgesendete Strahlung. Das funktioniert, weil die Terahertzwellen Teil der natürlichen Wärmestrahlung sind. Auf dem entstehenden Bild der Körperkonturen werden Waffen oder andere am Körper getragene Gegenstände als Schatten sichtbar. Anders als bei herkömmlichen Metalldetektoren lassen sich so auch Gegenstände aus Kunststoff oder Keramik finden.

Noch genauere Informationen und schärfere Bilder lassen sich gewinnen, wenn der zu untersuchende Mensch aktiv mit Terahertzwellen bestrahlt wird. Der Scanner untersucht dann die reflektierten Wellen und identifiziert mittels Spektralanalyse chemische Substanzen. Es ließe sich erkennen, ob eine am Körper getragene Plastikflasche Haarshampoo, Drogen oder Sprengstoff enthält.

Manche Körperscanner arbeiten auch mit Röntgenstrahlen. Obwohl deren Dosis geringer ist als bei medizinischer Anwendung, bleibt ein Gesundheitsrisiko. Im Gegensatz dazu gelten Terahertzstrahlen als ungefährlich. Sie dringen nur wenige Millimeter in den Körper ein und sind zu schwach, um dessen Moleküle zu ionisieren und dadurch Zellschäden zu verursachen.

Niemand bekommt die Nacktbilder zu sehen

Ethischen Bedenken, die Scanner verletzten die Privatsphäre, wird mit einer Automatisierung des Verfahrens begegnet. Die Geräte schlagen bei Verdacht selbsttätig Alarm und weisen das Sicherheitspersonal auf eine bestimmte Person hin, die dann einer herkömmlichen Leibesvisitation unterzogen wird. Kein Operateur bekommt die Nacktbilder von Passagieren zu Gesicht.

Das gilt angeblich auch für die Maschinen vom Typ „L3 ProVision“ des amerikanischen Herstellers L-3 CyTerra. Diese Geräte werden derzeit unter anderem am Amsterdamer Flughafen getestet, wo der Attentäter Abdulmutallab in die Maschine nach Amerika umstieg. Doch in Schiphol sind die Geräte nur an 16 Kontrollstellen im Einsatz, und Reisende betreten sie freiwillig. Ein Scanvorgang dauert zwölf Sekunden; Schuhe oder Gürtel müssen nicht abgelegt werden. Unauffällige Bilder werden umgehend gelöscht.

Obwohl die EU-Kommission keine Bedenken gegen den Einsatz von Körperscannern hegt und viele Sicherheitsbehörden auf deren Einsatz dringen, hatte sich Deutschland dem verweigert, als die Debatte im vergangenen Jahr aufkam. Die Bundespolizei begann erste Laborversuche, deren Ergebnisse noch nicht vorliegen. Einen Test unter realen Bedingungen gibt es in Deutschland nicht. Angesichts des gescheiterten Anschlags in den Vereinigten Staaten könnte der Widerstand gegen die Technik weichen. Und falls Washington demnächst auf dem Einsatz der Geräte beharrt, dürfte es Berlin sehr schwer fallen, nein zu sagen.

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Jahrgang 1974, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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