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Kandidatur für Europaliste : AfD-Politikerin Storch weist Untreuevorwurf zurück

Erklärungsbedarf: AfD-Politikerin Beatrix von Storch Bild: dapd

Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch muss sich gegen Unterschlagungsvorwürfe wehren. Sie spricht von einer „Medienkampagne“ und will an diesem Samstag auf dem Bundesparteitag für einen vorderen Platz auf der Europawahlliste kandidieren.

          Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hat sich gegen Unterschlagungsvorwürfe in dem von ihr gegründeten Verein „Zivile Koalition“ verteidigt. In einer E-Mail an den AfD-Bundessprecher Bernd Lucke, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt, kündigte Storch vor einer Woche an, auf dem Bundesparteitag an diesem Samstag für einen vorderen Platz auf der Europawahlliste der AfD kandidieren zu wollen.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Sie sprach darin von einer „Medienkampagne“ gegen sie, zu der sie „kurze Erklärungen“ geben wolle. In früheren Stellungnahmen habe sie - auf Anraten einer „namhaften Medienrechtskanzlei“ - „nicht im Detail zu allem Stellung genommen, um der Kampagne keine weitere Nahrung zu geben“.

          Vereinsgelder in Schließfach deponiert

          Storch hatte gemeinsam mit ihrem Mann, Sven von Storch, insgesamt 98.000 Euro vom Spendenkonto ihres Vereins „Zivile Koalition“ abgehoben und in dem Schließfach einer Berliner Bank deponiert. Storch begründete dies mit ihrer Sorge vor einem möglichen Zusammenbruch des europäischen Bankensystems. Sie halte eine Enteignung von zehn Prozent aller Bankvermögen in Deutschland für wahrscheinlich, schrieb Storch an Lucke.

          Nachdem die Zeitung „Welt am Sonntag“ über den Vorgang berichtet hatte, ließ Storch die Abhebung von einem Notar testieren. Der durch das Bargelddepot eintretende Zinsverlust für den Verein gehe „gegen null“, sagte Storch der F.A.Z. Außerdem verwendete ihr Mann auf einer Reise in Chile 2012 die Bankkarte des Vereinskontos, um einen Betrag von 10.000 Euro abzuheben.

          Beatrix von Storch begründete dies mit einer Notlage, weil die Bankkarte ihres Mannes im Ausland nicht funktioniert habe. Im Nachhinein sei der Betrag als Darlehen des Vereins, dessen Finanzen das Ehepaar allein verwaltet, mit vier Prozent Zinsen zurückgezahlt worden, so Storch. Der konservative Verein „Zivile Koalition“ vertritt marktradikale Positionen und betreibt unter anderem die Internetplattform „Abgeordneten-Check.de“.

          Öffentlich gemacht hatte die Vorwürfe nach Angaben von Storch eine ehemalige Mitarbeiterin des Vereinsbüros der „Zivilen Koalition“. Storch begründete die Motivation der Frau mit ihrer Kündigung, die „mit ihrem Ausscheiden bei uns nicht wirklich glücklich war“. Zudem sei die Frau bei der FDP aktiv gewesen und habe Storch als AfD-Politikerin beschädigen wollen.

          Der F.A.Z liegt zudem die Rechnung eines Berliner Reisebüros aus dem Jahr 2007 vor, auf welcher dem Verein „Allianz für den Rechtsstaat“ ein Betrag von 1117,01 Euro für einen Flug von Storchs Ehemann nach Santiago de Chile in Rechnung gestellt wird. Laut Rechnung wurde die an den gemeinnützigen Verein adressierte Rechnung per „Kontoabbuchung“ beglichen.

          Das Ehepaar Storch leitet den Verein, der sich unter anderem für politisch Verfolgte in der sowjetischen Besatzungszone von 1945 bis 1949 einsetzt. Storch hält es „grundsätzlich für möglich“, dass der Verein diese Kosten übernommen habe. Ihr Mann nehme als in Chile geborener Deutscher regelmäßig „Beratungsleistungen“ in Südamerika für den „Aufbau“ des Vereines in Anspruch. So werde die Datenbank von einem Brasilianer betreut, dessen Reisekosten nach Deutschland jeweils vom Verein erstattet würden.

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