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Käßmanns Alkoholfahrt „Das ist ein Blackout“

 ·  Nach der Alkoholfahrt der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann schlagen die Wogen in der Evangelischen Kirche hoch. Die einen nehmen die Bischöfin in Schutz und machen Stress für die Verfehlung verantwortlich, andere fordern bereits Konsequenzen. Von Rücktrittsforderungen ist bislang jedoch nicht die Rede.

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Die Alkoholfahrt der evangelischen Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann ist in der Evangelischen Kirche unterschiedlich aufgenommen worden - und hat eine heftige Debatte über die Gründe und die Konsequenzen des Fehltritts ausgelöst. Der Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, Johannes Neukirch, sagte der Nachrichtenagentur DAPD am Mittag, Käßmann sei auf einem privaten Termin gewesen. Grundsätzlich könne die Bischöfin für Termine einen Fahrer anfordern, doch der habe „auch irgendwann mal Feierabend“. Darüber, wieviel Käßmann getrunken hat, gebe es keine Auskünfte. Die Bischöfin erledige ihre Arbeit derzeit wie gewohnt. Sollte sich daran etwas ändern, werde man darüber informieren, sagte Neukirch.

Der Leiter der konservativen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, der Hamburger Pastor Ulrich Rüß, sprach von einer besonders schweren und belastenden Situation für Käßmann. „Mitgefühl ist eher angesagte als Häme und Richtgeist. Hier gilt Vergebung“, so der Vorsitzende der evangelischen Vereinigung. „Keiner will und soll den Moralapostel spielen. Aber dennoch gilt: Ihre Glaubwürdigkeit und die Autorität des Amtes sind beschädigt, die Kirche im Ganzen hat Schaden genommen. Das weiß Frau Käßmann, und das weiß auch der Rat der EKD“, betonte Rüß.

„Blackout“ unter Dauerstress?

Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer nahm Käßmann unterdessen in Schutz und führte ihre Alkoholfahrt auf den Druck ihres Amtes zurück. „Das ist ein Blackout, der leider immer wieder Leuten passiert, die in öffentlichen Ämtern unter Dauerstress stehen“, sagte Schorlemmer der „Leipziger Volkszeitung“ (Mittwochsausgabe). Auch Käßmann stehe in ihrem Amt unter einer enormen Spannung, die sich mit Alkohol abbauen lasse. „Die Häme, die es jetzt geben wird, ist schlimmer als der Strafbefehl“, betonte der Theologe. Zugleich bezeichnete er die Alkoholfahrt als Verfehlung, die nicht einfach zu rechtfertigen sei. Daher sei es gut, dass Käßmann zu ihrem Fehler stehe.

Von Rücktrittsforderungen gegenüber Käßmann ist in der Evangelischen Kirche derzeit indes noch nicht die Rede. EKD-Sprecher Mawick erklärte am Mittag, von solchen Forderungen sei ihm bislang noch nichts bekannt.

Hoch angesehene, jedoch nicht unumstrittene Bischöfin

Die Affäre um Margot Käßmanns Trunkenheitsfahrt trifft eine durchaus streitbare und wegen ihres gesellschaftlichen Engagements hochangesehene Frau. Als die Synode der EKD in Ulm Käßmann im vergangenen Oktober mit überwältigender Mehrheit als erste Frau an die Spitze der evangelischen Kirche in Deutschland wählte, waren fast nur begeisterte Stimmen zu vernehmen. In die politische und gesellschaftliche Diskussion wolle sie sich von Anfang an einmischen, auch und gerade bei so sensiblen Themen wie dem würdigen Sterben, kündigte die ehemalige Gemeindepfarrerin damals an.

Schon nach ihrer Amtsübernahme als Bischöfin von Hannover im Jahr 2009 hatte sich die in Marburg geborene Theologin einen Ruf als streitbare Mahnerin in brisanten sozial- und gesellschaftspolitischen Fragen erworben. Einen ersten Eindruck von ihrem Rollenverständnis als führende Repräsentantin der evangelischen Kirche erlaubte die Auseinandersetzung um ihre Neujahrspredigt, in der sie den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan kritisierte. Anschließend musste sie sich vorwerfen lassen, die Soldaten im Stich zu lassen.

Dass auch ihr Privatleben von nun an verstärkt unter Beobachtung stehen würde, war der 51 Jahre alten Käßmann dabei nur zu bewusst. Ihr Posten bringe „ein heftiges Maß an Öffentlichkeit und Verantwortung mit sich, mein privates Leben wird dadurch sehr eingeschränkt“, sagte sie erst vor wenigen Wochen in einem Interview. Sie träume bereits davon, sich eines Tages wieder mehr ins Private zurückzuziehen.

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