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Katholikentag : Friedrich: Christliches Wertesystem gewinnt an Bedeutung

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Zurück in die Zukunft: Kapuzinermönch Bruder Paulus Terwitte vom Frankfurter Kapuzinerkloster Liebfrauen auf dem Katholikentag Bild: dpa

Nach Ansicht von Bundesinnenminister Friedrich wird das christlich geprägte Wertesystrem global an Bedeutung gewinnen. Das sagte er auf dem Katholikentag in Mannheim. Prominente Katholiken und Reformgruppen übten dort massive Kritik an den Bischöfen.

          Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist überzeugt, dass das christlich geprägte Wertesystem in der ganzen Welt an Bedeutung gewinnen wird. Unter anderem der Arabische Frühling habe gezeigt, dass junge Menschen nach Werten wie Freiheit und Verantwortung, Meinungsfreiheit und Nächstenliebe rufen. „Die Werte des Abendlands haben Hochkonjunktur, und wir müssen nicht Angst um sie haben“, sagte der Minister am Samstag beim Katholikentag in Mannheim.

          Zum Abschluss des 98. Katholikentags zogen die Veranstalter eine überwiegend positive Bilanz und hoffen auf Impulse bei der Suche nach Auswegen aus der Kirchenkrise. „Wir haben eine lebendige, glaubensstarke und vitale Kirche erlebt“, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, am Samstag. Allerdings sei bei vielen der 80.000 Besucher auch Unruhe und Spannung deutlich geworden, wie es mit ihrer Kirche weitergeht.

          Prominente Katholiken und Reformgruppen übten massive Kritik an den Bischöfen und erhielten Unterstützung von Protestanten. Vereinzelt sei Erzbischof Robert Zollitsch ausgebuht worden, sagte Christian Weisner von der Initiative „Wir sind Kirche“. „Das ist ein dramatisches Zeichen und macht deutlich, dass der Reformdruck sehr, sehr groß ist.“ Das fünftägige Laienforum geht am Sonntag mit einem Open-Air-Gottesdienst zu Ende, zu dem auch Bundespräsident Joachim Gauck erwartet wird. Ein wichtiges Anliegen seien Lösungen für wiederverheirate Menschen und Paare unterschiedlicher Konfession, die derzeit nicht an der Eucharistie teilnehmen dürfen, sagte Glück. „Es wird erwartet, dass alle vorhandenen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden. Vieles kann und muss man jetzt lösen.“ Und: „Es besteht der dringende Wunsch, Fragen der Sexualmoral endlich offener anzugehen.“

          „Wir habe eine Krise der Kirchenleitung“

          Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hielt den Oberhirten mangelnde Dialogbereitschaft vor. „Streit und Kritik sind kein Ausdruck von Illoyalität, sondern von Besorgnis um wichtige Fragen“, sagte Kretschmann. Es könne nicht sein, dass Bischöfe wie Franz-Josef Overbeck aus Essen es als „wenig förderlich“ bezeichneten, dass die Laien erneut über strittige Themen wie das Diakonat der Frau sprechen wollten. Zugleich rief der Katholik Kretschmann die Laien zur Kompromissbereitschaft auf. Schüller attestierte der Kirchenführung Reformunfähigkeit. „Wir haben keine Glaubenskrise und wir haben auch keine Kirchenkrise. Wir habe eine Krise der Kirchenleitung“, sagte er beim Alternativprogramm des Katholikentags. „Grundrechte für Getaufte“ gebe es nicht, sie seien aber Voraussetzung für Gespräche auf Augenhöhe. „Im Moment ist der Dialog ein Gnadenakt von einer Seite, der jederzeit unterbrochen werden kann.“

          Schüller ist Kopf einer Pfarrerinitiative, die sich vor dem Hintergrund zunehmenden Priestermangels etwa für die Öffnung des Amtes für Verheiratete und Frauen einsetzt. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, lobte die Atmosphäre des Katholikentags, der unter dem Motto „Einen neuen Aufbruch wagen“ stand. „Der Aufbruch besteht darin, dass wir auch bei schwierigen Themen einander zugehört haben.“ Zollitsch zeigte Verständnis für die Ungeduld vieler Gläubiger, dämpfte aber Hoffnungen auf rasche Änderungen.

          Der im Vorjahr angestoßene Dialogprozess der Kirche dauere bis 2015. Er nehme aus Mannheim „eine ganze Fülle von Ideen“ mit, sagte der Freiburger Erzbischof. Der badische evangelische Landesbischof Ulrich Fischer warf der katholischen Kirche vor, beim Umgang mit Frauen gegen die Botschaft der Bibel zu verstoßen. „Eine Kirche, die für sich in Anspruch nimmt, sich in Lehre und Ordnung an den biblischen Texten zu orientieren, kann jedenfalls nicht auf Dauer Frauen von allen Ämtern der Kirche ausschließen.“

          Jesus habe sich Männern und Frauen ohne jeden Unterschied zugewandt. Das fünftägige Laienforum diskutierte auch gesellschaftliche Themen, war aber geprägt von der tiefen Krise in der katholischen Kirche. Viele Gläubige forderten auf den Veranstaltungen Reformen. Andere nutzten den Katholikentag, um Gemeinschaft zu erleben. Bei frühsommerlichen Temperaturen flanierten am Samstag Zehntausende durch die Stadt, erlebten Konzerte oder informierten sich auf der Kirchenmeile über die Arbeit von Verbänden und Initiativen.

          In der Debatte über Veränderungen berufen sich viele Katholiken auf das Zweite Vatikanische Konzil von 1962 bis 1965, mit dem wichtige Reformen und eine Modernisierung der katholischen Kirche angestoßen worden waren. So wird der Gottesdienst seither überwiegend in den Landessprachen statt auf Latein gehalten, Priester feiern die Messe nicht mehr mit dem Rücken zum Kirchenvolk. Der Katholikentag widmete dem 50-jährigen Konzilsjubiläum eine Gala. Dort wies der frühere CDU-Politiker und ZdK-Präsident Bernhard Vogel darauf hin, dass etliche Konzilsbeschlüsse gerade im Hinblick auf die Laien bis heute nicht umgesetzt seien.

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