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Johanna Wanka Zielstrebig ohne Getöse

 ·  Die künftige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka weiß, was sie will: Die promovierte Mathematikerin aus Sachsen lebt vor, was sie von anderen fordert, und geht dabei nicht immer vorgegebene Wege.

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© dapd Vergrößern Die neue Bundesbildungsministerin Johanna Wanka

Dass Angela Merkel und Johanna Wanka sich gut verstehen, war in den letzten Wochen bei den Wahlkampfauftritten der Bundeskanzlerin in Niedersachsen wieder zu sehen. Beide gehen vertraut miteinander um. Die gemeinsame Erfahrung, in der DDR als widerständig Denkende aufgewachsen zu sein, verbindet sie; ebenso die zurückhaltende Art und das naturwissenschaftlich geprägte Denken. Wanka ist promovierte Mathematikerin, die als Rektorin der Hochschule Merseburg in ihr neues Amt als Bundesministerin für Bildung und Forschung Erfahrung aus der Hochschulpraxis einbringen kann. Bildungspolitische Debatten kennt sie als ehemalige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz.

In den Mittelpunkt drängt Wanka sich nicht, zumal nicht mit lautem Getöse. Darin ähnelt sie ihrer Vorgängerin Annette Schavan. Wissenschaft und Forschung sind Wankas Leidenschaft, aber auch die Hochschulpolitik. Nach acht Jahren im brandenburgischen Kabinett wählte sie der Deutsche Hochschulverband 2008 zur „besten Wissenschaftsministerin Deutschlands“. Dabei entfernte sie sich nie von der Parteipolitik - die brandenburgische CDU wählte sie 2008 zur Landesvorsitzenden. Es gelang ihr, einen zerstrittenen Landesverband zu einen. Als sie 2009 nach der Landtagswahl in die Opposition ging, griff der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff im Frühjahr 2010 zu und holte sie als erste Ministerin aus einem neuen Bundesland in den Westen. Auch Hamburg und Sachsen-Anhalt warben damals um sie.

Ehrgeizig und entschieden

In Hannover erwarb sie sich rasch Respekt. Mitarbeiter beschrieben sie als professionell, anspruchsvoll und entschieden. Sie lebt vor, was sie von anderen fordert, und geht dabei nicht immer vorgegebene Wege. Das schätzten indes nicht alle, vor allem jene nicht, die unter ihrem als nachlässig geltenden Vorgänger gewohnt waren, selbst zu entscheiden und zu herrschen.

Auch für überbrachte Traditionen und Werte setzte sie sich als Ministerin ein, wiewohl ihr diese Welt wenig nahe scheint. Bis zuletzt wollte die 62 Jahre alte, ehrgeizige Frau eines Mathematikers sich einbringen: In neun Tagen hätte sie ihr Amt wie andere in Hannover verloren, wenn die CDU/FDP-Regierung von einem rot-grünen Bündnis abgelöst werden dürfte. So bleibt Wanka zumindest bis zur Bundestagswahl erspart, was sie vor kurzem als ihren „größten Horror“ bezeichnete: „ohne Tätigkeit zu Hause zu sitzen.“

Gleich vier Bundesländer vertritt sie nun im Bundeskabinett: Im Norden Sachsens wurde sie auf einem Bauernhof geboren. Dazu kommen Sachsen-Anhalt, wo sie in Merseburg lehrte, sowie Brandenburg und Niedersachsen dank ihrer Kabinettserfahrungen. Zum südlichen Mitteldeutschland hält sie durch Freundeskreis und Familie enge Bande. Zuletzt lebte sie in Braunschweig - weil regionale Prägungen Niedersachsens es erforderten, dass die zweitgrößte Stadt des Landes im Kabinett vertreten sei.

So zählte denn der Oberbürgermeister Braunschweigs, Gert Hoffmann, zu den ersten Gratulanten, weil „nach Jahrzehnten einmal jemand aus Braunschweig“ ins Bundeskabinett komme. Weniger glücklich dürften jene sein, die Gewicht auf Konfessionelles legen. Mit dem Rücktritt Annette Schavans wird die ohnehin winzige Zahl von Katholiken im Bundeskabinett weiter dezimiert. Johanna Wanka, die ihr Privatleben gerne schützt, ist evangelisch.

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