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Kanzler-Bezüge Steinbrück und das liebe Geld

 ·  Er wollte doch nur ein wenig provozieren. Kanzler verdienten zu wenig, sagte er. Und: Geld löse bei ihm keine erotischen Gefühle aus. Wahrscheinlich so wenig, wie Steinbrück in seiner eigenen Partei.

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© dpa Steinbrück hat ein Image- und Glaubwürdigkeitsproblem - vor allem in seiner eigenen Partei

Was hat er eigentlich gesagt, der Kanzlerkandidat der SPD? „Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.“ Und nun ist die Aufregung wieder einmal groß.

Peer Steinbrück beklagt sich über die zu niedrige Vergütung des Jobs, den er im kommenden Herbst anstrebt, heißt es nun. Und schnell stehen die sozialdemokratischen Stichwortgeber parat: Dieter Wiefelspütz weist darauf hin, dass das Amt des Bundeskanzlers „eine hochfaszinierende Tätigkeit“ sei und fügt hinzu: „Wenn wir Politiker uns an den Gehältern in der Wirtschaft orientieren, dann machen wir einen Fehler“.

Hans-Peter Bartels mahnt, es sei „manchmal“ wichtig, daraufhinzuweisen, dass Politiker nicht übermäßig viel verdienen, doch sollten sie ihre Bezüge eher mit Gehältern im öffentlichen Dienst vergleichen. Carsten Schneider wiederum bemerkt, das Amt des Bundeskanzlers sei die „bestbezahlte Tätigkeit in der Bundesregierung mit Pensionsansprüchen, die durchaus angemessen sind“ und Ralf Stegner erinnert daran, dass Politiker keine zusätzlichen Anreize für gewählte Ämter benötigten.

Warum will ihm nichts gelingen?

Und schließlich ist da noch Gerhard Schröder. Er ist einerseits derjenige, der sich mit Helmut Schmidt frühzeitig für einen Kanzlerkandidaten Steinbrück ausgesprochen hatte. Andererseits aber derjenige, der nach Jahren, in denen sich sein Leben viel um Gas und Geld gedreht hat, nun - womöglich inspiriert durch den Glanz des anderen sozialdemokratischen Altkanzlers - nach Ruhm zu sehnen scheint. Schröder jedenfalls lässt sich zu dem Thema in der „Bild am Sonntag“ mit den Worten vernehmen: „Nach meinem Eindruck werden die Politiker in Deutschland angemessen bezahlt. Ich habe jedenfalls davon immer leben können. Und wem die Bezahlung als Politiker zu gering ist, der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen.“

Zusammen genommen also eine eher bescheidene Bilanz, die Steinbrücks Denkanstoß erzielte. Warum eigentlich? Ist es denn falsch darauf hinzuweisen, dass nicht wenige BWL-Phrasendreschmaschinen und Schmalspurjuristen in der Privatwirtschaft schon in jungen Jahren unverhältnismäßig mehr verdienen als der deutsche Regierungschef? Zumal in Zeiten, in denen die Bundesregierung mit öffentlichen Geldern die Suppe auslöffeln muss, welche Banken, Schattenbanken und die sie beratenden Wirtschaftskanzleien ihnen eingebrockt haben?

Schließlich wollte Steinbrück doch nur auf Verhältnismäßigkeiten hinweisen und nicht etwa staatlicherseits in privatrechtlich ausgehandelte Managergehälter eingreifen. Und hat nicht auch Helmut Kohl immer wieder auf dieses Missverhältnis aufmerksam gemacht? Was ist es also mit diesem Steinbrück, dass ihm nichts gelingen will, noch nicht einmal eine kleine Debatte in der nachrichtenarmen Zeit zwischen den Jahren?

Das Image lässt sich nicht per Interview korrigieren

Steinbrück hat ein Image- und Glaubwürdigkeitsproblem - vor allem in seiner eigenen Partei. Und zwar ein nachhaltiges. Seit Wochen, eigentlich seit dem Nominierungsparteitag in Hannover Anfang Dezember, ist es nun einigermaßen ruhig um seine früheren Vorträge und Honorare. Meldungen über einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen der Auftragsvergabe des damaligen Bundesfinanzministers an die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer und einem späteren Vortrag Steinbrücks ebendort bergen kein großes Skandalierungspotential.

In Interviews, wie dem mit der F.A.S, wird er nun eher generell nach seinem Verhältnis zum Geld gefragt. Und Steinbrück sucht derlei Fragen als Vorlagen zu nutzen, um sein Image zu korrigieren: Er sei zwar aus Sicht vieler Menschen ein vermögender Sozialdemokrat, aber Geld löse bei ihm keine „erotischen Gefühle“ aus. Sein Verhältnis dazu sei „rein instrumentell“. Und dass er 2009, nach dem Gang in die Opposition, ein Leben als hochpreisiger Vortragsreisender begann, sei nicht dem Gefühl geschuldet gewesen, jetzt einmal richtig Geld verdienen zu wollen.

Doch ein Image lässt sich nun einmal nicht per Interview korrigieren. Spricht man mit Sozialdemokraten bis hinein in den Vorstand der Bundestagsfraktion, so lautet die Assoziation beim Thema Steinbrück und Geld nicht „keine erotischen Gefühle“ oder „rein instrumentell“, sondern: „Bochum“, „Stadtwerke“, „25.000 Euro“, „späte Spende“, „geizig“. Die öffentlichen Reaktionen von sozialdemokratischer Seite auf Steinbrücks Denkanstoß in Sachen Kanzlergehalt sind vor diesem Hintergrund zu sehen.

Merkel bietet keine Angriffsfläche

Es gibt durchaus Sozialdemokraten, die meinen, Steinbrück liege in der Sache nicht falsch. Doch halten sie ihn für den denkbar falschen Überbringer der Botschaft: Wenn er geglaubt habe, er könne mit derlei Einlassungen sein öffentlichen Bild verbessern, dann stehe der SPD noch ein lustiger Wahlkampf bevor, heißt es nun in der Partei. Es sei doch glaskar gewesen, dass nur ein Satz hängen bleiben werde: Steinbrück fordert mehr Geld. Man könnte auch sagen: Steinbrück muss sich um seine künftigen Einkünfte nicht sorgen, denn Kanzler wird er so sicher nicht.

Steinbrück und das liebe Geld - der Kanzlerkandidat wird das Thema einfach nicht los. Das ist umso prekärer, als er es im Wahlkampf mit einer Kanzlerin zu tun bekommt, die ihm auch in dieser Hinsicht keine Angriffsfläche bietet. Was fällt einem zum Thema Angela Merkel und Geld ein? Eine Eigentumswohnung in Berlin-Mitte. Eine Datsche in der Uckermark. Zuhause gibt es Artischocken aus der Dose, im Kanzleramt Bouletten und Kartoffelsalat - über die ihre Gäste übrigens nach sonntäglichen Koalitionsrunden seit langem klagen.

Noch nicht einmal Urlaub bei reichen Freunden macht sie, nur sommerliche Wandertouren in Südtirol und Langlaufferien an Weihnachten. Immerhin war sie diesmal in der Schweiz, gar in der Nähe von St. Moritz, aber eben nicht in St. Moritz, sondern in einem benachbarten Dörfchen. Angela Merkel hat es über die Jahre verstanden, sich ein Image zu verschaffen, mit dem sie deutschen Gepflogenheiten entspricht.

Dass diese gelebte Bescheidenheit gleichwohl nicht frei von Inszenierung ist, hängt auch damit zusammen, dass die Kanzlerin sich zu Beginn ihrer Amtszeit von ihrem Vorgänger abzugrenzen suchte: Dessen Kanzlerschaft begann mit Brioni und endete mit Gasprom. Schröder übrigens sagte nun über die Erfolgsaussichten Steinbrücks: Trotz der beachtlichen Popularität der Kanzlerin stünden dessen Chancen gut - „denn in Deutschland werden nicht Personen, sondern Parteien gewählt“.

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Jahrgang 1970, politischer Korrespondent in Berlin.

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