Home
http://www.faz.net/-gpf-6yasv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Kandidatin Beate Klarsfeld „Völlig untragbar“

Beate Klarsfeld hat mutmaßlich 2000 „Westmark“ von der SED-Führung erhalten, nachdem sie 1968 den damaligen Bundeskanzler Kiesinger geohrfeigt hatte. Für CDU-Generalsekretär Gröhe ist sie damit als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt „völlig untragbar“.

© dpa 1968 im Bonner Bundestag: Beate Klarsfeld beschimpft Kanzler Kiesinger von der Zuschauertribüne aus. Neben ihr ein Saaldiener.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe stellt die Eignung der Präsidentschaftskandidatin der Partei „Die Linke“, Beate Klarsfeld, infrage. „Wenn Frau Klarsfeld wirklich auf der Honorarliste der SED gestanden hat, dann ist sie als Kandidatin für das höchste Staatsamt völlig untragbar“, sagte Gröhe der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Hintergrund von Gröhes Äußerungen sind Berichte, Frau Klarsfeld habe vor Jahrzehnten auf Weisung aus der SED-Führung 2000 D-Mark erhalten, nachdem sie den damaligen Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger (CDU) wegen dessen früheren NSDAP-Mitgliedschaft öffentlich geohrfeigt hatte. Gröhe forderte, die Linke-Vorsitzende Gesine Lötzsch müsse sich zu diesen Vorwürfen gegen ihre Wunschkandidatin erklären.

Mehr zum Thema

Nachdem bereits von der logistischen und sachlichen Unterstützung der Klarsfeld-Aktion gegen Kiesinger durch die DDR berichtet worden war, hatte die Zeitung „Die Welt“ berichtet, dass Frau Klarsfeld 1969 von der SED Geld bekommen habe, nämlich „2000 Westmark“. Nach Angaben der Zeitung berief sich Frau Klarsfeld nach entsprechenden Anfragen am Dienstag zunächst auf Erinnerungslücken, dann habe sie „empört“ auf die Vorlage von Kopien der Dokumente reagiert und mitgeteilt, sie habe nie im Auftrag der DDR gearbeitet, „sondern in meinem Auftrag“.

Beate Klarsfeld © AFP Vergrößern Die Kandidatin der Partei „Die Linke“, Beate Klarsfeld

Unterdessen traf sich der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Schindler, nach einem „Kaffeehaus-Zwischenfall“ mit Frau Klarsfeld. Über Ort und Zeitpunkt des Treffens wahrte der BND Vertraulichkeit. Schindler hatte sich vergangene Woche mit einer Verteidigungspolitikerin der FDP im Berliner Café „Einstein“ getroffen. Zur selben Zeit waren dort Frau Klarsfeld und mehrere Linkspartei-Politiker, allerdings in einem andern Raum.

Als eine Emissärin der Linkspartei an den Tisch der FDP-Abgeordneten geschickt wurde, um im Namen Frau Klarsfelds um eine Begrüßung oder ein Gespräch zu bitten, hatte die FDP-Abgeordnete dieses Ansinnen abgelehnt. Schindler hatte nach übereinstimmender Darstellung nichts dazu gesagt. Daraufhin hatte die Linkspartei behauptet, der BND-Präsident habe der „Nazi-Jägerin“ den Handschlag verweigert.

Der Fraktionsvorsitzende Gysi hatte das als Skandal bezeichnet und angekündigt, umgehend bei Bundeskanzlerin Merkel die „Entlassung“ Schindlers zu fordern. Schindler hatte, um die Wogen zu glätten, Frau Klarsfeld dann ein Treffen angeboten. Das Angebot wurde angenommen. Die Linkspartei verbreitete - wahrheitswidrig nach Angaben aus BND-Kreisen - per Pressemitteilung, Schindler habe sich „eindringlich entschuldigt“.

Quelle: pca./gif./dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Linke streitet über Grexit Lafontaine und Wagenknecht gegen alle anderen

Anders als viele in der Linkspartei kann das politisch dominante Ehepaar Lafontaine und Wagenknecht einem Ausstieg Griechenlands aus dem Euro viel abgewinnen. Parteifreunde sind erbost über das Gedankenspiel für einen Grexit. Mehr Von Mechthild Küpper, Berlin

29.06.2015, 17:16 Uhr | Politik
NSU-Prozess Beate Zschäpe schweigt weiter

Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im NSU-Prozess, schweigt weiter: Auch nach über 200 Verhandlungstagen äußert sie sich nicht. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, dass sie dies ändern könnte. Mehr

23.06.2015, 15:56 Uhr | Politik
Vor den Wahlen Argentinische Rochaden

Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner schickt ihren Verbündeten Daniel Scioli ins Rennen um das Präsidentenamt – als Platzhalter für ihren Sohn. Mehr Von Matthias Rüb, São Paulo

25.06.2015, 19:54 Uhr | Politik
Elektronikmesse Techniktrends auf der CES in Las Vegas

Auf der Technikmesse CES stehen in diesem Jahr vernetzte Technik im Haushalt sowie als Armbanduhr tragbare Minicomputer im Mittelpunkt. Mehr

05.01.2015, 14:26 Uhr | Technik-Motor
TV-Kritik: Anne Will Gesine Schwans Vorwurf an die neoliberalen Institutionen

Die Politologin teilt bei Anne Wills Griechenland-Debatte aus: Den Brüsseler ARD-Büroleiter kritisiert sie für einseitige Berichte, den Grexit-Befürworter Hans-Werner Sinn für seine gesellschaftspolitischen Vorstellungen. Der Ökonom wehrt sich mit einer nicht sehr charmanten Retourkutsche. Mehr Von Frank Lübberding

25.06.2015, 05:15 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.03.2012, 14:23 Uhr

Was wirklich ist

Von Jasper von Altenbockum

Die wichtigste Botschaft der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts blieb unausgesprochen: Die Sicherheitsdebatte in Berlin hat sich von der Wirklichkeit weit entfernt. Mehr 45 136