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Geld für Gemeinden : Wo bleibt die Kirchensteuer?

Himmelskreuz und Luthergarten in Wittenberg: Für die Kirche könnte es bald unangenehm werden. Die alternde Bevölkerung und Austrittswellen könnten für leere Kassen sorgen. Bild: epd

Obwohl die Einnahmen sprudeln, kommt in den Gemeinden erstaunlich wenig davon an. In der evangelischen Kirche begehren die ersten Pfarrer auf. Sie beklagen Verschwendung.

          Jahr für Jahr verbuchen die Kirchen in Deutschland Rekordeinnahmen aus der Kirchensteuer. Zuletzt flossen den beiden großen Kirchen darüber etwa 11,5 Milliarden Euro zu. Schon seit Jahren gleicht die gute Konjunkturlage sinkende Mitgliederzahlen mehr als aus. Paradiesische Zeiten für Kirchengemeinden? Von wegen. Die verbliebenen Mitglieder bekommen von der bisher üppigen finanziellen Ausstattung wenig mit. In der katholischen Kirche werden immer weniger Gemeinden von einem eigenen Priester betreut. Die evangelische Kirche verfügt zwar derzeit noch über genügend Pfarrer. Doch auch dort werden manche Kirchen dichtgemacht, Gemeinden zu unübersichtlichen Verbünden zusammengelegt und bleiben Pfarrstellen teils über Jahre unbesetzt.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Auch der Service für die Mitglieder wird zurückgefahren. Einst war es üblich, dass Pfarrer ihre Gemeindemitglieder besuchten, gerade wenn sie neu zugezogen waren. Solche Hausbesuche sind mittlerweile die Ausnahme. Wer sich im Bekanntenkreis umhört, dürfte neben den zahlreichen guten Erfahrungen mit der Kirche auch irritierend viele Klagen vernehmen: Geschichten über Pfarrämter, die telefonisch kaum erreichbar sind. Berichte von trauernden Angehörigen, die jahrelang Kirchensteuern zahlen, dann aber Schwierigkeiten haben, einen Pfarrer für die kirchliche Beisetzung zu finden. Erzählungen über Kirchengemeinden, die mehrere Taufen zu Sammeltaufen poolen, obwohl viele Eltern das explizit nicht wollen. Rekordeinnahmen einerseits, weniger Leistung andererseits – wie ist das möglich?

          Gemeindebünde wollen sich untereinander vernetzen

          Karl-Friedrich Wackerbarth stellt sich diese Frage schon länger. Der bärtige Theologe gehört zu denen in der evangelischen Kirche, die sich trauen, ihrer Kirchenleitung kritische Fragen zu stellen. Er ist stellvertretender Vorsitzender des 2012 gegründeten Gemeindebunds, dem mittlerweile immerhin vierzig der rund 1500 Kirchengemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern angehören. Auch in anderen Landeskirchen gibt es solche Zusammenschlüsse, die sich zunehmend untereinander vernetzen.

          Pfarrer Wackerbarth macht eine einfache Rechnung auf, die jeden Kirchensteuerzahler aufhorchen lassen sollte. Der Pfarrer zieht dafür die Eckwerte seiner eigenen Kirchengemeinde in Prien am Chiemsee heran. Wackerbarth kümmert sich dort zusammen mit einem jungen Kollegen um knapp 3000 Mitglieder. Statistisch zahlt etwa jedes dritte Kirchenmitglied Kirchensteuern. Im Schnitt sind das gut 750 Euro. Aus einer Gemeinde dieser Größe fließen der Landeskirche also etwa 750.000 Euro zu. In einer wohlhabenden Region wie dem Chiemsee dürften die tatsächlichen Einnahmen deutlich höher liegen. Doch weil Wackerbarth den innerkirchlichen Ausgleich zwischen den armen und den reichen Gemeinden richtig findet, legt er seiner Rechnung die Durchschnittszahlen zugrunde.

          Jugendreferentin kann nur durch Spenden finanziert werden

          Wie groß ist der Anteil an den 750.000 Euro, der wieder in die Gemeinde zurückfließt? Der Pfarrer setzt für die beiden Pfarrstellen jeweils 100.000 Euro an, die seinem Arbeitgeber inklusive der erforderlichen Pensionsrückstellungen ungefähr entstehen. Von der Landeskirche erhalte die Kirchengemeinde zudem eine Zuweisung in Höhe von etwa 75.000 Euro. Damit solle das gesamte Gemeindeleben finanziert werden, erklärt Wackerbarth. Macht zusammen 275.000 Euro.

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