http://www.faz.net/-gpf-7lt62

Kölner Kardinal : Meisner bedauert Äußerung über muslimische Familien

  • Aktualisiert am

Joachim Kardinal Meisner Bild: dpa

Seine Wortwahl sei „vielleicht unglücklich“ gewesen, äußert Joachim Kardinal Meisner. Er zieht scharfe Kritik auf sich, weil er vor konservativen Katholiken sagte: „Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“

          Der Kölner Joachim Kardinal Meisner hat seine Äußerungen über muslimische Familien bedauert. „Es war keineswegs meine Absicht, Menschen anderen Glaubens damit zu nahe zu treten - meine Wortwahl war in diesem Fall vielleicht unglücklich“, erklärte Meiser am Mittwoch in Köln.

          Der scheidende Erzbischof hatte vergangenen Freitag bei einer Veranstaltung des „Neokatechumenalen Weges“ Eheleute aus der geistlichen Gemeinschaft dafür gelobt, große Familien mit teils zehn Kindern zu gründen. Dabei sagte er: „Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien.“ Dieser Satz war auf scharfe Kritik insbesondere muslimischer Verbände gestoßen.

          Meisner: Muslimische Familien beispielhaft

          Laut Meisners Erklärung vom Mittwoch war seine Äußerung als „Wertschätzung für die Familien des Neokatechumenalen Wegs und ihr beispielhaftes apostolisches Wirken“ gemeint. Dort erlebe er eine außergewöhnliche Glaubenskraft. Zudem betonte Meisner, dass er schon verschiedentlich gesagt habe, dass muslimische Familien unserer überalternden Gesellschaft in manchem ein Beispiel geben. Einen Videomitschnitt der Veranstaltung hatte das Erzbistum Köln zwischenzeitlich ins Internet gestellt.

          Videomitschnitt der Veranstaltung: Kardinal Meisner spricht ab Minute 88

          Der Sprecher der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), Bekir Alboga, hatte die Äußerung Meisners kritisiert. Er sei sprachlos, sagte Alboga dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Man stelle sich vor, ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position würde diesen Satz formulieren - ein Empörungsschrei ginge durch die Gesellschaft.“

          „Sarrazin-ähnliche Äußerungen“

          Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hatte Meisner vorgeworfen, „sich mit Sarrazin-ähnlichen Äußerungen über Muslime einen rustikalen Abgang zu sichern“. Meisner bediene Ressentiments und islamfeindliche Stimmungen, „die wir so von der katholischen Kirche und besonders vom neuen Papst nicht kennen“. Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD), bekundete Unverständnis über die Äußerung des Kardinals.

          Der religionspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, warf dem Kardinal vor, den öffentlichen Frieden zu gefährden. Die stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Eine abgestufte Wertigkeit von Familien und damit von Kindern je nach Herkunft oder Religionszugehörigkeit verstößt nicht nur gegen unsere Verfassung, sie ist auch alles andere als christlich.“

          Am 25. Dezember war Meisner 80 Jahre alt geworden. In den kommenden Wochen wird mit der offiziellen Annahme seines Rücktrittsgesuchs durch Papst Franziskus gerechnet.

          Weitere Themen

          Im Dienst für den IS

          Moschee in Sachsen : Im Dienst für den IS

          Wurde in einer Moschee im sächsischen Plauen Gewalt gepredigt? Gegen einen 22 Jahre alten Syrer wurde am Freitag Haftbefehl erlassen. Er soll in enger Verbindung zu der Moschee stehen.

          Topmeldungen

          Plenardebatte im Bundestag: Um auf sich aufmerksam zu machen bleiben der Oppostion nur wenige Möglichkeiten, die kleine Anfrage ist eine davon.

          Druckmittel der Opposition : Kleine Anfrage ganz groß

          Sogenannte kleine Anfragen im Bundestag haben sich seit der letzten Legislaturperiode verdreifacht. Was dem einen als Stärkung der Opposition zu Zeiten einer großen Koalition dient, nutzt so manch anderer als „Jagd“.

          Heimliche Mitschnitte : Trump attackiert seinen früheren Anwalt

          Donald Trump hat in der Schweigegeld-Affäre schwere Vorwürfe gegen seinen früheren Anwalt und die Ermittler erhoben. Dass Michael Cohen während eines Gesprächs mit Trump heimlich einen Mitschnitt gemacht habe, sei „vielleicht illegal“, twitterte Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.