Home
http://www.faz.net/-gpg-74i2b
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Kanzlerkandidat Steinbrück offline

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück verliert seinen Berater für Online-Aktivitäten. Denn Roman Koidl soll Berater für zwei Hedge Fonds gewesen sein. Ein „Fehlgriff“, heißt es nun in der Partei-Zentrale.

© dpa Vergrößern Der Österreicher Roman Maria Koidl ist Autor und Berater - er sollte Steinbrück bei dessen Online-Kampagne unterstützen

Es gibt eine ziemlich derbe, gleichwohl ziemlich wahre Fußballerweisheit, deren Richtigkeit sich nicht auf den Rasen beschränkt: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“ Dieser Tage macht Peer Steinbrück die Erfahrung, egal in welche Richtung er sich bewegt, immer folgt ihm dieser ungute Geruch. Da muss sich der Kanzlerkandidat der SPD seit Wochen wegen seiner Leistungsbilanz als Dagobert Duck der freien Rede in einen peinlichen Abwehrkampf begeben, dringt mit keinem Thema mehr durch - und nun hat er auch noch den Berater mit der kürzesten Dienstzeit vorzuweisen.

Majid Sattar Folgen:  

Am Wochenende zeigte sich Steinbrück noch auf dem Juso-Bundeskongress in Magdeburg zuversichtlich, er werde die Fehler von 2009, als es zwischen dem Willy-Brandt-Haus und dem Wahlkampfteam des damaligen Kandidaten Frank-Walter Steinmeier hakte, nicht wiederholen.

„Falsche und ehrverletzende Berichterstattung“

Am Mittwoch befand er sich dann selbst inmitten der Hakeleien zwischen dem Team Steinbrück und der Parteizentrale. Gerade hatte ein österreichischer Berater namens Roman Maria Koidl ein Büro in der SPD-Zentrale bezogen, um fortan die Online-Aktivitäten des Kandidaten zu koordinieren, da musste der 45 Jahre Multifunktions-Consultant wieder seine Kiste packen. „Ich kann nicht vertreten, dass falsche und ehrverletzende Berichterstattung gegen mich eingesetzt wird, die darauf zielt, den Kandidaten Peer Steinbrück zu beschädigen“, teilte Koidl mit.

Noch bevor der Vertrag unterzeichnet wurde, war der Berater wieder fort - ein bisschen, so ist zu hören, musste bei der Erkenntnis nachgeholfen werden, schließlich hatte er zuvor noch mitgeteilt: „Kanzlerwahlkampf - so eine Chance bekommt man nur einmal im Leben“.

„Shit happens“

Was war geschehen? Koidl, den Steinbrück auf der Frankfurter Buchmesse kennengelernt hatte, soll sich dem Kandidaten angedient haben. Dass er im Willy-Brandt-Haus von Beginn an auf Skepsis stieß, lag zum einen daran, dass der Berater mit Wohnsitz Zürich sich mit Büchern mit Titeln wie „Blender. Warum immer die Falschen Karriere machen“ und „Scheißkerle“ (eine Abhandlung über den Umstand, dass Frauen immer an den Falschen geraten) einen zweifelhaften Namen gemacht hatte.

Zum anderen aber hatten die Steinbrück-Leute offenbar nicht recherchiert, dass Koidl in seinem früheren Leben auch Berater für zwei Investmentfonds war - für zwei Hedge Fonds, welche Sozialdemokraten als Heuschrecken geißeln. „Fehlgriff“, heißt es nun in der Zentrale. Wie beim Bochumer Honorar fehlte Steinbrück auch hier das Fingerspitzengefühl. Die Fußballerweisheit macht dessen Team sich übrigens nicht zu eigen. Es heißt schlicht: „Shit happens.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Härtetest für Bewerber Die Kandidaten fest im Blick

Assessment Center sind beliebt. Potentielle Mitarbeiter tagelang zu durchleuchten kann für Arbeitgeber jedoch teuer und das Ergebnis verzerrt werden. Denn manche Bewerber täuschen vor. Mehr Von Eva Heidenfelder

28.01.2015, 06:00 Uhr | Beruf-Chance
RTL-Show Ich bin ein Star! Kennen Sie die Motive der elf Dschungelcamper?

Schon wieder ziehen elf Kandidaten in den australischen Dschungel, um sich vor den Kameras von RTL allerlei Prüfungen auszusetzen. Was treibt sie nur? Prüfen Sie ihre Menschenkenntnis mit unserem Quiz. Mehr Von Julia Bähr und Felix-Emeric Tota

10.01.2015, 14:53 Uhr | Feuilleton
The Economist Frau in der Wirtschaft

In dem britischen Traditionswochenmagazin, das sich als Zeitung versteht steht ein Umbruch auf oberster Etage bevor: Zanny Minton Beddoes wird Economist-Chefin. Mehr Von Gina Thomas, London

28.01.2015, 19:22 Uhr | Feuilleton
Endspurt bei der Kandidatenwahl

Wowereits Nachfolger wird innerhalb eines überschaubar kleinen Kreises gesucht, innerhalb der Berliner SPD nämlich. Die will Ende dieser Woche einen Kandidaten aus ihrer Mitte präsentieren, einen von dreien, die sich einem Mitgliedervotum stellen. Mehr

15.10.2014, 15:54 Uhr | Politik
Gerhard Besier Ein Professor in Dresden

Dass der frühere Direktor des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung, ein Anhänger Helmut Kohls, ausgerechnet von der Linken gefragt wurde, ob er als ihr Kandidat für den 2009 zu wählenden Landtag zur Verfügung stehen würde, mutet merkwürdig an. Mehr Von Frank Decker

26.01.2015, 10:04 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.11.2012, 16:08 Uhr

Auch keinen Bock

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die EU hat, auch zur Rettung Griechenlands, die europäischen Verträge weit interpretiert! Auch die Sozialdemokraten Gabriel und Schulz schenken der neuen griechischen Regierung reinen Wein ein. Mehr 6 14