Home
http://www.faz.net/-gpg-xw65
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kloster Ettal bittet um Verzeihung „Mitschuld derer, die nicht hinschauten“

23.07.2010 ·  Die Benediktinerabtei Ettal hat alle die um Verzeihung gebeten, die in der Klosterschule Opfer von Missbrauch oder Misshandlungen wurden. Derzeit liegen der Abtei 80 Opfer- und Zeugenberichte vor, die sich auf Übergriffe bis 1990 beziehen.

Von Albert Schäffer, München
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Die Benediktinerabtei Ettal hat am Freitag alle Personen um Verzeihung gebeten, die durch Missbrauchstaten geschädigt wurden. In einer Erklärung der Abtei wurden insbesondere die „Verbrechen“ bedauert, die ein Pater, der mittlerweile verstorben ist, an Schülern der Internatsschule des Klosters begangen habe. Es gebe auch eine „Mitschuld, die diejenigen von uns auf sich geladen haben, die zu wenig hinschauten, Hinweisen nicht nachgingen und nicht die notwendigen Konsequenzen zogen“, heißt es in der Erklärung. Nach Angaben der Abtei liegen ihr gegenwärtig achtzig Opfer- und Zeugenberichte vor, die sich auf Missbrauch und Misshandlungen in den Jahren bis 1990 beziehen. Dazu kommen Aussagen über Vorwürfe, die noch nicht verjährt und zu denen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen anhängig seien.

In der Erklärung der Abtei wird hervorgehoben, dass vielfältige Anstrengungen unternommen würden, den Opfern zu helfen. Alle Hilfsangebote würden aus Mitteln des Klosters und nicht aus Kirchensteuermitteln finanziert. Geschädigte könnten sich unmittelbar oder über externe Ansprechpartner an die Opferhilfestelle des Klosters wenden. Auf Anregung der Opferorganisation „Weisser Ring“ sei die Möglichkeit einer Mediation im Sinne eines Täter-Opfer-Ausgleichs geschaffen worden. Die Kosten der Mediation trage die Abtei. Insbesondere Opfern von sexueller Gewalt sollten auf den Einzelfall bezogene Hilfen ermöglicht werden. Dabei wolle sich die Abtei an den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz orientieren; es bestehe ein enger Kontakt mit der Bischofskonferenz.

Die beste Prävention sei ein vertrauensvolles Klima

Die Abtei will verstärkte Anstrengungen zur Prävention unternehmen. Um die Qualifikation der Erzieher und Lehrer in der Klosterschule zu verbessern, sei ein erweiterter Pflichtenkatalog für Neueinstellungen erarbeitet worden; dazu gehöre, dass Bewerber ein erweitertes aktuelles polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müssten. In kontinuierlichen Fortbildungsmaßnahmen soll das mit pädagogischen Aufgaben betraute Personal geschult werden, um Fragen des sexuellen und gewalttätigen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden. Verdeutlicht soll insbesondere werden, dass es auch unterhalb der Schwelle strafbarer Handlungen Verhaltensweisen gebe, die im pastoralen und erzieherischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen zwingend zu meiden seien, etwa unangemessene Berührungen.

Mit klaren Verhaltensregeln will die Abtei eine „fachlich adäquate Distanz und einen respektvollen Umgang zwischen den Mitarbeitenden und den betreuten Schülerinnen und Schülern“ sicherstellen. Die beste Prävention sei ein Klima, „in dem über Sexualität und die Gefahr sexuellen Missbrauchs offen gesprochen werden kann“, heißt es in der Erklärung der Abtei. Nötig seien auch transparente Beschwerdestrukturen, mit denen „Gefährdungsmomente“ minimiert werden sollten. Zusätzlich zu den Beschwerdemöglichkeiten innerhalb der Schule - etwa bei Verbindungslehrern - könnten sich Schüler, Eltern, Lehrer und andere Mitarbeiter an eine Rechtsanwältin wenden, welche die Abtei im April als externe Vertrauensperson benannt habe.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Der Fall Duisburg

Von Reiner Burger

Adolf Sauerland ist auf tragische Weise zum bekanntesten Oberbürgermeister Deutschlands geworden. Und zweifelsfrei ist der Duisburger Wahlgang ein Einschnitt in der Geschichte Nordrhein-Westfalens. Mehr 1 14