http://www.faz.net/-gpf-8eyhc

Zum Tod von Guido Westerwelle : Außenminister in schwieriger Zeit

  • -Aktualisiert am

Klaus Kinkel: „Es bleibt die gute Erinnerung an den begnadeten Redner und Wahlkämpfer, den langjährigen erfolgreichen FDP-Vorsitzenden, dem seine Partei alles bedeutete.“ Bild: Frank Röth

Es waren Jahre engster Zusammenarbeit. Nicht immer einer Meinung, bestand doch ein Band aus gegenseitiger Achtung. Der frühere FDP-Vorsitzende Klaus Kinkel erinnert sich an seinen Parteikollegen Guido Westerwelle.

          Im Alter von 54 Jahren hat uns Guido Westerwelle am vergangenen Freitag viel zu früh verlassen. Ich wusste, wie schwer seine Leukämie-Erkrankung war. Aber nach seiner Buch-Veröffentlichung und dem damit verbundenen Auftritt in der Öffentlichkeit hatte ich den Eindruck, dass er auf dem Weg der Besserung sei und das Schlimmste überwunden habe. Als ich die Todesnachricht bekam, war ich geschockt, betroffen, traurig. Was für ein Schicksal! Schon als Vorsitzender der Jungliberalen war sein politisches Talent erkennbar. Er war mein Generalsekretär, als ich Bundesvorsitzender der FDP war, einer meiner Nachfolger im Amt des FDP-Vorsitzenden und des Außenministers. Ein „political animal“!

          Wir waren in all den Jahren enger und zum Teil engster Zusammenarbeit nicht immer derselben Meinung. Aber es bestand zwischen uns ein Band gegenseitiger Achtung und der gemeinsame Wille, nur das Allerbeste für die FDP zu erreichen. Die Partei hat ihm viel zu verdanken. Guido Westerwelle, intelligent und schnell, war immer hoch engagiert, ungeheuer fleißig und im persönlichen Umgang liebenswert freundlich und zuvorkommend. Bei meiner etwas schwäbisch rauhbautzigen Art und dem rheinisch leichtgängigeren Wesen Guido Westerwelles waren wir atmosphärisch manchmal auf verschiedener Wellenlänge, aber in den wichtigen Sachorientierungen waren wir uns immer einig.

          Guido Westerwelle, ein Kämpfer, mancher Kritik ausgesetzt, hat bei den Bundestagswahlen 2009 für die FDP einen ganz großen Wahlerfolg erzielt. Die vier Jahre der Koalition mit der CDU/CSU verliefen nicht glücklich. Die FDP konnte vor allem ihr Wahlversprechen der Steuersenkung nicht umsetzen. Guido Westerwelle gab seinen Parteivorsitz ab und konzentrierte sich auf das Amt des Außenministers. Die letzte Bundestagswahl im Jahr 2013 hatten dann für ihn und die Partei tragische Auswirkungen; die FDP scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde und kam nicht mehr in den Bundestag. Für ihn und uns alle folgte auf das vorausgegangene Hoch ein deprimierendes Tief.

          FDP-Bundesparteitag 1995 in Mainz: Es geht um die Wahl eines neues Parteichefs und Klaus Kinkels Nachfolger.

          Es bleibt die gute Erinnerung an den begnadeten Redner und Wahlkämpfer, den langjährigen erfolgreichen FDP-Vorsitzenden, dem seine Partei alles bedeutete, den begeisterten Europäer, den – entgegen manchen anfänglichen Unkenrufen – sich für Deutschlands Interessen engagiert einsetzenden Außenminister in schwieriger Zeit. Ich bedaure, dass Westerwelles Leistung als Außenminister nicht genügend gewürdigt wurde. Es war richtig, dass er dieses Amt übernommen hat. Hans-Dietrich Genscher und ich hatten ihm dazu geraten. Das dauernde Nörgeln, er hätte Finanzminister werden sollen, war und bleibt falsch. Nur einmal in der Nachkriegszeit hatte der weitaus kleinere Koalitionspartner mit Rolf Dahlgrün das Amt des Finanzministers inne, von 1962 bis 1966 – und das ging schief. Es funktioniert einfach nicht, wenn der weitaus stärkere Partner beim kleineren um Geld bitten muss. Außerdem hätte Westerwelle die zur Zeit der Bundestagswahl erkennbar nicht mehr durchsetzbaren Versprechen bezüglich Steuersenkungen vertreten müssen.

          Guido Westerwelle wird uns fehlen

          Überraschend ereilte ihn nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag die schreckliche Krankheit, mit der er mutig, bewundernswürdig und kämpferisch umgegangen ist. Sie hat ihn verwandelt: Aus dem forschen, scharf formulierenden wurde ein nachdenklicher, von der Krankheit gezeichneter Guido Westerwelle. Die Leukämie in ihrer schlimmsten Form hat ihn nun doch besiegt.

          Er hat nicht nur in der Politik der letzten Jahre sondern auch in seinem Freundeskreis Spuren hinterlassen. Ein großer Verlust ist sein Tod auch für seine Stiftung, in die er so viel Herzblut eingebracht hat. Sie bedeutete für ihn einen Neubeginn. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an den liebenswerten Menschen, der sein persönliches Glück mit Michael Mronz gefunden hatte. Guido Westerwelle wird uns fehlen.

          Klaus Kinkel war von 1992 bis 1998 Außenminister, zwischen 1993 und 1995 führte er außerdem die FDP.

          Weitere Themen

          Südkorea sprengt Grenzposten Video-Seite öffnen

          Demilitarisierte Zone : Südkorea sprengt Grenzposten

          Südkoreanische Soldaten sprengten einen Grenzposten an der demilitarisierten Zone. Bis Ende November sollen weitere Posten aufgegeben und Material und Personal abgezogen werden.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.