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Veröffentlicht: 10.02.2013, 12:54 Uhr

Johanna Wanka Schavans ehrgeizige Nachfolgerin

In die Politik kam Johanna Wanka als Mitglied der DDR-Bürgerbewegung. Sie wurde Bildungsministerin in Brandenburg, dann in Niedersachsen. Dass sie die Länderhoheit in Bildungsfragen hochhält, wird ihr die Arbeit als Bundesministerin nicht eben erleichtern.

© dpa Wird Bundesbildungsministerin: Johanna Wanka

In ihrem Ehrgeiz steht die designierte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ihrer Vorgängerin nicht nach. Sie kommt aus dem Osten wie die Kanzlerin und ist jetzt die einzige Ministerin aus den neuen Ländern im Bundeskabinett. Darin liegt auch ein Zugeständnis Merkels an die ostdeutschen Landesverbände. Die scheidende niedersächsische Wissenschaftsministerin Wanka hat bis zuletzt für die Beibehaltung der Studiengebühren gekämpft, setzte allerdings in ihren beiden Jahren in Hannover, wo sie 2010 auf Lutz Stratmann gefolgt war, keine besonderen Akzente. Auch als Wissenschaftsministerin in Brandenburg blieb sie blass.

Heike Schmoll Folgen:

Vor kurzem hat sie sich mit Bayern und Sachsen für einen Bildungsstaatsvertrag eingesetzt, der die Länderhoheit in Bildungsfragen festigen soll. Als Bundesbildungsministerin dürfte ihr das die Verhandlungen über eine künftige Kooperation mit den Ländern nicht erleichtern. „Mehr Kompetenzen für den Bund sind schon gar nicht drin“, gab sie sich noch vor kurzem überzeugt.

Die 61 Jahre alte Frau Wanka ist auf einem Bauernhof in Sachsen groß geworden. Während sie eine Berufsausbildung als Agrotechnikerin machte, legte sie das Abitur an der Erweiterten Oberschule ab. Danach schloss sie ein Mathematikstudium an der Universität Leipzig an, wurde wissenschaftliche Assistentin an der Technischen Hochschule Merseburg und dort schließlich Professorin und Rektorin. Ihren Mann, einen Mathematikprofessor, der heute in Chemnitz lehrt und mit dem sie zwei Kinder hat, lernte sie an der Hochschule kennen.

In Wendezeiten in die Politik

In die Politik kam Frau Wanka wie der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck zu Wendezeiten als Mitglied der Bürgerbewegung der DDR. Als Platzeck die Koalition mit der Linkspartei eingegangen war, zieh ihn Wanka des Verrats an den Zielen von 1989. Sie war Gründungsmitglied des Neuen Forums in Merseburg und gehörte bis 1994 dem Kreistag an.

Die ostdeutsche Hochschullandschaft kennt sie insbesondere durch ihre Mitarbeit in den Strukturkommissionen in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Im Jahr 2000 wurde die parteilose Professorin von Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) zur Kultur- und Wissenschaftsministerin in Brandenburg berufen. 2001 trat sie in die CDU ein. 2008 wollte Ole von Beust sie als Wissenschaftssenatorin ins schwarz-grüne Hamburg holen, auch Sachsen-Anhalt interessierte sich für sie, doch sie winkte ab und blieb bis 2009 Wissenschaftsministerin in Brandenburg, wo sie es schaffte, den Etat für Wissenschaft und Forschung zu erhöhen.

Als CDU-Vorsitzende in Brandenburg fiel sie im Landtag durch scharfe Attacken gegen die rot-rote Koalition auf und brach völlig mit Platzeck. Frau Wanka lächelt gewinnend und gilt als pragmatisch, aber auch als hartleibig und berechnend in Verhandlungen. Das Vertrauen der Wissenschaft, das ihre Vorgängerin genoss, wird sie sich erst erarbeiten müssen. Zu ihrem Glück dürfte ihre mathematische Dissertation über „Lösungen von Kontakt- und Steuerproblemen mit potenzialtheoretischen Mitteln“ keine Angriffsfläche bieten.

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Quelle: F.A.Z.

 

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