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Joachim Poß im Portrait Parteisoldat ohne Profilierungssucht

25.08.2010 ·  Joachim Poß stellte sich als disziplinierter Parlamentarier und ausgewiesener Finanzexperte in den Dienst seiner Partei. Darum überrascht es nicht, dass Frank-Walter Steinmeier ihn gebeten hat, die Bundestagsfraktion vorerst zu leiten.

Von Majid Sattar, Berlin
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Als ehemaliger Wehrdienstverweigerer mag Joachim Poß den Begriff „Parteisoldat“ nicht. Es ist, subtrahiert man die militärische Komponente, gleichwohl eine treffende Bezeichnung für den Sozialdemokraten, der sich die vergangenen Jahrzehnte als ein disziplinierter Parlamentarier und ausgewiesener Finanzexperte ohne große Profilierungssucht in den Dienst seiner Partei gestellt hat. Dass Frank-Walter Steinmeier, der nun einige Wochen in Berlin ausfällt, weil er seiner lebensgefährlich erkrankten Frau eine Niere spendet, den 61 Jahre alten Westfalen gebeten hat, die Bundestagsfraktion vorübergehend zu leiten, überrascht nicht: Poß ist der dienstälteste stellvertretende Fraktionsvorsitzende, und er hat zudem, anders als sein Stellvertreterkollege Olaf Scholz, nie Ambitionen erkennen lassen, die mit denen Steinmeiers kollidierten.

Poß gehört einer Generation in der SPD an, die in den späten sechziger Jahren politisch sozialisiert wurde und sich von Willy Brandt angezogen fühlte. Das Elternhaus – die Mutter katholisch, der aus Ostpreußen stammende Vater protestantisch – prägten den späteren Messdiener eher kulturell als politisch. 1968 war er Kreisvorsitzender der Jungsozialisten in Gelsenkirchen, sogar ein bisschen rebellisch, wenngleich ihm, dem Realschüler und späteren Stadtinspektor eine neo-marxistische Lebensphase erspart blieb. Seine Juso-Tätigkeit störte gleichwohl die Altvorderen in der Stadtverwaltung, so dass Poß in den siebziger Jahren als Geschäftsführer zu den „Falken“, der SPD-nahen sozialistischen Jugend, wechselte. Die politische Karriere begann in der Kommunalpolitik, 1980 zog er erstmals in den Bundestag ein.

Poß war für Steinbrück in der Finanzkrise ein wichtiger Rückhalt

Seit mehr als zwanzig Jahren befasst er sich mit der Finanzpolitik, von 1988 an als Obmann im Finanzausschuss, dann von 1999 an als Nachfolger Ingrid Matthäus-Maiers in der Funktion des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Poß hat unter dem Finanzminister Eichel wesentlich mit an der rot-grünen Steuerreform gearbeitet und war dessen Nachfolger Peer Steinbrück in der Finanzkrise ein wichtiger parlamentarischer Rückhalt. Zurzeit arbeitet er an einem neuen Steuerkonzept für seine Partei, die auch finanzpolitisch wieder in der Opposition ankommen will.

Zurzeit kursieren unterschiedliche, zum Teil konfligierende Reformentwürfe mit wesentlich höheren Spitzensteuersätzen, aber auch Überlegungen, die Vermögensbesteuerung wieder stärker sozialdemokratisch auszurichten. Sein Problem ist, dass der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel noch nicht so recht zu erkennen gibt, was er finanzpolitisch will und wie konkret der Parteitag sich mit der Steuerpolitik befassen soll. Poß, der sich als „Zentrist“ bezeichnet, verfügt über einen realistischen Ehrgeiz. Er wird wissen, dass sich die Partei bis 2013, wenn er 65 Jahre sein wird, daran machen muss, neue Finanzexperten aufzubauen.

Poß ist seit 30 Jahren in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei Söhne und eine Tochter. Wenn er einmal nicht über Steuerkonzepten grübelt, joggt er oder liest Bücher. Bis zum Oktober wird er auf seine Hobbys verzichten müssen.

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Jahrgang 1970, politischer Korrespondent in Berlin.

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