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Karlsruhe : CDU verliert die nächste Großstadt

Frank Mentrup Bild: dpa

In Karlsruhe, der drittgrößten Stadt Baden-Württembergs, hat der Kandidat von SPD und Grünen die Oberbürgermeisterwahl gewonnen. Die CDU stellt nun in keiner Großstadt im Südwesten mehr den Bürgermeister.

          Der 48 Jahre alte Sozialdemokrat Frank Mentrup wird neuer Oberbürgermeister von Karlsruhe. Der derzeitige Staatssekretär im baden-württembergischen Kultusministerium bekam im ersten Wahlgang 55 Prozent der Wählerstimmen. Auch die Grünen hatten ihn unterstützt. Ingo Wellenreuther (CDU) musste mit 35 Prozent massive Verluste hinnehmen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Eigentlich war mit einem Kopf-Kopf-Rennen und einer Entscheidung erst im zweiten Wahlgang gerechnet worden. Doch Mentrup erreichte schon im ersten Wahlgang vor allem in den Innenstadtbezirken deutlich mehr als 60 Prozent. 42 Jahre regierten Oberbürgermeister der CDU im Karlsruher Rathaus. Mit dieser Niederlage stellt die CDU in keiner baden-württembergischen Großstadt mehr das Stadtoberhaupt. Im Gemeinderat fehlt CDU und FDP seit 2009 eine Mehrheit.

          Erdrutschartige Verluste für CDU

          Weder die FDP noch der amtierende Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU) hatten Wellenreuther im Wahlkampf unterstützt. Außerdem war dem CDU-Kandidaten vorgeworfen zu haben, zur Mehrung seines innerparteilichen Einflusses gezielt Mitglieder des Fußballclubs KSC für seine Partei geworben zu haben. Wellenreuther ist auch Präsident des Drittligavereins KSC.

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          Der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid sagte, das Ergebnis sei „der Hammer“. Der SPD-Kandidat erreichte vor allem in den Innenstadtbezirken Karlsruhes mit einer eher studentischen, jungakademischen und urbanen Wählerschaft überdurchschnittlich gute Ergebnisse.

          Die CDU musste erdrutschartige Verluste hinnehmen, obwohl Wellenreuther durch seine Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter und als CDU-Kreisvorsitzender in der Stadt ziemlich bekannt ist. Wellenreuther scheiterte offenbar an der Zerstrittenheit der CDU, die ihn nicht geschlossen unterstützte, und an seinen geringen Sympathiewerten. 

          Mentrup war von 1994 bis 2007 immer Mitglied des Mannheimer Gemeinderats. Er wird in der SPD eher dem linken Flügel zugerechnet. Obwohl er dem Landtag erst seit 2006 angehörte, wurde ihm während der Bildung der grün-roten Koalition im Frühjahr 2011 durchaus zugetraut, Kultusminister zu werden. Der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid entschied sich aber für die frühere Mannheimer Bildungsbürgermeisterin Gabriele Warminski-Leitheußer. Mentrup ist Psychiater von Beruf. Bis 2011 arbeitete der SPD-Mann als Assistenzarzt an der Karlsruher Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Er zog mit den Schlagworten „Zuhören, verbinden und gestalten“ in den OB-Wahlkampf und will nun im Rathaus einen neuen Politikstil etablieren.

          Quelle: F.A.Z.

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