Home
http://www.faz.net/-gpf-76ed7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 08.02.2013, 14:43 Uhr

Kirche Kardinal Meisner beklagt „Katholikenphobie“

Kardinal Meisner sieht seine Kirche als Opfer gezielter öffentlicher Angriffe. Keine Religion oder Konfession werde so sehr angegriffen wie die katholische Kirche.

© dapd Beklagt einen „Vertrauensverlust“: Der Kölner Kardinal Joachim Meisner

Der Kölner Kardinal Meisner sieht die katholische Kirche als Opfer gezielter öffentlicher Angriffe. „Die Entschiedenheit der katholischen Positionen zum Lebensschutz, zu Ehe und Familie sowie eine deutliche Repräsentanz durch Personen wie den Papst und die Bischöfe polarisieren in der Gesellschaft immer stärker,“ heißt es in einem Brief, den der Erzbischof von Köln unter dem Datum des 5. Februar an „Priester, Diakone und Laien im Pastoralen Dienst“ gerichtet hat. Französische Wissenschaftler, schreibt der Kardinal, sprächen schon von „Katholikenphobie“. Keine Religion oder Konfession werde so sehr angegriffen wie die katholische Kirche.

Daniel Deckers Folgen:

Zugleich bedauert Meisner, dass die die Kirche einen „Vertrauensverlust“ erlebe. Zurückzuführen sei dieser „konkret“ auf die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen zwecks wissenschaftlicher Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Raum der katholischen Kirche sowie die Abweisung einer Frau, die Opfer einer Vergewaltigung geworden war, durch zwei katholische Krankenhäuser.

Der „beschämende Vorgang“ in den beiden Krankenhäusern dürfe sich nicht wiederholen, schreibt Meisner, zumal er sich als Erzbischof mittlerweile „lehramtlich“ zu Fragen der „Pille danach“ geäußert habe. Das Ergebnis seiner Beratung mit Fachleuten sei „keine neue Lehrmeinung, vielmehr die Anwendung unserer bisherigen moraltheologischen Prinzipien auf eine neue Situation, die jetzt durch eine Vielzahl neuer Medikamente gegeben ist, die unter den Begriff ,Pille danach‘ fallen, aber keine abtreibende Wirkung haben, sondern ausschließlich eine Verhinderung der Befruchtung verursachen.“

„Für solche Angriffe keine Gründe liefern“

In diesem Zusammenhang beklagte Meisner, dass die Bereitschaft der Kirche zur Aufklärung und zum Handeln „vielfach“ in Abrede gestellt werde. „Die Häme und die Aggression, mit der uns Teile der Öffentlichkeit - und damit auch der veröffentlichten Meinung - uns begegnen, macht mich sehr betroffen,“ schreib der Kardinal. Um so wichtiger sei, „dass wir für solche Angriffe keine Gründe liefern“.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, äußerte Verständnis für Meisners Kritik. In dessen Vorwurf einer „Katholikenphobie“ sei zwar die Defensive spürbar, doch argumentiere der Kölner Erzbischof differenzierter als der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der erst vor wenigen Tagen eine „Pogromstimmung“ angeprangert hatte. „Immerhin hatte der Kardinal den Mut, Bewegung in die Debatte über die ,Pille danach‘ zu bringen“, sagte Glück der Zeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Das war überraschend und verdient Anerkennung.“ Glück äußerte zudem im ZDF den Wunsch nach einer einheitlichen Haltung der deutschen Bischöfe zur „Pille danach“. Es könne nicht sein, dass es je nach Bistum unterschiedliche Regelungen gebe.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zusammenstoß in Bad Aibling Elftes Todesopfer nach Zugunglück

Zwei Tage nach dem Zugunglück nahe Bad Aibling gibt es ein elftes Todesopfer. Ein Mann erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Zuvor war das zehnte Todesopfer identifiziert worden. Mehr

11.02.2016, 17:27 Uhr | Gesellschaft
71 Jahre danach Gedenken an Auschwitz-Befreiung

Heute vor 71 Jahren, am 27. Januar 1945, hat die Armee der Sowjetunion das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Überlebende sind in Auschwitz zusammen gekommen, um gemeinsam den Schrecken zu verarbeiten. Seit 1996 dient das Datum der Auschwitz-Befreiung allgemein dem Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus. Mehr

28.01.2016, 17:19 Uhr | Politik
Konservative Christen Die Radikalen

Konservative Katholiken und Evangelikale haben endlich eine politische Kraft gefunden, die zu ihnen passt: die AfD. Sie machen Stimmung gegen Flüchtlinge und den Papst. Die neuen Helden heißen Putin und Orbán. Ein Gastbeitrag. Mehr Von Liane Bednarz

01.02.2016, 11:07 Uhr | Politik
Köln Rosenmontagszug unter Einfluss der Silvesternacht

Der Kölner Rosenmontagszug gilt als einer der Höhepunkte im rheinischen Straßenkarneval. Christoph Kuckelkorn, Vizepräsident des Festkomitees Kölner Karneval und Zugleiter präsentierte am Freitag in der Domstadt einige Themen und das Sicherheitskonzept. Mehr

22.01.2016, 18:52 Uhr | Politik
Papst trifft Patriarchen Es ist klar, dass das der Wille Gottes ist

Erstmals seit fast 1000 Jahren treffen sich ein Papst und ein russisch-orthodoxer Patriarch. Der Ort ist ungewöhnlich: Ein Flughafengebäude im sozialistischen Kuba. Die Botschaft klar: Die Christenheit soll in Zeiten von Krieg und Terror zusammenrücken. Mehr

12.02.2016, 21:22 Uhr | Wirtschaft

Der Westen will keinen kalten Krieg

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Es wäre wünschenswert, wenn es zu einem neuen west-östlichen Frühling käme. Und wenn man sich vertrauen könnte. Der russische Ministerpräsident hat in München beteuert, Moskau wolle genau das. Es könnte ja etwas dafür tun. Mehr 14 31