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Katrin Göring-Eckardt Mit langem Atem

Um Katrin Göring-Eckardt war es in den vergangenen Jahren still geworden - wegen anderer Ämter, die die designierte Grünen-Spitzenkandidatin ausübte. Dennoch hat sie die Urwahl - gemeinsam mit Jürgen Trittin - gewonnen.

© dpa Vergrößern Spät ins Rennen gegangen, Konkurrentinnen überholt: Katrin Göring-Eckart ging als zweite Siegerin aus den Bewerberrunden für die Grünen-Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl hervor.

„Das Beste kommt noch“, hat die neue Spitzenkandidatin der Grünen nach ihrem Sieg auf ihrer Internetseite mitgeteilt - das Obama-Zitat verrät etwas vom Selbstbewusstsein der Thüringer Theologin Göring-Eckardt. Seit einigen Jahren war es etwas stiller geworden um sie - eher innerhalb der Partei als außerhalb, doch hatte sie das nicht beabsichtigt. Es lag am Amt der Präses der Evangelischen Kirchensynode, und auch an ihrem parlamentarischen Amt einer Bundestagsvizepräsidentin - eine Funktion, die oft eher als Ausklang einer Karriere gewertet wird.

Johannes Leithäuser Folgen:

Im Falle Katrin Göring-Eckardts jedoch erwies sich der parlamentarische Posten eher als ein Überwinterungsplatz. Sie hatte mit Ehrgeiz und mitunter auch mit dem Alleinstellungsmerkmal einer ostdeutschen Frau schon weitaus früher in ihrer politischen Laufbahn Karrierepositionen erreicht, war in den Jahren der rot-grünen Koalition parlamentarische Fraktionsgeschäftsführerin, anschließend von 2002 bis 2005 Fraktionsvorsitzende geworden.

Anfänge in der DDR-Opposition

Ihre politischen Anfänge liegen in der kirchennahen ostdeutschen Oppositionsbewegung. Frau Göring-Eckardt gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Bürgerbewegungs-Gruppierungen „Demokratischer Aufbruch“ und „Demokratie Jetzt“ - zu den Mitgliedern der erstgenannten Sammelbewegung zählte seinerzeit in Berlin auch eine Physikerin namens Angela Merkel. Und wie im Falle Frau Merkels war das Engagement Göring-Eckardts in der „Wende“ der DDR nicht bloß von kirchlichen, sondern auch von bürgerlichen Wurzeln ermutigt. Das Zuhause der künftigen Grünen war die Familie eines Tanzlehrers - ein Milieu, das seinen Kindern aufrechten Gang nicht nur im übertragenen Sinne, sondern buchstäblich anhand einer gestreckten Wirbelsäule vermittelte.

In der Grünen-Partei, in die Frau Göring-Eckardt 1994 über die Assoziation mit Bündnis 90, ihrer damaligen politischen Heimat, gelangte, galt sie sogleich als „Reala“. Sie sammelte in Bonn erste politische Erfahrungen als Mitarbeiterin des baden-württembergischen Abgeordneten Berninger, der später unter Schröder Minister im Bundeskanzleramt wurde - so knüpfte sie damals Kontakte in das liberal-pragmatische Lager der Grünen im Südwesten, aus dem sie jetzt die deutlichste Unterstützung erfuhr.

Eigene Chancen unterschätzt

Frau Göring-Eckardts Bewerbung um die Spitzenkandidatur wirkte zögerlicher als die Ambitionen ihrer Wettbewerberinnen Künast und Roth - das lag auch daran, dass sie selbst ihre Chancen nicht allzu hoch einschätzte. In dem zwei Monate währenden Wahlkampf warb sie weder ausdrücklich mit ihrer ostdeutschen Herkunft oder ihrer innerparteilichen Heimat auf dem „realpolitischen“ Flügel: eher ließ sie kokett ironisch durchblicken, dass sie im Alter von Mitte 40 doch ein ganzes Jahrzehnt jünger sei als ihre bekannten Mitbewerber.

In den nächsten Monaten wird ihr dieser Umstand womöglich stillen Trost spenden: immer dann, wenn ihr Spitzenkandidatenpartner Trittin das Duo zu dominieren sucht, wird sie sich bewusst machen können, dass sie über den längeren politischen Atem verfügt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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