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Karl-Theodor zu Guttenberg Selbstbewusst, bescheiden, vielsprachig

09.02.2009 ·  Auf Erfahrung folgt Talent. Natürlich fehlen dem künftigen Bundeswirtschaftsminister die Erfahrung, die sein Vorgänger Glos ihm voraushatte. Doch Karl-Theodor zu Guttenberg hat aus der Tradition seiner Familie heraus ganz eigene Qualitäten entwickelt.

Von Georg Paul Hefty
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Auf Erfahrung folgt Talent. Natürlich fehlen dem neuen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die drei Jahrzehnte zwischenmenschlicher, wirtschaftlicher und parlamentarischer Erfahrung, die sein Vorgänger Glos ihm voraushatte.

Aber der am 5. Dezember 1971 in München geborene Freiherr bringt neben sieben Jahren Bundestagsschulung und etlichen Jahren CSU-Stählung den Namen und die Erziehung einer bedeutenden Familie mit sich. Diese wurde vor 951 Jahren zum erstenmal urkundlich erwähnt, schlug sich durch die ganze fränkische Geschichte und brachte auch in neuerer Zeit eindrucksvolle Personen hervor: Karl-Ludwig, der 1945 als Widerstandskämpfer gegen die Hitler-Diktatur hingerichtet wurde, Karl-Theodor, den Großvater des designierten Bundesministers, der die Große Koalition von 1966 in die Wege leitete und dann Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundeskanzler war, oder den Dirigenten Enoch zu Guttenberg, den Vater des Ministerkandidaten.

Ein Unternehmer

Vieles, was der bisherige CSU-Generalsekretär als Befähigungsnachweis für das Staatsamt aufzuweisen hat, wurzelt in seiner Familie. Wer sich über Jahrhunderte halten und dann noch ein gewisses Vermögen vorweisen kann, versteht überdurchschnittlich viel von Wirtschaft.

Guttenberg war seit 1994 in der Leitung des Familienbetriebes tätig, schließlich als Geschäftsführender Gesellschafter. Der junge Jurist hat auch schon etliche Jahre als Mitglied des Aufsichtsrates einer aufstrebenden Aktiengesellschaft im Krankenhauswesen aufzubieten; die wirtschaftliche Seite der vom katholischen Adel traditionell betriebenen Krankenpflege gehört seit langem zu den Interessen der Guttenbergs.

Selbstbewusste Bescheidenheit

Der künftige Wirtschaftsminister zählt also nicht zur Sparte der Angestellten, sondern der Unternehmer. Dies prägt seine Stellungnahmen. Die Soziale Marktwirtschaft ist für ihn „nicht nur ein Mittelding“ zwischen Sozialismus und Kapitalismus, sondern ein Wert an sich. Wer will, kann darin eine Spitze gegen die Bundeskanzlerin Merkel sehen, die vor Jahren die „Neue Soziale Marktwirtschaft“ zu schaffen versuchte und jüngst die ehrwürdige Soziale Marktwirtschaft als „Dritten Weg“ anpries.

Die naheliegende Frage, wie der bisherige Außenpolitiker der CSU so einfach auf die Wirtschaftspolitik umsatteln kann, hat Guttenberg bei seiner Vorstellung beantwortet: Gerade auf seinem bisherigen Feld habe er viel über weltwirtschaftliche Zusammenhänge lernen „dürfen“. Diese selbstbewusste Bescheidenheit, die er den erlauchten Zuhörern auch in unterschiedlichen Sprachen vermitteln kann, gehört zu den Mitbringseln des jüngsten Kabinettsmitglieds. Da werden manche Ältere ihre Freude daran haben.

Der mit einer Gräfin von Bismarck-Schönhausen verheiratete Guttenberg ist sich nie zu schade, seinen Namen und seine Arbeitskraft für seine Ziele einzusetzen. Wer wissen will, worauf sich seine Konkurrenten gefasst machen müssen, sollte das Lehrstück von der Erlangung des CSU-Bezirksvorsitzes in Oberfranken studieren.

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