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Kirche : Wo Skepsis Raum gewinnt

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Der geborene Kölner Woelki ist mit den Berlinern noch nicht so richtig warm geworden. Bild: dpa

Rainer Kardinal Woelki legte auf dem politischen Parkett Berlins einen vielgelobten Start hin. Die Organisationsreform des Erzbistums fällt ihm schwerer.

          Erst in dieser Woche erfuhr die Öffentlichkeit, dass das überschuldete Land Berlin immer noch den Kirchenaustritt subventioniert. An dem Tag, als nach sechs Jahren Pause der Berliner Senat gemeinsam mit der Bistumsleitung tagte, beschloss die Regierung einen Gesetzesentwurf, der den Kirchenaustritt gebührenpflichtig macht.

          30 Euro werden künftig fällig. Bislang gehörte der Austritt aus der Kirche zu den wenigen Verwaltungsakten, zu denen Berliner Bürger so emphatisch begrüßt und entgegenkommend behandelt wurden, wie sie sich das für ihre übrigen Behördenkontakten nur erträumen können. Nach der gemeinsamen Sitzung zeigten sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Rainer Kardinal Woelki gemeinsam im Bernhard-Lichtenberg-Haus hinter der Hedwigskathedrale.

          “Man kennt sich, man versteht sich“, sagte Wowereit, der Katholik, gutmütig. Er hege keinerlei Groll gegen die katholische Kirche: Schließlich habe sich 2009 in der Kampagne für die Einführung eines Wahlpflichtfachs Religion die protestantische Kirche viel kämpferischer gegen die schließlich erfolgreich umgesetzte Absicht des Senats zur Einführung eines obligatorischen Ethikunterrichts für alle Schüler gewehrt als die katholische. Und was die Kritik an der praktischen Gestaltung des Asylverfahrens angehe, seien sich SPD und katholische Kirche sehr nahe; da liege es am Koalitionspartner CDU, dass die Übereinstimmung nicht noch größer sei.

          Woelki billigt keine Homosexualität

          Rainer Woelki hatte seit 2011 einen spektakulär guten Start als neuer Erzbischof von Berlin. Er kam aus Köln, wurde daher kritisch als Meisner-Schüler und ultrakonservativ beäugt, doch zeigte er von Anfang an, dass er frei aufzutreten verstand. Er bezog nicht die Räume des Bischofs neben der Kathedrale, sondern lebt im Stadtteil Wedding.

          Er besuchte Roma in Neukölln, die dort lange unter elenden Verhältnissen lebten, bis die (katholische) Aachener Wohnungsbaugesellschaft dafür sorgte, dass sie für ihre Miete auch zivilen Wohnraum bekamene. Dass Berlin-Brandenburg noch nicht seine Lieblingsgegend geworden und die zum Teil recht burschikosen Umgangsformen der Einwohner ihm nicht ans Herz wachsen konnten, zeigt Woelki relativ ungeniert.

          Ebenso ungeniert äußerte er sich in Interviews: Nein, er billige Homosexualität nicht, versicherte er auf entsprechende Fragen immer wieder, aber nein, er werde deswegen dem (bekanntlich homosexuellen) Wowereit gewiss nicht den Handschlag verweigern. Auf Fragen nach der Kommunion für Geschiedene wies Woelki knapp darauf hin, ein Priester sei kein Polizist, der jeden erst einmal auf seine Anspruchsberechtigung prüfen müsse. Als Papst Benedikt XVI zurücktrat, kommentierte der inzwischen zum Kardinal ernannte Woelki: Mit dem Amtsverzicht sei das Papstamt „entzaubert“.

          „Wo Glauben Raum gewinnt“

          Umso verblüffter reagierte Woelki, als er auf seinem ureigensten Terrain Widerstand erlebte. In einem Hirtenbrief mit dem Titel „Wo Glauben Raum gewinnt“ kündigte er am 1. Advent 2012 an, dass bis 2020 aus den bisher 105 Pfarrgemeinden im Erzbistum Berlin 30 würden. Das Vorhaben beruhe, anders als die Gemeindefusionen 2003 durch seinen Vorgänger Georg Sterzinsky, nicht auf Finanznot, sondern auf Umsicht: Durch kluge Organisation werde die Kirche auf den demografischen Wandel und den voranschreitenden Priestermangel vorbereitet.

          Die als Modell hingestellte Pfarrgemeinde Reinickendorf Nord vermochte jedoch als „Gemeinde neuen Typs“ bislang nicht recht zu überzeugen. Beim seelsorgerischen Personal produzierte die Fusion dort Überbeanspruchung, Krankheit und Burnout und eben nicht, wie in Aussicht gestellt, Entlastung von Verwaltungsarbeit. Als zwei Pfarrer im März alle Priester des Bistums schriftlich aufforderten, nach Alternativen zu den Großfusionen zu suchen, reagierte Woelki ungehalten, fast beleidigt: Er missbillige das Verfahren von Michael Höhle, Pfarrer von Heilige Familie in Prenzlauer Berg, und Ernst Pulsfort, Pfarrer von St. Laurentius in Mitte, schrieb er den beiden und lud sie zum Gespräch.

          Der Vorsitzende des Diözesanrats, Wolfgang Klose, kündigte an, er werde nach den Sommerferien zu einer Diskussion über Woelkis Pläne einladen. Wie ein Echo auf dessen Motto „Wo Glauben Raum gewinnt“ versprach Klose einen Abend, an dem „auch die Skepsis ihren Ort haben“ dürfe.

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