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Kanzlerkandidat Steinbrück Die SPD hofft auf die Weihnachtspause

Der angeschlagene Kandidat Steinbrück will einfach nur er selbst bleiben. Doch das ist schwieriger als gedacht. Vielleicht hätte er auf den Rat eines alten Freundes hören sollen.

© REUTERS Vergrößern So sieht strukturierter Wahlkampf aus: Vom Organisationsgrad der SPD-Kampa im Jahr 2009 kann Steinbrück bisher nur träumen.

Hinrichten lassen will sich Peer Steinbrück nicht. „Ich lege den Kopf nicht devot auf die Guillotine“, ruft er am Freitag bei einer SPD-Veranstaltung. Haltung zu zeigen und sich die Politik nicht wegnehmen zu lassen, darum gehe es nun. Da applaudieren die Genossen. „Ihr könnt darauf zählen, dass ich eine ganz gute Kondition habe“, sagt Steinbrück und will damit alle Spekulationen verscheuchen, er werde vor der Zeit aufgeben. Die Durchhalteparole zeigt, wie angeschlagen der Mann ist. Fast pausenlos hat er einstecken müssen, seit er vor zwei Monaten Kanzlerkandidat wurde. Nie ist es ihm gelungen, das Tempo zu bestimmen. Nun will er Zweifel an seinen Nehmerqualitäten zerstreuen - und zu alter Form zurückfinden.

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Das ist schwierig. Denn Steinbrück muss eine ganz neue Rolle spielen. Er wird zu allen Themen gefragt, kann nicht mehr seine Standard-Rede zu Euro-Krise, Finanzen und Wirtschaft abspulen, die er seit Jahren mit Variationen gehalten hat. So spricht er am Freitag beim Treffen des Netzwerks Berlin der SPD über das deutsche Bildungssystem mit seiner „skandalös schlechten“ Durchlässigkeit oder von dem Skandal, dass Frauen in Deutschland für die gleiche Tätigkeit 23 Prozent weniger Lohn erhalten als Männer. Das sind ziemlich neue Töne für Steinbrück, auch etwa, wenn er dafür wirbt, dass das Ehegattensplitting gefälligst auch für die Homo-Ehe gelten soll. Er macht dann einen Scherz zum Thema Ehe, sagt, in der SPD könne man ja nur was Wichtiges werden, wenn man vier Scheidungen hinter sich habe. Steinbrück ist in erster Ehe verheiratet. „Vielleicht haben meine derzeitigen Schwierigkeiten ja damit zu tun“, sagt er. Es sind solche Szenen, in denen der alte Steinbrück sichtbar ist. Auch spricht der Kandidat jetzt über die fehlenden bezahlbaren Wohnungen in den Großstädten, kommt dabei auch auf den ländlichen Raum. Die Cleveren gingen da weg, sagt er, das seien die Frauen. Bleiben würden nur die doofen Männer. „Die Frauen sagen: Ich gehe dahin, wo die besseren Jobs sind und außerdem sind mir die hiesigen Knacker eh zu blöd.“

Steinbrück hätte statt Knacker auch „Scheißkerle“ sagen können, aber das Wort ist seit ein paar Tagen etwas belastet. Es ist der Titel eines erfolgreichen Buchs von Roman Maria Koidl. In ihm beschreibt der Autor, warum die erfolgreichen Frauen um die Dreißig immer an die falschen Männer geraten, wobei sie doch schon froh seien, wenn der Kerl „vielleicht ein paar Bücher besitzt, dafür aber keine Ledercouch mit Chrom, keine farbigen Sakkos trägt, nicht nur über sich redet, gelegentlich auch mal von den Brüsten hoch ins Gesicht seines weiblichen Gegenüber sieht“. Koidl hat ein weiteres Buch geschrieben: „Blender“. Das beschreibt, warum Männer - die er in „Schlipswichser“, „niederträchtige Sadisten“ und „hysterische Schaumschläger“ einteilt - Karriere machen und die klügeren Frauen dabei alt aussehen lassen. Vielleicht wären Koidls An- und Einsichten, die über seine Lebenswelt viel preisgeben, eine interessante Hilfe für Steinbrück, der bei Frauen laut Umfragen nicht besonders gut ankommt. Aber Koidl sollte nicht Frauen-, sondern Online-Berater Steinbrücks werden. Doch am Mittwoch musste er gehen.

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Veröffentlicht: 24.11.2012, 15:17 Uhr