Papst Benedikt XVI. hat am Montag den Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, zum Präfekten der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre ernannt. Der akademische Schüler des Mainzer Kardinals Lehmann und vormalige Professor für Dogmatik an der Universität München tritt im Herbst die Stelle des amerikanischen Kardinals William Levada an, der das neben dem Amt des Kardinalstaatssekretärs höchste Amt in der römischen Kurie seit dem Jahr 2005 innegehabt hatte.
Vor seiner Wahl zum Papst war Joseph Kardinal Ratzinger selbst annähernd ein Vierteljahrhundert Präfekt der Glaubenskongregation und einer der engsten Vertrauten von Papst Johannes Paul II. gewesen. Der Kongregation obliegt seit dem 16. Jahrhundert die Aufgabe, die Glaubens- und Sittenlehre der Kirche zu fördern und vor Irrlehren zu schützen. Sie besteht aus 23 Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen aus 17 verschiedenen Nationen. Ihnen arbeiten 47 Mitarbeiter und 28 Berater („Konsultoren“) zu.
Bischof Müller gehörte der Glaubenskongregation, der seit 2001 auch die Ahndung sexueller Übergriffe von Geistlichen auf Kinder und Schutzbefohlene obliegt, schon seit dem Jahr 2007 an. In Rom hieß es am Montag, mit der Ernennung Müllers stärke der Papst die deutsche Theologie und setze einen Akzent gegen die mehrheitlich italienisch geprägte Kurie.
Joseph Ratzinger hatte aus seiner theologischen und menschlichen Wertschätzung des gebürtigen Mainzers nie ein Hehl gemacht: Als Kurienkardinal berief er ihn in die der Glaubenskongregation zugeordneten Internationalen Theologenkommission und beförderte vor zehn Jahren seine Ernennung zum Bischof von Regensburg. Als Papst wollte er ihn lange Zeit als Nachfolger Kardinal Wetters in München installieren und betraute ihn mit der Herausgeberschaft seiner Gesammelten Werke.
Zu der Festschrift, die aus Anlass des 60. Geburtstags Müllers im Jahr 2008 erschien, verfasste Benedikt XVI. ein Grußwort. Darin rühmte der Papst Müllers „immer zuverlässiges Urteil“ und reihte sich ein in die Schar derer, die „immer Deine überragende Kenntnis der ganzen Geschichte von Dogma und Theologie bewundert“ hätten
„Präziser theologischer Sachverstand“
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Zollitsch, gratulierte Müller „ zu dieser besonderen Auszeichnung und zum Vertrauen, das die Übertragung des neuen Amtes zum Ausdruck bringt“.
Zollitsch beschrieb Müller, der bei nächster Gelegenheit mit der Kardinalswürde ausgezeichnet wird, als Mann mit „präzisen theologischen Sachverstand“. Das Wirken Müllers an der Spitze der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz beschrieb Zollitsch mit den Worten „Erfolg“ und „hohe Sensibilität“. Müller habe „wesentlich“ zum theologischen Austausch mit den Kirchen der Reformation und der Orthodoxie in Deutschland beigetragen.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Schneider, dankte Müller für die „intensive und konstruktive Zusammenarbeit“ im Kontaktgesprächskreis von EKD und Bischofskonferenz, „insbesondere auch für die kontroverstheologischen Gedanken und Anstöße“. Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Braunschweigs Bischof Weber, dankte Müller in einem Brief für offenen und ehrlichen Austausch, „auch wenn ich natürlich nicht immer alle Deine Positionen teilen kann“. Weber wünschte Müller Weisheit in den Verhandlungen mit der Piusbruderschaft, für die er künftig zuständig sei. Weber hob hervor, dass Müller in dieser Angelegenheit „von Anfang an in dankenswerter Weise sehr klar Position bezogen habe.“ Der bayerische Ministerpräsident Seehofer sagte, der Vatikan werde mit Müller noch ein Stück bayerischer.
Slowakischer Erzbischof abberufen
In der Slowakei herrscht Rätselraten über die Hintergründe der plötzlichen Abberufung des 52 Jahre alten Erzbischofs Róbert Bezák von der Spitze der Erzdiözese Tyrnau (Trnava) durch Papst Benedikt XVI., die am Montag im „Osservatore Romano“ veröffentlicht wurde. Bezák hatte am Sonntag während des Gottesdienstes einen Brief des Apostolischen Nuntius Giordana verlesen, in dem ihn dieser um seinen Rücktritt bat. Gründe für diesen Schritt wurden in Rom nicht bekanntgegeben. Auch die slowakische Bischofskonferenz enthielt sich zunächst einer Stellungnahme.
Bezák hatte die Erzdiözese Tyrnau erst vor drei Jahren übernommen. Sein Vorgänger, Erzbischof Ján Sokol, hatte sich öffentlich zu dem Priester Jozef Tiso bekannt, dem Diktator des slowakischen Marionettenstaates während des Zweiten Weltkrieges. Der neue Erzbischof setzte sich für eine Distanzierung der Kirche von der Geschichte des politischen Katholizismus in der Slowakei ein. Wenige Monate nach seiner Einsetzung warf Bezák dem Alterzbischof in einem Bericht nach Rom zudem vor, während seiner Amtszeit Gelder veruntreut zu haben. Sokol wies den Vorwurf zurück.
Der Vatikan ordnete daraufhin eine Untersuchung an, deren Ergebnisse noch nicht veröffentlich wurden. Der frühere slowakische Parlamentspräsident František Mikloško, der dem konservativen Flügel des slowakischen Katholizismus zugerechnet wird, äußerte die Vermutung, die Abberufung könnte „irgendwie“ mit der „Vatileaks“-Affäre und den Vorkommnissen rund um die Vatikan-Bank zusammenhängen