Home
http://www.faz.net/-gpf-76ed7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Kirche Kardinal Meisner beklagt „Katholikenphobie“

Kardinal Meisner sieht seine Kirche als Opfer gezielter öffentlicher Angriffe. Keine Religion oder Konfession werde so sehr angegriffen wie die katholische Kirche.

© dapd Beklagt einen „Vertrauensverlust“: Der Kölner Kardinal Joachim Meisner

Der Kölner Kardinal Meisner sieht die katholische Kirche als Opfer gezielter öffentlicher Angriffe. „Die Entschiedenheit der katholischen Positionen zum Lebensschutz, zu Ehe und Familie sowie eine deutliche Repräsentanz durch Personen wie den Papst und die Bischöfe polarisieren in der Gesellschaft immer stärker,“ heißt es in einem Brief, den der Erzbischof von Köln unter dem Datum des 5. Februar an „Priester, Diakone und Laien im Pastoralen Dienst“ gerichtet hat. Französische Wissenschaftler, schreibt der Kardinal, sprächen schon von „Katholikenphobie“. Keine Religion oder Konfession werde so sehr angegriffen wie die katholische Kirche.

Daniel Deckers Folgen:

Zugleich bedauert Meisner, dass die die Kirche einen „Vertrauensverlust“ erlebe. Zurückzuführen sei dieser „konkret“ auf die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen zwecks wissenschaftlicher Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Raum der katholischen Kirche sowie die Abweisung einer Frau, die Opfer einer Vergewaltigung geworden war, durch zwei katholische Krankenhäuser.

Der „beschämende Vorgang“ in den beiden Krankenhäusern dürfe sich nicht wiederholen, schreibt Meisner, zumal er sich als Erzbischof mittlerweile „lehramtlich“ zu Fragen der „Pille danach“ geäußert habe. Das Ergebnis seiner Beratung mit Fachleuten sei „keine neue Lehrmeinung, vielmehr die Anwendung unserer bisherigen moraltheologischen Prinzipien auf eine neue Situation, die jetzt durch eine Vielzahl neuer Medikamente gegeben ist, die unter den Begriff ,Pille danach‘ fallen, aber keine abtreibende Wirkung haben, sondern ausschließlich eine Verhinderung der Befruchtung verursachen.“

„Für solche Angriffe keine Gründe liefern“

In diesem Zusammenhang beklagte Meisner, dass die Bereitschaft der Kirche zur Aufklärung und zum Handeln „vielfach“ in Abrede gestellt werde. „Die Häme und die Aggression, mit der uns Teile der Öffentlichkeit - und damit auch der veröffentlichten Meinung - uns begegnen, macht mich sehr betroffen,“ schreib der Kardinal. Um so wichtiger sei, „dass wir für solche Angriffe keine Gründe liefern“.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, äußerte Verständnis für Meisners Kritik. In dessen Vorwurf einer „Katholikenphobie“ sei zwar die Defensive spürbar, doch argumentiere der Kölner Erzbischof differenzierter als der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der erst vor wenigen Tagen eine „Pogromstimmung“ angeprangert hatte. „Immerhin hatte der Kardinal den Mut, Bewegung in die Debatte über die ,Pille danach‘ zu bringen“, sagte Glück der Zeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Das war überraschend und verdient Anerkennung.“ Glück äußerte zudem im ZDF den Wunsch nach einer einheitlichen Haltung der deutschen Bischöfe zur „Pille danach“. Es könne nicht sein, dass es je nach Bistum unterschiedliche Regelungen gebe.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
EKD und Bischofskonferenz Annäherung auf sensiblem Boden

Trotz aller Gegensätze: Die Evangelische Kirche in Deutschland und die katholische Bischofskonferenz wollen den 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 gemeinsam begehen. In einem historischen Gottesdienst zur Versöhnung sollen sich die Gläubigen gegenseitig um Vergebung bitten für frühere Greueltaten. Mehr Von Reinhard Bingener, Hannover und Daniel Deckers, Frankfurt

28.06.2015, 15:49 Uhr | Politik
Jorge Bergoglio Wer ist Papst Franziskus?

Wer ist Papst Franziskus? Jorge Mario Bergoglio ist 76, Argentinier mit italienischen Wurzeln, Jesuit - und in Buenos Aires als Kardinal der Armen beliebt. Der erste Papst aus Amerika spricht Deutsch, er hat in Deutschland studiert. Der bisherige Erzbischof der argentinischen Hauptstadt gilt als gemäßigter Konservativer und Gegner der Homo-Ehe. Umstritten ist unter anderem sein Verhalten während der Militärdiktatur in Argentinien. Mehr

13.03.2015, 10:52 Uhr | Gesellschaft
Demo gegen Gleichberechtigung Wen stört es wirklich?

Amerika, Irland und bald Italien? Die Regierung unter Matteo Renzi will die Gleichstellung homosexueller Paare regeln. Die katholische Kirche mobilisiert nun Gegner des Gesetzes für Großdemonstrationen in Rom. Mehr Von Jörg Bremer, Rom

27.06.2015, 10:55 Uhr | Politik
Philippinen Hunderttausende bejubeln Papst Franziskus

Am zweiten Tag seiner einwöchigen Reise gibt sich das Oberhaupt der katholischen Kirche volksnah und humorvoll. Mehr

17.01.2015, 10:01 Uhr | Politik
Überraschungsangriff in Syrien IS tötet Dutzende Menschen in Kobane

Mindestens 49 Menschen sterben durch einen unerwarteten Überfall von Milizen des Islamischen Staats in Kobane. Die syrische Grenzstadt war Anfang des Jahres nach langen Kämpfen aus der Gewalt des IS befreit worden und schien sicher zu sein. Mehr

25.06.2015, 23:40 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.02.2013, 14:43 Uhr

Flüchtlinge sollten früher arbeiten dürfen

Von Uta Rasche

Wenn mehr Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge ihren Lebensunterhalt selbst verdienten, würde das die Haltung in der Bevölkerung ihnen gegenüber verbessern. Es täte ihnen auch selbst gut. Mehr 1