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Kinderbetreuung Kita-Ausbau: Das Beispiel Frankfurt

Das Bundeskabinett hat Kristina Schröders Zehn-Punkte-Plan für einen schnelleren Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren gebilligt. Doch es fehlt auch immer dringender an Hortplätzen für Schulkinder: Ein Bericht am Beispiel Frankfurts.

© Grimm, Lena Vergrößern Betreuungsplätze an Schulen: Heiß begehrt auch ohne Mittagessen

Das Bundeskabinett hat den Zehn-Punkte-Plan von Bundesfamilienministerin Schröder (CDU)  für einen schnelleren Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren gebilligt. 750.000 Plätze sollen es bis 2013 werden - so war es auf dem Kita-Gipfel 2007 beschlossen worden. Nach internen Erhebungen des Bundesfamilienministeriums fehlen dafür noch 130.000 Plätze. Andere Schätzungen sprechen von bis zu 200.000 fehlenden Betreuungsplätzen.

Susanne Kusicke Folgen:  

Kristina Schröder hat mehrmals darauf hingewiesen, dass die Mittel, die der Bund für den Krippenausbau bereitstellt, nicht oder nur zum Teil von den Ländern abgerufen würden. Derzeit stünden noch 700 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung, davon seien 290 Millionen Euro in den Ländern noch gar nicht verplant, heißt es im Bundesfamilienministerium.

Freie Stellen monatelang unbesetzt

Allerdings sind diese Mittel für Baumaßnahmen bestimmt. Länder und Kommunen sehen sich zum Teil aber vor der viel größeren Schwierigkeit, überhaupt genug Erzieherinnen und Erzieher zu finden oder erst auszubilden - und das liegt nicht zuletzt an der geringen Bezahlung in dieser Berufsgruppe. In manchen Kindertagesstätten bleiben freie Stellen monatelang unbesetzt, weil sich keine geeigneten Bewerber finden.

Daran hat sich auch dadurch nichts geändert, dass der Bund auch die laufenden Betriebskosten neuer Krippen, Krabbelstuben oder Tagespflegeplätze bis 2013 mit 1,85 Milliarden Euro und anschließend jährlich mit 700 Millionen Euro bezuschusst. Frau Schröder will ihren Bericht darum mit einem Zehn-Punkte-Plan begleiten, wie das Ziel einer Betreuungsquote von 35 Prozent für Kinder unter drei Jahren schneller oder überhaupt erreicht werden kann. Nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ sollen unter anderem mehr Anreize für Tagesmütter und Betriebskindergärten gegeben und die Anforderungen an sie „flexibler“ werden.

Zweifelhafter Platzanspruch

Doch die Betreuungssituation ist nicht nur für Kinder unter drei Jahren in vielen Kommunen immer noch - oder immer wieder - schlecht. Planungsfehler der Behörden, große Neubaugebiete oder ungewöhnliche demographische Ausschläge sind Gründe dafür. In Frankfurt beispielsweise steigen die Geburtenraten, während sie in Hessen insgesamt sinken - eine Entwicklung, die auch in anderen Großstädten zu beobachten ist. So können sogar Kindergartenplätze für Kinder zwischen drei und sechs Jahren plötzlich wieder Mangelware sein, obwohl dafür schon seit 1996 ein Rechtsanspruch besteht.

Dieser Anspruch bezieht sich allerdings auf die ganze Kommune: In der Stadt Frankfurt, die nach eigenen Angaben insgesamt zu 93 Prozent mit Kindergartenplätzen versorgt ist, erfahren die verblüfften Eltern beispielsweise im südlichen Stadtteil Schwanheim, dass diesem Anspruch auch mit einem Platzangebot im zentralen Gallusviertel ausreichend entsprochen werden würde - eine halbe Stunde Fahrtzeit inklusive.

„Fassungslose, weinende Eltern“

Noch viel schwieriger wird es, wenn man einen Hortplatz für Kinder ab sechs Jahren sucht. In Frankfurt gibt es ganze Stadtteile, in denen es nicht nur keine Hortplätze für das Schuljahr 2012/2013 mehr gibt, sondern obendrein noch lange Wartelisten bis hinein ins übernächste Schuljahr. Von hundert Meldungen für jährlich vier Plätze ist in einigen Stadtteilen die Rede.

„Jetzt wird zwar viel in die Betreuung für Kinder unter drei Jahren gesteckt, und mit einem Kindergartenplatz sind die Eltern dann für fünf, sechs Jahre versorgt. Und dann kommt das große Loch“, sagt eine Hortleiterin. „Dann sitzen fassungslose, mitunter weinende Eltern vor mir, und ich kann ihnen keinen Platz anbieten. Hier werden Existenzen aufs Spiel gesetzt. Die Eltern fühlen sich von der Stadt allein gelassen.“

Schließzeiten, die den Arbeitszeiten in einer Dienstleistungsmetropole kaum entsprechen, tun ein übriges. So wird ein Umzug in die Bankenstadt am Main zum Vanbanquespiel für die Berufstätigkeit der Eltern - je nachdem, in welchen Stadtteil es sie verschlägt. Sie stehen plötzlich wieder vor der Frage, wer von ihnen zu Hause bleiben soll, um die Kinder zu betreuen.

Betreuung ohne Mittagessen: ausgebucht

„Wir haben eine Schulbetreuung, aber nur bis 14 Uhr und ohne Mittagessen. Allerdings sind für dieses Schuljahr alle Plätze belegt, und wir haben noch eine lange Warteliste“, heißt es beispielsweise in der August-Gräser-Schule, einer Grundschule am südwestlichen Stadtrand. Annähernd wortgleich die Auskünfte in anderen Horteinrichtungen im Stadtteil. Sie haben immerhin bis 17 Uhr geöffnet, sind aber genauso überlastet: „Wir können Ihnen dieses Jahr keine Hoffnung machen, und fürs nächste leider auch nicht“, lautet die schon stereotype Antwort. Dennoch wird den Eltern überall empfohlen, ihre Kinder anzumelden - „um den Bedarf gegenüber der Stadt zu belegen“.

Die Stadt erklärt diese Mangelsituation mit Geldnot im Allgemeinen und dem dem Übergang zur Ganztagsschule, an dem sie derzeit arbeite, im Besonderen: Horte werden nicht mehr ausgebaut, da demnächst mehr Ganztagsschulen eingerichtet und die Betreuungseinrichtungen an den Schulen selbst ausgebaut würden - aus Platzmangel  gern auch in Containern, die man auf den Schulhof stellt.

Die Frankfurter Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) verweist auf eine Hortplatzquote von immerhin 53 Prozent. „Wir arbeiten mit Hochdruck an dem Thema“, sagte Frau Sorge im April auf einer Diskussionsveranstaltung mit größtenteils empörten Eltern - und sie erinnerte daran, dass es keinen Rechtsanspruch auf eine nachschulische Betreuung gebe. Frankfurt stehe mit seinem Hortplatzangebot „an der Spitze der westdeutschen Flächenländer“. Ein Angebot, das dem Bedarf aber offenkundig nicht entspricht: In der Stadt sind inzwischen in mindestens acht Stadtteilen Elterninitiativen entstanden, die sich mit solchen Relativierungsversuchen nicht mehr zufrieden geben wollen.

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Quelle: FAZ.NET

 
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