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Kerry in Berlin : Wiedersehen mit dem radelnden Amerikaner

Berlin-Freund zu Gast: Kerry bei Merkel im Kanzleramt Bild: Matthias Luedecke

Zwischen Vertrautheit und Vorsicht: Amerikas neuer Außenminister John Kerry meidet bei seinem Antrittsbesuch in Berlin konkrete Aussagen.

          Die große Nachricht hatte John Kerry nicht im Gepäck. Vor dem Antrittsbesuch des neuen amerikanischen Außenministers war in Berlin spekuliert worden, er werde ein Datum für die immer noch ausstehende Visite des amerikanischen Präsidenten an der Spree verkünden. Das Thema ist bekanntlich belastet, und das hat zu tun mit Barack Obamas Rede an der Siegessäule im Sommer 2008 und der Weigerung Angela Merkels, den seinerzeitigen Präsidentschaftskandidaten vor dem Brandenburger Tor auftreten zu lassen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Ankündigung also, der Präsident werde nun womöglich im Frühsommer - also vor der Bundestagswahl - in die deutsche Hauptstadt kommen, konnte Kerry am Dienstag nicht machen. Er richtete Angela Merkel indes herzliche Grüße vom Präsidenten aus und bekräftigte den Willen, ein Freihandelsabkommen zwischen Europa und Amerika anzustreben. Das sei gut für Wachstum - auf beiden Seiten des Atlantiks.

          Anstelle einer Nachricht hatte er ein Narrativ dabei: Es handelt von einem zwölfjährigen Amerikaner, der Mitte der fünfziger Jahre durch Berlin radelt, durch den Grunewald, über den Kurfürstendamm und einmal auch ein wenig weiter, durch das Brandenburger Tor, in den Ostsektor der Stadt, wo er sich von den ausgebombten Häusern beeindrucken lässt, die - wie er sich später zu erinnern glaubt - immer noch zu qualmen scheinen. Auch schaut er sich an der Ecke Wilhelm- und Voßstraße an, was vom Führerbunker übrig geblieben war. Wieder zurück beim Vater in Dahlem, erhält der Junge Hausarrest: „Du hättest eine internationale Krise auslösen können“, habe der Vater geschimpft. Dieser war Diplomat und arbeitete als Rechtsberater für das amerikanische Hochkommissariat. Und der Junge war John Kerry, der in jener Zeit immer wieder zu Besuch war in Berlin, aber nicht in der Frontstadt des Kalten Krieges aufwachsen sollte; er besuchte stattdessen ein Internat in der Schweiz.

          Berlin-Besuch : Kerry sieht transatlantisches Freihandelsabkommen als Chance

          Kerry hatte diese Episode kürzlich schon in seiner ersten Grundsatzrede als Secretary of State an der Universität von Virginia erzählt, am Dienstag kommt er immer wieder auf die Zeit zu sprechen, bei der Begegnung mit Berliner Jugendlichen, beim Gespräch mit Außenminister Guido Westerwelle und auch beim Empfang im Kanzleramt. Er habe damals den Unterschied zwischen „Freiheit und Unterdrückung, zwischen Hoffnung und Verzweiflung“ förmlich gespürt. Die Geschichte ist mit zwei Botschaften verbunden: Die Amerikaner hätten sich seinerzeit um die Deutschen gekümmert, sagt der 69 Jahre alte Mann. Und gemeinsam habe man den Kalten Krieg bestritten. Diese Freundschaft präge das Verhältnis beider Länder und beider Völker auch heute noch. Das ist die erste Botschaft. Die zweite: „Boy, what an amazing city!“ Was für eine tolle Stadt! Er sei am Montagabend noch einmal durch das Brandenburger Tor spaziert und habe sich zum ersten Mal das Holocaust-Denkmal angeschaut: „Wie mutig, es dorthin zu bauen.“

          Israel und Russland bewusst nicht auf der Reiseroute

          Um ein wenig mehr von dieser tollen Stadt zu erleben und dem Protokoll der Antrittsbesuche ein wenig von seiner Steifheit zu nehmen, hatte die amerikanische Botschaft gemeinsam mit „Facebook“ eine Begegnung Kerrys mit jungen Deutschen in einer Art Talkshow-Format in der Niederlassung eines Mobilfunkunternehmens organisiert. Ein urbanes Setting, digitale Technik in den Regalen, eine schicke Espresso-Bar an der Wand und ein clownesker Moderator in Turnschuhen - und schon hat man das neue, coole Berlin karikiert. Kerry gibt sich locker, lobt - auf Deutsch - die Besohlung des Moderators („fantastische Schuhe!“) und changiert ansonsten zwischen Vertrautheit und Vorsicht. Es gibt durchdachte und kritische Fragen der Schüler und Studenten.

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