07.02.2008 · Der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Schlagintweit, hat Heide Simonis vorgeworfen, die Organisation erst jetzt zu kritisieren, da sie den Vorstand verlassen habe. Simonis wies das zurück: „Das Problem von Unicef ist auf jeden Fall nicht Simonis.“
Der Vorsitzende von Unicef Deutschland, Reinhard Schlagintweit, hat seiner Vorgängerin Heide Simonis vorgeworfen, Kritik an Schlamperei in der Organisation erst nach ihrem Rücktritt geäußert zu haben. „Die Frau Simonis war zwei Jahre lang Vorsitzende; sie hat nie etwas zu beanstanden gehabt“, sagte er am Donnerstag dem Bayerischen Rundfunk. Erst als die Presse über die Vorwürfe gegen Unicef berichtet habe, sei Simonis auf Distanz gegangen und habe Misstrauen gesät.
Zugleich gestand Schlagintweit ein, dass Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs mit manchen Entscheidungen „sorglos umgegangen“ sei, ohne jedoch damit einen Schaden zu verursachen. Künftig werde seine Organisation aber „noch sorgfältiger“ vorgehen, sagte Schlagintweit.
„Das Problem ist nicht Simonis“
Simonis wies die Vorwürfe zurück. „Das Problem von Unicef ist auf jeden Fall nicht Simonis“, sagte sie der „Frankfurter Rundschau“. Die frühere Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein erhob abermals Vorwürfe gegen Vorstand und Geschäftsführung des Kinderhilfswerks. Dessen Geschäftsführer Garlichs sei zwar sehr engagiert, aber dessen Arbeit sei „vielleicht doch von Sorglosigkeit, Unbekümmertheit, Großzügigkeit und Schlamperei gekennzeichnet“, sagte Simonis. Es mangele Unicef Deutschland an Transparenz. Hohe Summen für Beraterverträge auszugeben, nannte Simonis fragwürdig. „Jetzt sollte sich jedes Vorstandsmitglied fragen, ob es auch persönliche Konsequenzen zieht.“
Simonis sagte außerdem, sie sei verpflichtet gewesen, Akten an die Staatsanwaltschaft weiterzugeben. „Als dann bei uns viele weitere Vorwürfe und Hinweise einliefen, haben wir der Aufforderung der Kripo Folge geleistet und das Material nach Köln geschickt.“
„Es geht deutlich preiswerter“
Auch die katholische Hilfsorganisation Adveniat kritisierte das Finanzgebaren von Unicef Deutschland und forderte Änderungen beim Spendensiegel. „Es geht deutlich preiswerter“, sagte Sprecher Christian Frevel dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Verwaltungs- und Werbungskosten machten bei Adveniat nur 6,2 Prozent aus, bei Unicef Deutschland hingegen 18 Prozent.
Frevel kritisierte, dass das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) unterschiedslos vergeben werde, obwohl das DZI beim Haushaltsgebaren intern drei Stufen unterscheide: „sparsam“ (bis zehn Prozent Verwaltungs- und Werbungskostenanteil), „angemessen“ (bis 20 Prozent) und „satzungsgemäß“ (bis 30 Prozent). „Das heißt, eine Organisation kann von jedem Spendeneuro 30 Cent für Verwaltung und Werbung ausgeben und erhält trotzdem das scheinbar gleiche Siegel wie wir, die wir nur sechs Cent verbrauchen“, sagte Frevel. „Das muss transparenter werden.“
Anders als Unicef zahle Adveniat keine Provisionen an professionelle Spendenwerber, „schon gar nicht abhängig von der Spendenhöhe. Umso mehr haben wir uns über diese Praxis bei Unicef gewundert“, sagte Frevel. „Denn bislang haben wir solche Zahlungen mit dem DZI-Spendensiegel für nicht vereinbar gehalten.“