Home
http://www.faz.net/-gpf-73if1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Kanzlerin bei der Truppe Merkels Inlandseinsatz

Bundeskanzlerin Merkel besucht den Truppenübungsplatz in Munster. Für die CDU-Vorsitzende ist es ein Kampfeinsatz anderer Art - eine Geländesicherung im niedersächsischen Wahlkampf an der Seite des niedersächsischen Ministerpräsidenten McAllister.

© dpa Bundeskanzlerin Merkel in Munster: „Das werden jetzt die neuen Spindfotos“

Ein Truppenbesuch im Inland - das ist seit den Einsätzen der Bundeswehr in Bosnien, im Kosovo und in Afghanistan ein seltener Ausflugstermin deutscher Bundeskanzler. Und dann noch auf einem Panzerschießplatz, wo jenes Großgerät die Schießbahnen entlangjagt, dass im Auslandsalltag der Armee keine erstrangige Rolle (mehr) spielt, die Kampfpanzer vom Typ Leopard II beispielsweise. Aber Angela Merkel lernt auf dem Übungsplatz in Munster, am größten deutschen Heeresstandort durchaus Neues dazu und hat selbst keine Scheu, Wissenslücken zu offenbaren: dass die Heeresaufklärer gekreuzte Fahnen in den Abzeichen ihrer Barette tragen und die Panzertruppen Panzer, lässt sie sich mit erstauntem Nicken erklären.

Johannes Leithäuser Folgen:

Sie habe ja nur „eine kleine Praxiserfahrung“, sagt sie bescheiden, und sei weit davon entfernt, viel zu wissen über die Bundeswehr. Die Panzeroffiziere wollen ihr auf dem Schießplatz demonstrieren, wie sehr sie mittlerweile ihre Übungsszenarien aus der Vorstellung von weiträumigen Panzergefechten entfernt haben: „Ausbildung in urbanem Umfeld“, heißt die Szene, die den Berliner Gästen in der Kulisse eines Übungsdorfes vorgeführt wird: Ein Zug Panzergrenadiere rückt mit Schützenpanzern zwischen die Häuserzeilen vor, die aus aufgetürmten Übersee-Containern bestehen, zwei Leopard-Kampfpanzer schießen sichernd ins Gelände, schließlich befreien die Grenadiere zwei Eingeschlossene aus einem Sperrholzhüttchen.

„Hundertprozentig zur Bundeswehr gestanden“

Für die CDU-Vorsitzende Merkel ist der trübe Nachmittag in Munster aber doch auch ein Kampfeinsatz anderer Art - eine Geländesicherung im niedersächsischen Wahlkampf. Der Ministerpräsident David McAllister, der am Hubschrauberlandepunkt auf seine Parteichefin wartet, erläutert seiner Umgebung ein ums andere Mal, dass der Besuch der Kanzlerin ja eine Auszeichnung sei für sein Bundesland, welches immer „hundertprozentig zur Bundeswehr gestanden“ habe.

Die deutschen Streitkräfte erleben gerade die größte Reform und Umorganisierung seit dem Ende des Kalten Krieges - begleitet von Unsicherheit und gedrückter Stimmung in vielen Soldatenfamilien. Da bietet ein Besuch der Kanzlerin dem CDU-Ministerpräsidenten die Gelegenheit, sich und sein gutes Verhältnis zur Bundesregierung herauszustellen.

Bundeskanzlerin Merkel und der niedersächsische Ministerpräsident McAllister in Munster © REUTERS Vergrößern Gruppenbild mit Damen: Bundeskanzlerin Merkel und der niedersächsische Ministerpräsident McAllister in Munster

Niedersachsen sei bei den Stellenabbau-Beschlüssen und den bevorstehenden Standortschließungen ziemlich gut weggekommen, beteuert McAllister. Das habe womöglich auch daran gelegen, dass er die entscheidenden Dinge in Berlin lieber in vertraulichen Gesprächen erörtere, statt Schaufenster-Anklagen zu halten, wie das andere täten. Und so habe er die Kanzlerin auch zu dem Besuch in Munster bewegen können mit der Aufforderung, wie es denn mal wäre mit einem Besuch beim größten Standort jener Teilstreitkraft, bei der „der christdemokratische Ministerpräsident Niedersachsens zwei Jahre gerne gedient hat“. McAllister war vor 22 Jahren bei einem Jägerbataillon - eine Zeit, aus der ihm korrektes Hemdenfalten und frühes Aufstehen geblieben seien.

Auf jeden Fall hat der Besuch der Kanzlerin sich für die neun Panzergrenadiere und die dreiköpfige Panzerbesatzung eines Leopard gelohnt, die die Kulisse für das offizielle Erinnerungsfoto abgeben. Frau Merkel stellt sich nicht nur zwischen die Soldaten, sondern lässt sich anschließend auf deren Wunsch hin mit jedem von ihnen einzeln fotografieren - „das werden jetzt die neuen Spindfotos“, murmelt ein beiseite stehender Offizier.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Griechenlands Schuldenkrise Rüstungsausgaben sind nicht das Problem

Athen verfügt über den größten Verteidigungshaushalt der Nato. Der Generalsekretär der Allianz sieht keinen Zusammenhang mit Griechenlands Zahlungsproblemen. Er fordert die Regierung auf, nicht beim Militär zu sparen – trotz des drohenden Staatsbankrotts. Mehr Von Lorenz Hemicker

30.06.2015, 19:31 Uhr | Wirtschaft
Bundeswehr Von der Leyen reaktiviert alte Panzer

Angesichts der Ukraine-Krise will Verteidigungsministerin von der Leyen die Ausmusterung alter Kampfpanzer stoppen und reaktiviert ein Bataillon im niedersächsischen Bergen. Entgegen den Reformen. Mehr

01.03.2015, 10:13 Uhr | Politik
Verteidigung Wehrbeauftragter findet deutsche Soldaten unzureichend gerüstet

Die Bundeswehr ist aus Sicht des Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels für Nato-Einsätze nicht gut genug ausgerüstet. Er fordert mehr Geld für die Armee: Die Toleranz für Ausrüstungslücken muss ein Ende haben. Mehr

22.06.2015, 06:54 Uhr | Politik
Besuch von Tsipras Merkel-Sprecher dämpft Erwartungen

Es gibt verschiedene Aussichten vor dem ersten Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Tsipras in Berlin. Die Menschen sind vor dem Besuch aufgeregt. Ein Sprecher von Kanzlerin Merkel dämpfte jetzt die Ewartungen um eventuelle Ergebnisse. Mehr

23.03.2015, 16:49 Uhr | Politik
Die Queen in Berlin Immer schön lächeln und winken

Jubelnde Queen-Fans, ein Bundespräsident als Stadtführer und viel politische Symbolik: Beim fünften Staatsbesuch der britischen Königin Elisabeth II. in Deutschland haben beide Länder ihre enge Verbundenheit demonstriert. Mehr

24.06.2015, 17:19 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.10.2012, 17:20 Uhr

Nervenkrieg mit Tsipras

Von Nikolas Busse

Nach dem Nein der Griechen kommt es auf die Gruppe der Eurostaaten an. In ihr gilt: Niemand will (viel) Geld verlieren oder der Tsipras-Truppe einen großen politischen Sieg bescheren. Allerdings zeigen sich erste Haarrisse. Mehr 8 10