http://www.faz.net/-gpf-8vqc4

Gemeinsame Erklärung : Bischöfe: AfD nicht mit christlichem Glauben vereinbar

  • Aktualisiert am

Nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, positioniert sich deutlich gegen die AfD. Bild: dpa

Mit klaren Worten haben sich die katholischen Bischöfe zur AfD geäußert – und erklärt, warum die Partei ihrer Meinung nach nicht wählbar ist.

          Programmatik und Vorgehen der AfD sind nach Ansicht der katholischen Bischöfe in Deutschland nicht mit christlichen Werten vereinbar. „Wir distanzieren uns klar vom populistischen Vorgehen und vielen inhaltlichen Haltungen der Partei,“ sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Donnerstag zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Bergisch Gladbach. Thema der viertägigen Versammlung war auch der Priestermangel. Die Lockerung des Zölibats sei dafür keine Lösung, sagte Marx.

          Marx betonte, die Bischöfe wollten keine Wahlempfehlung geben und auch die AfD nicht stigmatisieren. Aber es gebe für Christen rote Linien bei der Wahl einer Partei: Inakzeptabel seien pauschale Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Verunglimpfung anderer Religionsgemeinschaften, Hass und Gleichgültigkeit gegenüber den Armen. Ein politisches Agieren, dass Ängste vor Überfremdung schüre und einseitig nationale Interessen betone, sei mit der christlichen Perspektive nicht vereinbar.

          Thema der Frühjahrsvollversammlung war auch die Frage nach der künftigen Lebensweise von Priestern und die pastorale Situation in den Gemeinden. Marx sagte, die Bischöfe seien angesichts der sinkenden Zahl von Priestern einhellig der Meinung gewesen, dass es so nicht weitergehen könne. „Aber die Zukunft des priesterlichen Dienstes ist nicht nur eine Frage des Zölibats.“ Es gehe vielmehr um die Frage, eine neue Plausibilität für die ehelose Lebensform zu finden. Auch innerhalb der Kirche werde die nicht immer gesehen.

          Keine Lockerung des Zölibats

          Marx relativierte die in dieser Woche von Papst Franziskus in einem Interview mit der „Zeit“ erneut angestoßenen Überlegungen zu Lockerungen beim Zölibat. Der Papst habe damit nur besondere Ausnahmefälle im Blick gehabt, wie etwa die mögliche Zulassung verheirateter Diakone zum Priesteramt in abgelegenen Gemeinden, die mangels eines Priesters nur äußerst selten die heilige Messe feiern könnten. Man dürfe mit der Frage nicht leichtfertig umgehen, sagte Marx. Änderungen am Gebot der Ehelosigkeit wären „ein gravierender Einschnitt in die Geschichte und Spiritualität der Kirche.“

          Darüber hinaus würden die pastoralen Probleme nicht einfach durch eine höhere Zahl von Priestern gelöst, sagte Marx. „Wir dürfen nicht nur isoliert auf die Priester schauen.“ Es müssten neue Formen der Zusammenarbeit von Ehren- und Hauptamtlichen in der Kirche gefunden werden.

          Die Bischöfe beschlossen außerdem, für konfessionsverschiedene Ehepartner Kriterien für die gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie zu erarbeiten. Das Thema liege schon seit Anfang des Jahrhunderts auf dem Tisch, sagte Marx. Allerdings hätten die Bischöfe zunächst auf eine Weisung aus Rom gewartet. Da diese nicht gekommen sei, werde man sich der Frage nun annehmen. Laut Kirchenrecht liege es bei den Bischofskonferenzen, diese Problematik zu lösen.

          Im Hinblick auf die Ökumene, die ebenfalls Thema der Frühjahrsversammlung war, habe es positive Impulse gegeben, sagte Marx. Er hob die gemeinsame Reise von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Papst im vergangenen Oktober hervor. Die Eröffnung des Reformationsjahres habe das Thema des christlichen Glaubens in der Gesellschaft nach vorne gebracht. „Uns geht es darum, in der Hinwendung zu Christus die frohe Botschaft gemeinsam zu verkünden.

          Bundestagswahl : AfD will „kriminelle Migranten“ ausbürgern

          Weitere Themen

          Die EU wartet auf Deutschland Video-Seite öffnen

          Ungeduld : Die EU wartet auf Deutschland

          In der Europäischen Union beobachtet man ungeduldig und verwundert die komplizierte Regierungsbildung in Berlin. Denn ohne die starke Stimme Deutschlands ist die EU nicht handlungsfähig.

          Topmeldungen

          Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte fordert von Bayer, Warnhinweise zu Iberogast zu veröffentlichen.

          Magenmittel : Verschweigt Bayer Risiken von Iberogast?

          Das beliebte Präparat könnte Nebenwirkungen haben, die nicht auf dem Beipackzettel stehen. Ändern will der Hersteller das nicht. Die Grünen wittern einen Skandal.

          Bundestagsdebatte über Yücel : Özdemir rechnet mit AfD ab

          Die AfD wollte den deutsch-türkischen Journalisten Yücel vom Bundestag für zwei umstrittene Texte maßregeln lassen. Der ehemalige Grünen-Vorsitzende wirft den Rechtspopulisten vor, wie der türkische Präsident Erdogan zu denken.

          Europa : Polen warnt Merkel vor „echter politischer Krise“

          Kurz vor dem EU-Gipfel eskaliert der Streit zwischen Polen und Deutschland. Der polnische Europaminister Szymanski sperrt sich gegen Merkels Forderung, EU-Gelder an die Aufnahme von Flüchtlingen zu knüpfen.

          Fliegerbombe entschärft : Kartoffelsuppe in der Geisterstadt

          Die Fliegerbombe am Gallus ist erfolgreich entschärft worden. Viele Bewohner werden die Nacht dennoch nicht so schnell vergessen. Streifzug durch ein Viertel im Ausnahmezustand

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.