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Kanzlerin bei der Truppe Merkels Inlandseinsatz

Bundeskanzlerin Merkel besucht den Truppenübungsplatz in Munster. Für die CDU-Vorsitzende ist es ein Kampfeinsatz anderer Art - eine Geländesicherung im niedersächsischen Wahlkampf an der Seite des niedersächsischen Ministerpräsidenten McAllister.

© dpa Bundeskanzlerin Merkel in Munster: „Das werden jetzt die neuen Spindfotos“

Ein Truppenbesuch im Inland - das ist seit den Einsätzen der Bundeswehr in Bosnien, im Kosovo und in Afghanistan ein seltener Ausflugstermin deutscher Bundeskanzler. Und dann noch auf einem Panzerschießplatz, wo jenes Großgerät die Schießbahnen entlangjagt, dass im Auslandsalltag der Armee keine erstrangige Rolle (mehr) spielt, die Kampfpanzer vom Typ Leopard II beispielsweise. Aber Angela Merkel lernt auf dem Übungsplatz in Munster, am größten deutschen Heeresstandort durchaus Neues dazu und hat selbst keine Scheu, Wissenslücken zu offenbaren: dass die Heeresaufklärer gekreuzte Fahnen in den Abzeichen ihrer Barette tragen und die Panzertruppen Panzer, lässt sie sich mit erstauntem Nicken erklären.

Johannes Leithäuser Folgen:

Sie habe ja nur „eine kleine Praxiserfahrung“, sagt sie bescheiden, und sei weit davon entfernt, viel zu wissen über die Bundeswehr. Die Panzeroffiziere wollen ihr auf dem Schießplatz demonstrieren, wie sehr sie mittlerweile ihre Übungsszenarien aus der Vorstellung von weiträumigen Panzergefechten entfernt haben: „Ausbildung in urbanem Umfeld“, heißt die Szene, die den Berliner Gästen in der Kulisse eines Übungsdorfes vorgeführt wird: Ein Zug Panzergrenadiere rückt mit Schützenpanzern zwischen die Häuserzeilen vor, die aus aufgetürmten Übersee-Containern bestehen, zwei Leopard-Kampfpanzer schießen sichernd ins Gelände, schließlich befreien die Grenadiere zwei Eingeschlossene aus einem Sperrholzhüttchen.

„Hundertprozentig zur Bundeswehr gestanden“

Für die CDU-Vorsitzende Merkel ist der trübe Nachmittag in Munster aber doch auch ein Kampfeinsatz anderer Art - eine Geländesicherung im niedersächsischen Wahlkampf. Der Ministerpräsident David McAllister, der am Hubschrauberlandepunkt auf seine Parteichefin wartet, erläutert seiner Umgebung ein ums andere Mal, dass der Besuch der Kanzlerin ja eine Auszeichnung sei für sein Bundesland, welches immer „hundertprozentig zur Bundeswehr gestanden“ habe.

Die deutschen Streitkräfte erleben gerade die größte Reform und Umorganisierung seit dem Ende des Kalten Krieges - begleitet von Unsicherheit und gedrückter Stimmung in vielen Soldatenfamilien. Da bietet ein Besuch der Kanzlerin dem CDU-Ministerpräsidenten die Gelegenheit, sich und sein gutes Verhältnis zur Bundesregierung herauszustellen.

Bundeskanzlerin Merkel und der niedersächsische Ministerpräsident McAllister in Munster © REUTERS Vergrößern Gruppenbild mit Damen: Bundeskanzlerin Merkel und der niedersächsische Ministerpräsident McAllister in Munster

Niedersachsen sei bei den Stellenabbau-Beschlüssen und den bevorstehenden Standortschließungen ziemlich gut weggekommen, beteuert McAllister. Das habe womöglich auch daran gelegen, dass er die entscheidenden Dinge in Berlin lieber in vertraulichen Gesprächen erörtere, statt Schaufenster-Anklagen zu halten, wie das andere täten. Und so habe er die Kanzlerin auch zu dem Besuch in Munster bewegen können mit der Aufforderung, wie es denn mal wäre mit einem Besuch beim größten Standort jener Teilstreitkraft, bei der „der christdemokratische Ministerpräsident Niedersachsens zwei Jahre gerne gedient hat“. McAllister war vor 22 Jahren bei einem Jägerbataillon - eine Zeit, aus der ihm korrektes Hemdenfalten und frühes Aufstehen geblieben seien.

Auf jeden Fall hat der Besuch der Kanzlerin sich für die neun Panzergrenadiere und die dreiköpfige Panzerbesatzung eines Leopard gelohnt, die die Kulisse für das offizielle Erinnerungsfoto abgeben. Frau Merkel stellt sich nicht nur zwischen die Soldaten, sondern lässt sich anschließend auf deren Wunsch hin mit jedem von ihnen einzeln fotografieren - „das werden jetzt die neuen Spindfotos“, murmelt ein beiseite stehender Offizier.

Quelle: F.A.Z.

 
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