http://www.faz.net/-gpf-95i24

Tweet gegen Noah Becker : AfD-Abgeordnetem drohen wegen Hetz-Nachricht Konsequenzen

  • Aktualisiert am

Jens Maier ist Richter am Landgericht Dresden und Bundestagsabgeordneter der AfD. Bild: dpa

Der AfD-Politiker Jens Maier hat auf Twitter einen rassistischen Kommentar über den Sohn von Boris Becker gepostet. Führende Politiker reagieren entsetzt über den Vorfall – und Beckers Familie erwägt rechtliche Schritte.

          Nachdem der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier im Kurznachrichtendienst Twitter mit einem rassistischen Kommentar über Noah Becker aufgefallen ist, könnten ihm nun rechtliche Konsequenzen drohen. Nach Berichten der „Bild“-Zeitung will Becker in Absprache mit seinem Vater juristisch gegen Maier vorgehen. Beckers Rechtsanwalt Christian-Oliver Moser sagte der Zeitung, er sei beauftragt worden, „unverzüglich die erforderlichen straf- und zivilrechtlichen Schritte gegen Herrn Jens Maier wegen dieser eindeutig rassistischen Twitter-Nachricht zu ergreifen“.

          Führende Politiker von SPD, Union, Grünen und Linken reagierten mit scharfer Kritik auf den Tweet Maiers, in dem Boris Beckers Sohn Noah als „kleinen Halbneger“ bezeichnet wurde. Maier bezog sich mit seiner Nachricht auf eine Aussage von Noah Becker. Der Künstler und Musiker hatte in einem Interview gesagt, Berlin sei im Vergleich zu London oder Paris eine „weiße Stadt“. Er selbst sei bereits wegen seiner Hautfarbe attackiert worden.

          Twitter löschte den Kommentar, der bereits am Dienstag veröffentlicht worden war; die „Bild“-Zeitung dokumentierte ihn mit einem Screenshot. Dem Blatt zufolge lautet der Kommentar über den 23 Jahre alten Becker-Sohn: „Dem kleinen Halbneger scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären.“

          Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) sprach in der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag von einem „widerlichen und unerträglichen Ausfall“. Wenn Maier noch einen Rest von Anstand habe, müsse er sich umgehend entschuldigen. Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) sprach Maier gegenüber der Zeitung die Befähigung ab, weiter als Richter in Dresden zu arbeiten.

          Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte der „Bild“-Zeitung, wer solche Ausdrücke verwende, „braucht sich über den Vorwurf des Rassismus nicht zu wundern“. Grünen-Politiker und Rechtsfachmann Konstantin von Notz stellte die Äußerung Maiers in eine Reihe mit Nazipropaganda. „Wie die AfD Hetze und Hass schürt, erinnert immer mehr an die schlimmsten Zeiten in der deutschen Geschichte“, sagte er Zeitung. „Darauf müssen wir gelassen, aber entschlossen reagieren – heißt, Meinungsfreiheit garantieren, aber Volksverhetzung konsequent verfolgen.“

          Auch der AfD-Politiker selbst reagierte auf die Kritik an seinem Tweet. In einer Twitter-Nachricht an die „Bild“-Zeitung teilte er mit, er habe den Tweet nicht selbst verfasst und bedauere diese „Panne“. Er wolle sich „bei Herrn Becker dafür entschuldigen“.

          Einer seiner Mitarbeiter habe den Kommentar verfasst, sagte der Dresdner Richter, der seit 2017 als AfD-Abgeordneter im Bundestag sitzt. Diesen habe er abgemahnt und zudem „organisatorische Konsequenzen“ gezogen. Der 55 Jahre alte Maier gehört zum rechtsnationalen Flügel seiner Partei.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Alice Weidel lehnt einen Rücktritt wegen der illegalen Spenden ab.

          Geld aus der Schweiz : Weidel bezahlte Wahlkämpfer mit Spende

          Alice Weidels Sprecher bestätigt die bewusste Verwendung des Geldes. Die illegale Spende soll für die Finanzierung von Facebook-Likes und für einen Medienanwalt genutzt worden sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.