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Kirchenumbau Nachmieter Allah

In Hamburg soll eine Kirche zur Moschee werden. Das erregt Anstoß - besonders beim Weihbischof und der CDU vor Ort.

© epd Vergrößern Die ehemalige evangelische Kapernaumkirche soll zu einer Moschee umgebaut werden.

Das Schicksal der Kapernaumkirche im Hamburger Stadtteil Horn beschäftigt die Öffentlichkeit schon seit mehr als zehn Jahren. Nun zieht das Gebäude wieder die Aufmerksamkeit auf sich, denn es soll eine Moschee werden. In den nächsten Monaten soll es für mehr als eine Million Euro umgebaut werden, um die Moschee am 3. Oktober eröffnen zu können. Das ist nicht nur der Tag der Deutschen Einheit, sondern auch der „Tag der offenen Moschee“.

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Die Kapernaumkirche wurde 1961 gebaut. Ihr 44 Meter hoher Turm ist aus Betonelementen und Backsteinen gefügt. Gebaut hat sie der Architekt Otto Kindt (1909-2006), der in Hamburg zwei weitere Kirchen errichtet hat, außerdem die U-Bahn-Station Messehallen. Der für Kindt persönlich wichtigste Kirchenbau war die Dänische Seemannskirche im Portugiesenviertel. Das hielt ihn freilich nicht davon ab, sich zur Entwidmung der Kapernaumkirche im Jahr 2002 kritisch zu äußern. Überhaupt wurde der Fall schon damals heftig diskutiert: Der frühere Hamburger Hauptpastor Lutz Mohaupt etwa sagte: „Es ist schwieriger, ein kontaminiertes Gebäude zu verkaufen als eine Kirche.“

Aus dem Kindergarten wurde nichts

Die Kapernaumkirche ging dann im Jahr 2005 an einen Kaufmann, der auf dem Grundstück altersgerechte Wohnungen bauen wollte und in die Kirche selbst eine Kindertagesstätte. Dass aufgegebene Kirchen neue Nutzer finden, ist zwar immer noch selten, aber auch nicht gänzlich ungewöhnlich. In Hamburg-Eimsbüttel etwa wurde St. Stephanus zum Quartier für mehrere sogenannte Start-Up-Unternehmen. Dreizehn aufgegebene Kirchen haben in Hamburg neue Nutzer gefunden. Aufregung gab es jedes Mal. Aber der Fall der Kapernaumkirche liegt anders. Aus dem Projekt Kindergarten wurde nichts. Das Gebäude stand abermals zum Verkauf. Diesmal erwarb es die islamische Al-Nour-Gemeinde. Das islamische Zentrum Al-Nour war im Jahr 1993 in Hamburg gegründet worden. Der Kauf wurde im Dezember abgewickelt. Die Gemeinde brachte den Kaufpreis, der sechsstellig gewesen sein soll, durch viele Spenden auf.

Am Äußeren des Gebäudes werde sich nichts ändern, verspricht Daniel Abdin, der Vorsitzende der Gemeinde: „Wir freuen uns, dass es sich um eine denkmalgeschützte Kirche handelt, die wir nun erhalten können.“ Es käme auch kein Minarett hinzu. Allerdings wolle man das Innere umgestalten: „Ein Mihrab muss sein.“ Gemeint ist eine islamische Gebetsnische, welche die Gebetsrichtung anzeigt. Kritik an dem Verkauf lässt die Al-Nour-Gemeinde nicht gelten: „Aus dem Gotteshaus wird wieder ein Gotteshaus.“ Bislang trafen sich die Gemeindemitglieder in einer Garage im Stadtteil St. Georg.

Austauschbarkeit von Christentum und Islam

Ende des Monats will die Al-Nour-Gemeinde über ihre Pläne mit dem Kirchenbau informieren. Das Gebäude soll auch künftig für alle geöffnet bleiben. Die evangelische Nordkirche hat schon klargestellt, dass sie auf den Vorgang keinen Einfluss ausüben könne. Zwar gibt es seit 2007 Leitlinien, die solche Fälle verhindern sollen, aber die galten für den Horner Fall noch nicht. Allerdings kommt er auch denkbar ungelegen, denn Anfang Mai ist Hamburg Gastgeber des Evangelischen Kirchentages.

Der katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke sagte: „Die Austauschbarkeit von Christentum und Islam ist nicht im Sinne eines guten interreligiösen Dialogs.“ Der Hamburger CDU-Landesvorsitzende, der Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg, sieht das ähnlich: „Die Entscheidung des Al-Nour-Zentrums sehe ich sehr kritisch. Ich hoffe, dass das Bezirksamt Mitte hier unverzüglich aktiv wird und mit dem Verein über attraktive Gebäude-Alternativen spricht.“ Und er setzte hinzu: „Auch wenn an der rechtlichen Seite nichts zu beanstanden ist, bin ich der festen Überzeugung, dass dies wenig zu einem verbesserten Miteinander der Religion und Kulturen beiträgt.“

Jörg Fromann aus der CDU-Bezirksfraktion Hamburg-Mitte pocht auf den Denkmalschutz. Es dürfe keine Änderung an dem Gebäude geben. Die Debatte bekommt noch eine besondere Nuance, weil Hamburg das erste Bundesland ist, das einen Vertrag mit den Muslimen und Aleviten schließen will. Die Muslime nennen es einen Staatsvertrag, die Stadt ist bei der Bezeichnung vorsichtiger. In dem Vertrag, der vom Bürgermeister unterzeichnet, von der Bürgerschaft aber noch nicht beschlossen ist, heißt es: „Die Freie und Hansestadt Hamburg gewährleistet islamischen Religionsgemeinschaften das Recht, im Rahmen der geltenden Gesetze Moscheen, Gebets- und Versammlungsräume sowie Bildungseinrichtungen und sonstige Gemeindeeinrichtungen zu errichten und ihrer Bestimmung entsprechend zu betreiben. Dies schließt die Gewährleistung des Rechts ein, Moscheegebäude der islamischen religiösen Tradition entsprechend, insbesondere mit Kuppeln und Minaretten, auszustatten.“

Nicht in „Islamophobie abgleiten“

In einer Handreichung der EKD von 2006 wird die Umwidmung einer Kirche in eine Moschee kritisch gesehen: Ein solcher Schritt „wird oftmals von vielen Christen nicht nur als ein persönlicher Verlust empfunden, sondern kann darüber hinaus auch zu Irritationen in der öffentlichen Wahrnehmung führen.“ Diese Auffassung hat jetzt der Präses der Nordkirchen-Synode, der Grünen-Politiker Andreas Tietze, kritisiert. Der „tageszeitung“ sagte er, das Thema Verkauf der Kirche in Horn dürfe nicht in „Islamophobie abgleiten“.

Auch die Deutsche Bischofskonferenz hat in ihren Leitlinien für den Verkauf von Kirchengebäuden festgelegt, dass die „kultische Nutzung“ durch nichtchristliche Religionsgemeinschaften „wegen der Symbolwirkung nicht möglich ist“. Freikirchliche Gemeinschaften haben allerdings Gemeindehäuser an islamische oder alevitische Gemeinschaften verkauft, so im vergangenen Jahr in Mönchengladbach und davor in Berlin und Dortmund.

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 07.02.2013, 17:30 Uhr