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Kardinal Meisner in der Kritik „Verstörend“ und „erschreckend“

15.09.2007 ·  Die Verwendung des Begriffs „entartet“ in Zusammenhang mit Kultur hat dem Kölner Kardinal Meisner heftige Kritik eingebracht. Wer Begriffe aus dem Nazi-Jargon verwende, „schürt ein gefährliches Feuer“, hieß es. Meisner verteidigte sich gegen die Vorwürfe.

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Mit seinen Äußerungen über „entartete“ Kultur hat der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner Empörung bei Politikern und Künstlern ausgelöst. Der Kölner Künstler Gerhard Richter warf dem Kardinal eine „schlimme Entgleisung“ vor, nachdem Meisner das der Nazi-Terminologie entlehnte Wort „entartet“ bei einer Museumseröffnung in Köln verwendet hatte. Nordrhein-Westfalens früherer Kulturminister Michael Vesper (Die Grünen) warnte Meisner davor, ein „gefährliches Feuer“ zu schüren. Zuvor hatte schon der Düsseldorfer Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff die Wortwahl von Meisner als „erschreckend“ bezeichnet.

Kardinal Meisner hatte am Freitag in seiner Festpredigt zur Eröffnung des neuen Kölner Diözesanmuseums die Auffassung vertreten, es gebe einen „unaufgebbaren Zusammenhang zwischen Kultur und Kult“. „Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte“, sagte der Kardinal im Rahmen der Eröffnung des Kunstmuseums Kolumba des Erzbistums Köln. Im „Domradio“ hatte Meisner anschließend seine Wortwahl verteidigt. Er habe „nur ganz schlicht damit sagen“ wollen, dass, „wenn man Kunst und Kultur auseinander bringt“, beides Schaden erleide.

Giordano: Dieses Wort nicht gebrauchen

Dagegen betonte Richter, der zu den international bekanntesten deutschen Künstlern gehört: „Zwar kann uns der Hitler nicht alle Wörter verbieten. Aber das Wort ,Entartung' im Zusammenhang mit Kunst zu benutzen, wie es Kardinal Meisner jetzt getan hat, das ist eine schlimme Entgleisung.“ Zur Kritik von Meisner an dem jüngst enthüllten Glasfenster, das Richter für das Südquerhaus des Kölner Doms geschaffen hatte, sagte Richter: „Ach, das ist doch normal, dass es bei einem Kunstwerk Gegenstimmen gibt.“ Er habe ja „schließlich auch kein katholisches Fenster geschaffen“. Meisner hatte kritisiert, das aus mehr als 11.000 Glasscheibchen zusammengesetzte Fenster von Richter passe eher in eine Moschee oder in ein Gebetshaus als in eine katholische Kirche.

Der Schriftsteller Ralph Giordano gestand dem Kardinal zu, er habe sicher keinen positiven Bezug zum Nationalsozialismus herstellen wollen. „Aber geistig wabert aus dieser Zeit immer noch etwas herüber, und es wäre besser gewesen, wenn Kardinal Meisner dieses Wort nicht gebraucht hätte“, sagte
Giordano im Westdeutschen Rundfunk. Die Äußerungen seien „verstörend“ und offenbarten ein mangelndes Geschichtsbewusstsein.

„Ausgerechnet ein katholischer Würdenträger“

Vesper zeigte sich im „Express“ vom Samstag „erschrocken darüber, dass der Begriff ,entartet' noch verwendet“ werde. „Ich dachte, dass das in Deutschland Geschichte sei“, sagte der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident in Düsseldorf. „Und ausgerechnet ein hoher katholischer Würdenträger greift das auf.“ Kunst sei frei und dürfe „von niemandem vereinnahmt werden“. „Wer, wie Kardinal Meisner, bereit ist, Kunst, die nicht in die eigene Denk-Schublade passt, auszusortieren, sie an den Pranger zu stellen, der schürt ein gefährliches Feuer.“ Auch Grosse-Brockhoff kritisierte die Wortwahl Meisners im „Kölner Stadt-Anzeiger“ heftig. Sie zeige, dass der Kardinal „keinerlei Zugang zu Kunst und Kultur hat“.

Als „entartete Kunst“ galten in der Nazizeit alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die mit dem Kunstverständnis und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten nicht im Einklang standen. Dies betraf unter anderem Werke von Expressionisten. 1937 wurde in München die Ausstellung „Entartete Kunst“ eröffnet. Sie zeigte 650 beschlagnahmte Kunstwerke aus 32 deutschen Museen.

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